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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Kneif‘ mich mal jemand. Das Spiel gegen Köln ist nicht 2:2 ausgegangen? Die Domstädter haben keinen späten Ausgleich geschossen? Der Club hat tatsächlich noch ein drittes Tor nachgelegt? Die Tabelle, die überall in den Zeitungen und im Internet steht, ist keine Tabelle aus 1960er Jahren? Es sind elf Spieltage gespielt und der FCN steht vor den Bayern, vor Werder Bremen, vor Schalke und vor Stuttgart?
So ganz kann es DER DISORDER ja nicht glauben, was da im Frankenland momentan passiert, aber er ist sich sicher: Er ist da nicht der Einzige. Der Club fährt am nächsten Sonntag nach München und steht in der Bundesliga-Tabelle vor den Münchenern? Ja, oh, ja… es ist wahr… und ja, oh, ja… ich höre sie auch, die Unkenrufe, dass sich dieses Tabellenbild schon nach dem nächsten Wochenende wieder geändert haben wird. Aber: Es ist mir egal. Als Clubfan muss man die Feste feiern, wie sie fallen. Man muss die Woche genießen, sich die Tabelle immer wieder ansehen und sich selbst tief in die eigene Erinnerung brennen. Ein Blick auf die Heimtabelle der Bundesliga macht noch mehr Spaß: Der Club auf Platz zwei, vier Siege, eine Niederlage, zwölf Punkte. Oder auch die Formtabelle der Bundesliga über die letzten fünf Ligaspiele: Der Club gerade mal einen Punkt hinter Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt auf Rang drei. Auch hier: Vier Siege, eine Niederlage aus den letzten fünf Spielen, zwölf Punkte und einen Vorsprung auf Leverkusen, den HSV oder die Bauern. Das Ganze ist die schönste Momentaufnahme seit langem und vor allem: Die Mannschaft von Dieter Hecking hat sie sich verdient. Plötzlich merken selbst die Pressevertreter, dass der Club noch in der Bundesliga kickt und auch ein Mario Basler dürfte inzwischen gemerkt haben, dass der 1.FC Nürnberg am Ende der Saison nicht – wie von ihm prophezeit – abgeschlagen am Tabellenende landen wird.
Denn bei aller Skepsis, dass der Rest der Saison auch nur annähernd so positiv verlaufen wird, wie die letzten fünf Spiele: Schauen wir einfach mal auf die Tabellen der letzten Bundesligaspielzeiten am 11. Spieltag. Wer in den letzten zehn Jahren nach 11 Runden 18 Punkte auf dem Konto hatte, ist bis auf eine einzige Ausnahme (Mainz 05 im Aufstiegsjahr 2004/2005) am Ende der Saison mindestens Tabellenzehnter geworden. Und selbst die Mainzer schlossen ihr erstes Jahr in der Bundesliga mit Rang elf nicht wirklich viel schlechter ab. Und um die Übertreibungen einfach mal auf die Spitze zu treiben: Die Bauern hatten in der letzten Saison nach elf Spieltagen auch nur einen Punkt mehr als der Club heuer und sind am Ende der Saison souverän Meister geworden. Vor zwei Jahren stand der VfL Wolfsburg zur selben Zeit der Saison mit gerade 16 Punkten sogar nur auf Rang neun der Tabelle.
Was DER DISORDER sagen will und was man auch im nervigen Intervieweinheitsbrei nach den Spielen von den Aktiven immer wieder gesagt bekommt: Es ist noch viel zu früh, um irgendetwas sagen zu können – egal nun, ob man nach unten oder nach oben denkt, egal, ob man im Hinterkopf immer wieder den Gedanken „Der Club ist der Club“ laut aufschreien hört. Fakt ist allein: Die Männer in rot-schwarz haben in den bisherigen Spielen der Saison mehr als positiv überrascht. Fakt ist auch: Der Club steht nach elf Spieltagen mit seinen fünf Siegen, drei Unentschieden und drei Niederlagen so gut da, wie seit der Saison 1989/1990 nicht mehr. Das war eine Zeit als in der Bundesliga noch Mannschaften wie Bayer Uerdingen, der FC Homburg oder auch Fortuna Düsseldorf (sorry, Goldie!) kickten. Damals bedeutete das 2:0 gegen Waldhof Mannheim sogar den sechsten Sieg bei zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Lang, lang ist’s her und nur die Wenigsten werden sich heute noch daran erinnern und die beiden Torschützen des Spiels gegen die Waldhof-Buben ähnlich schnell nennen können, wie die Namen Jens Hegeler, Ilkay Gündogan und Julian Schieber. Oder, wer hat die Tore damals geschossen? Weiß es jemand auf Anhieb?
Eben! Und damit das nicht noch einmal passiert: Lasst uns die Clubsiege feiern, wie sie fallen, merken wir uns die Namen der Jungs, die uns einen besseren Start in die Saison geboten haben als in der heiligen Pokalsiegersaison. Merken wir uns die Namen der Jungs, auch wenn sie wahrscheinlich zum Großteil in der nächsten Saison bei einem anderen Verein spielen werden. Merken wir uns die Namen der Jungs einfach – in der Hoffnung, dass es nicht wieder mehr als zwanzig Jahre dauert, ehe der Club einen ähnlich guten Start hinlegt und von einer sorgenfreien Saison träumen lässt. Denn Träumen wird ja wohl noch erlaubt sein und deshalb sagt DER DISORDER jetzt einfach: Am Sonntag bei den Bauern gewinnen und schon haben sich die Namen der Jungs auf ewig einprägt.
Ach ja, die Torschützen damals gegen Waldhof Mannheim waren übrigens Ulf Metschies und Günter Drews – und auf der Bank des Clubs saß ein Mann, mit dem es am Sonntag ein Wiedersehen geben wird: Hermann Gerland.