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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Ja, Mensch, der Club kann ja richtig Spaß machen. Drei Heimsiege in Folge, zwölf Punkte, ein Platz irgendwo im Niemandsland der Tabelle – man könnte ja fast schon euphorisch werden. Sechs Punkte sind es bis zum Abstiegsplatz, nur vier Punkte bis nach oben zu einem Champions-League-Platz. Man ist Punktgleich mit den Bauern und hat den Vorsprung auf den selbsterklärten Meisterschaftsmitfavoriten Schalke 04 um zwei Punkte ausgebaut. Irgendwie klingt das Alles doch nach einer guten Saison und ganz ehrlich: Bei allem Zweckpessimismus, den man als Clubfan über die Jahre hinweg aufbaut – es klingt nicht nur nach einer guten Saison, es ist bisher auch eine gute Saison. Schade nur, dass bisher erst ein Viertel dieser guten Saison gespielt ist. Denn steht man nach 30 Spieltagen  mit einer ähnlichen Bilanz da – mit ebenso vielen Siegen wie Unentschieden und Niederlagen, dann würde dies nach 30 Spieltagen genau 40 Punkte bedeuten und wäre in den Augen des DISORDER eine ähnlich große Sensation wie ein eventueller Meistertitel der Mainzer.
Die junge Mannschaft von Dieter Hecking ist auf einem guten Weg. Rückschläge werden verarbeitet, nicht mehr dazu genutzt, um Kopf und Schultern hängen zu lassen. Diese junge Mannschaft hat ein Ziel und dieses Ziel heißt erfolgreicher Fußball. Das Ziel heißt: Sieg! Nicht Unentschieden oder einfach nur schön spielen – die jungen Männer in rot-schwarz wollen gewinnen und wenn der Gegner dann mal ein Gegentor macht, dann heißt es eben nicht mehr: Ok, dann sind wir eben mit dem Punkt zufrieden. Im Gegenteil: Die Mannschaft marschiert, hängt sich rein und kämpft, bis der Siegtreffer letztlich gefallen ist. Und genau das gefällt an der jungen Mannschaft. Mit Ilkay Gündogan und Mehmet Ekici haben sich da im Mittelfeld zwei Spieler gefunden, die sich fast perfekt ergänzen. Drumherum wirbelt ein Mike Frantz, bis er tot umfällt und vorne rennt sich Julian Schieber die Lunge aus dem Hals und umkurvt dabei nicht selten zwei bis vier Gegenspieler. Da wird sich gegenseitig angestachelt, da wird gemeinsam gearbeitet, bis es am Ende dann wieder 2:1 heißt.
Diese Mannschaft macht in der Tat Spaß. Auch, weil man im Moment eben nicht das Gefühl hat, dass sie sich durch Niederlagen aus dem Konzept bringen lässt. Das 2:3 auf St.Pauli war unglücklich, doch Niederlagen gehören für den Club zum Fußball. Kein Mensch erwartet, dass der 1.FC Nürnberg nun plötzlich durchstartet und bis zum Ende der Saison ohne weiteres verlorenes Spiel bleibt. Und dennoch oder gerade deswegen: Trainer Dieter Hecking und seine Jungs scheinen genau zu wissen, was sie können. Sie wissen, auf welche Tugenden sie sich verlassen können und müssen. Wenn es dann am Ende zu drei Punkten reicht – Super! Wenn es am Ende nur zu einem 2:3 reicht – Mund abwischen, weiter machen. Und wann konnte man im Zusammenhang mit dem Club denn das letzte Mal wirklich von Tugenden reden?
DER DISORDER jedenfalls freut sich jetzt schon auf die nächsten Spiele. Die Aufgabe in Elversberg am Mittwoch wird mit Sicherheit nicht einfach, das Spiel in Bremen nächsten Samstag noch viel weniger. Dennoch: Der Club hat drei Siege und drei Unentschieden auf der Habenseite – so viel wie in der letzten Saison nach 13 Spieltagen… und nach 17 Spieltag auch noch. Dennoch ist dem Autor dieser Zeilen nicht bange, dass es dieses Jahr ein ähnliches Loch geben wird, wie in der letzten Saison vor Weihnachten. Dazu sind die Fortschritte in der Mannschaft zu offensichtlich. Nimmt man allein die letzten Minuten des Spiel vom Samstag. Wo die Mannschaft früher bei einer solch knappen Führung ins Schwimmen geraten wäre, da verteidigt sie in dieser Saison klug den Ball weit in der gegnerischen Hälfte, holt hier noch einen Eckball raus, spielt dort noch ein paar kurze Sicherheitspässe. Die Mentalität stimmt und so gibt es für den DISORDER am Sieg vom Wochenende gegen den VfL Wolfsburg eigentlich nur eine einzige Sache auszusetzen: Die Farben der Kapitänsbinde von Andi Wolf. Was mussten die müden Augen des Clubfans da sehen? Blau-weiße Rauten? Entschuldigung, Herr Wolf, aber das geht nun wirklich nicht!