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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Irgendwie geht man ja als Clubfan am Montag viel lieber auf Arbeit, wenn der FCN am Wochenende gewonnen hat. Das Grinsen ins Gesicht gemeißelt, weiß man, dass einem eine Woche bevorsteht, in der man nicht mitleidig angeschaut wird, in der man sich keine höhnischen Kommentare anhören muss und in der man sich nicht immer wieder selbst erklären muss, warum man das Herz an einen Verein verloren hat, der meist am südlichen Ende der Tabelle rumkrebst.
Wenn dann die Bundesliga noch so schön verrückt spielt, wie sie es im Moment tut: Noch schöner. Da kann man mit den anderen Fußballsachverständigen dann mal so richtig diskutieren, wie lange Mainz 05 noch siegen wird, wo Schalke am Ende der Saison stehen wird und ob die Bauern am Ende überhaupt den internationalen Wettbewerb erreichen. Zigarettenpausen dauern im Moment jedenfalls sehr viel länger als zu Zeiten der Bauern-Dominanz in der letzten Spielzeit. Und wenn man dann noch mit einem Grinsen stets darauf hinweisen kann, dass man mit dem Club ja nun in der Tabelle vor den Bauern steht – allzu oft kommt das nach einem siebten Spieltag auch nicht vor.
Doch wollen wir bei aller „Euphorie“ den Club nicht aus den Augen verlieren. Der 1.FC Nürnberg steht nach einem siebten Spieltag so gut da, wie seit der Pokalsieger-Saison nicht mehr. Neun Punkte aus sieben Spielen, dabei zwei Heimsiege gegen Mannschaften, die bei nüchterner Betrachtungsweise am Ende der Saison wahrscheinlich vor uns in der Tabelle stehen werden – alle Achtung! Noch deutlicher wird die Verbesserung zur letzten Saison im Vergleich mit den Spielen gegen eben jene Gegner, die wir nun schon hinter uns haben. Zählt man die Ergebnisse der bisherigen Spiele aus der letzten Saison zusammen – das Ergebnis klingt verheerend: Gerade mal einen Punkt hätte der Club jetzt bei einem Torverhältnis von 4:16 Toren. Da sind dann neun Punkte und 7:8 Tore ein deutlicher Schritt nach vorne. Und natürlich ist es immer schwierig, Spiele aus der letzten Saison mit Spielen aus der aktuellen Saison zu vergleichen. Daher einfach mal ein anderer Vergleich, der ins Auge fällt. Der Club hat im Heimspiel gegen Schalke bereits zum zweiten Mal in dieser Saison einen Rückschlag weggesteckt (in beiden Fällen der Ausgleich nach 1:0-Führung) und das Spiel durch ein spätes Tor doch noch gewonnen. Ein besseres Zeichen dafür, dass es in der Mannschaft stimmt und sie an sich glaubt, gibt es kaum. Der aktuelle VfB Stuttgart ist das beste Gegenbeispiel.
Ein weiteres Indiz für eine Saison, die besser laufen wird als die vergangene, sieht DER DISORDER in der Berichterstattung der Medien. Wann immer der Club spielt, geredet wird nur über den Gegner. Sei es Bayer Leverkusen, bei denen alle Welt gespannt war, wie sie das erste Heimspiel nach der 3:6-Klatsche gegen Mönchengladbach bestreiten würden. Auch vor dem Stuttgart-Spiel wurde ausschließlich über den VfB geredet. Die Schwaben hatten am Wochenende zuvor ihren ersten (und bis heute einzigen) Saisonsieg gefeiert – mit 7:0. Es folgte das Spiel in Frankfurt, das der Club durchaus hätte gewinnen können und welches Eintracht-Trainer Michael Skibbe dann mit drei Punkten aus sechs Spielen eventuell schon den Arbeitsplatz gekostet hätte. Und nun also das Spiel gegen Schalke – hat im Vorfeld eigentlich in den Medien irgendjemand etwas über die Situation beim Club vernommen? Felix Magath und sein Starensemble hier, Felix Magath und seine Millionentruppe dort. Über den Club? Kein Wort.
Die Mannschaft von Dieter Hecking hält sich aus allen Diskussionen heraus und sammelt lieber schon einmal Punkte. Und mit dem 1.FC Kaiserslautern hat man den ersten Höhenflieger der frühen Saison bereits überholt. Oder erinnert sich noch jemand daran, dass die Pfälzer nach zwei Spieltagen und einem Heimsieg über die Bauern mit sechs Punkten auf Tabellenplatz zwei standen? Fünf Spieltage später stehen sie mit gerade mal einem einzigen Punkt mehr plötzlich hinter dem Club auf Platz 14 der Tabelle. Denn auch, wenn es so aussieht, als würde es noch ein wenig dauern, ehe die Bundesliga-Tabelle sich der Geld-Tabelle wieder anpasst – eines zeigt das Beispiel Kaiserslautern, nämlich wie schnell es auch nach Höhenflügen wieder bergab gehen kann.
Also, lieber Club: Augen offen halten und schön fleißig weiter Punkte sammeln. Noch sind Hannover auf Platz drei und Freiburg auf Platz fünf nämlich vier bzw. drei Punkte entfernt. Und im Gegensatz zu den 13 Punkten, die die Bauern auf Mainz aufholen müssen, dürfte das mit Hannover und Freiburg doch sicherlich irgendwie machbar sein.