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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Das Clubspiel in Leverkusen war gerade abgepfiffen, die Berliner Clubfans ballten die Fäuste: Ja, ein Punkt in Leverkusen! Das Unentschieden über die Zeit gerettet, kein später Gegentreffer, mit dem 0:0 können wir leben. Ja, meint DER DISORDER, können wir. Ein Punkt in Leverkusen ist besser als kein Punkt in Leverkusen. Und dennoch gingen nur wenige Minuten nach dem Abpfiff im Berliner Bumerang die Diskussionen wieder los. Reicht der Punkt in Leverkusen am Ende der Saison? Wäre nicht gerade heute gegen eine schwache Bayer-Elf mehr drin gewesen?
Die Antwort muss ganz klar heißen: Ja! Gegen ungefährliche und harmlose Leverkusener wäre an diesem Sonntagnachmittag mehr drin gewesen. Die Clubabwehr stand sicher, festigte sich in den 90 Minuten am Rhein zusehends und ließ die Bayer-Stürmer mehr und mehr verzweifeln. Und gerade die letzten zehn Minuten des Spiels haben es deutlich gezeigt: Mit ein wenig mehr Mut, ein wenig mehr Zielstrebigkeit wären an diesem Sonntag drei Punkte drin gewesen. Chance vertan, kann man da nur sagen, denn es kommt nicht allzu häufig vor, dass man Bayer Leverkusen in derart schlechter Verfassung antrifft. Rosenborg Trondheim konnte nur drei Tage zuvor ein Lied davon singen. Die Norweger – immerhin oftmaliger ChampionsLeague-Teilnehmer – wurden in der BayArena am Donnerstag ähnlich zerrupft, wie der Club in der letzten Saison.
Als Clubfan saß man also an diesem Sonntagabend mal wieder so ein wenig zwischen den Stühlen. Lieber die Taube auf dem Dach als den Spatz in der Hand? Auf der einen Seite: Der Club hat auswärts wieder nicht verloren, hat in drei Spielen auf fremdem Platz drei Punkte geholt – und zwar nicht gegen irgendwelche Kanonenfuttervereine, sondern in Mönchengladbach, Hamburg und Leverkusen. Auf der anderen Seite: Der Club ist eine vor nur noch zwei Mannschaften in der gesamten Bundesliga, die noch auf den ersten Saisonsieg wartet. Auf der einen Seite: Die Clubabwehr scheint sich zu stabilisieren. Andreas Wolf und Per Nilsson scheinen sich in der Innenverteidigung mehr und mehr zu finden und auch Timmy Simons legt die Anfangsnervosität in der Bundesliga mehr und mehr ab.  Auf der anderen Seite: Die Clubstürmer treffen nicht. Drei Tore in vier Spielen – das ist zu wenig. Auf der einen Seite wieder: Man hat auch nach dem vierten Spieltag nur zwei Punkte Rückstand zu den Bauern und den Vorsprung auf Schalke 04 sogar nun auf drei Punkte ausgebaut. Doch bleiben wir auf der anderen Seite realistisch: Auch, wenn die Bauern im Moment sogar einen Treffer weniger erzielt haben als der Club und auch, wenn Schalke am Mittwoch in Freiburg wieder verliert – sowohl die Bauern als auch Schalke haben (wie übrigens auch viele andere Mannschaften in der Liga, siehe Bremen, Stuttgart oder eben auch Leverkusen) noch viel Luft nach oben und werden diese Luft nach Anlaufschwierigkeiten auch füllen. Beim Club bleiben die Zweifel, ob da noch Luft nach oben ist. Das mag pessimistisch klingen, doch vielleicht ist es auch einfach nur realistisch.
So richtig einschätzen kann man die Mannschaften der Bundesliga nach vier Spieltagen noch nicht. Zu was sind die Mainzer imstande? Wann kommt bei Hoffenheim der Einbruch? Wird der SC Freiburg auch das vierte Spiel in Folge gewinnen? Fragen über Fragen und eigentlich hat das Spiel in Leverkusen auch beim Club keine Frage wirklich beantwortet. Auswärts weiter ungeschlagen, steht zu Hause eben noch immer nur die dämliche 1:2-Niederlage gegen die Breisgauer. Die englische Woche wird helfen, Fragen zu beantworten. Die Frage z.B., ob der Club zu Hause jetzt auch so mauert, wie in der Ferne. Die Frage, ob man nach den Punkten in Hamburg und Leverkusen nun gegen Stuttgart nachlegen und die Auswärtspunkte damit veredeln kann. Die Frage, ob die Teams, die am Ende irgendwo im Süden der Tabelle stehen werden, weiter fleißig Punkte sammeln, während der Club sich schon nach dem vierten Spieltag wieder auf dem heiligen Relegationsplatz befindet.
DER DISORDER dreht sich im Kreis. Erst jedes weitere Spiel wird Antworten bringen und letztlich bleibt dann doch nur die Hoffnung, dass man in Nürnberg bemerkt hat, dass die Saison nicht nur begonnen hat und auch die Punkte aus den ersten Partien am Ende der Saison noch zählen – es bleibt vor allem die Hoffnung, dass man auch in Nürnberg merkt, dass nach der nun kommenden englischen Woche und den Spielen fünf und sechs schon wieder ein Sechstel der gesamten Saison vorüber ist.