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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

„Wir haben mit den Füßen eingetreten, was wir vorher mühsam errichtet haben.“ – treffender als Dieter Hecking nach dem Spiel gegen den SC Freiburg hätte es auch DER DISORDER nicht ausdrücken können. Der Club zeigte sich am Samstag mal wieder von seiner deppischsten Seite. Hallten Mitte der ersten Halbzeit noch „Deutscher Meister“-Sprechgesänge durch das Max-Morlock-Stadion, stellte sich spätestens mit dem Abpfiff der Partie durch Schiedsrichter Tobias Welz Ernüchterung auf den Rängen ein. Der Club hat das erste Sechs-Punkte-Spiel der Saison verloren. Sang- und klanglos, ohne großes Aufbäumen, ohne echte Torgefahr – kurz: einfach nur schlecht!
Dabei hatte es doch am Samstag so gut angefangen. Im dritten Spiel nacheinander erzielte der FCN nach ziemlich genau einer Viertelstunde den 1:0-Führungstreffer. Indes: Die Ausbeute, die am Schluss unter dem Strich blieb, wurde von Woche zu Woche schlechter. In Trier gewann man am Ende 2:0, in Mönchengladbach reichte es zumindest für ein 1:1 und nun also die 1:2-Niederlage.
Damit das hier jedoch niemand falsch versteht: Niederlagen können passieren, Niederlagen werden (gerade beim Club) weiter passieren. Was den Disorder jedoch alarmierte war die Art und Weise, wie sich die Mannschaft von Dieter Hecking gegen die drohende Niederlage stemmte. Von echtem Aufbäumen keine Spur. Von Ideen, wie man einen engen Abwehrverbund knackt: Keine Spur. Von Torgefahr im Freiburger Strafraum: Keine Spur. Wahrscheinlich hätte der Club noch fünf Stunden weiter spielen können und es hätte sich am Resultat nichts geändert. Fast hatte man mal wieder den Eindruck, dass die Männer in den weinroten Trikots nicht so recht begriffen hätten, worum es auch an diesem frühen zweiten Spieltag der Saison schon ging. Mit einem Sieg hätte man den Freiburgern schon einmal zeigen können, wo im Abstiegskampf der Hammer hängt. So jedoch baut man einen biederen Gegner auf, zeigt den Breisgauern, dass es gegen den Club auch mit einer unterirdischen Leistung zum Sieg reicht.
Nun gut, mag der Ein oder Andere sagen, es gibt Mannschaften, die noch schlechter in die Saison gestartet sind. Immerhin fünf Mannschaften haben nach zwei Spieltagen noch überhaupt keine Ausbeute und wenn der Club am Ende der Saison auf dem jetzigen Tabellenplatz steht, ist doch alles ok. Wer so argumentiert, sollte sich jedoch das Club-Programm nach der Länderspielpause einmal ansehen: Auswärts beim HSV, auswärts bei Bayer Leverkusen. Und diese Garantie gibt DER DISORDER: Wenn der FCN sich in diesen Spielen genau so harmlos nach vorne präsentiert wie am Samstag, wird er auch nach dem vierten Spieltag noch mit einem Punkt dastehen. Und dann wird es keine fünf Mannschaften mehr geben, die schlechter sind. Und einfach wird es mit Sicherheit auch 5. Spieltag gegen den VfB Stuttgart nicht.
Das Ganze kann man nun natürlich auch unter Schwarzmalerei abtun. Noch sind die Spiele in Hamburg und Leverkusen nicht verloren und wer weiß: Die Gladbacher haben doch schließlich am Wochenende auch bewiesen, dass man in Leverkusen durchaus gewinnen kann. Nun ja, die Gladbacher haben eben auch begriffen, wie man kämpft. Wie man sich nicht als der Depp der Nation hinstellt. Und so sehr DER DISORDER den 1.FC Kaiserslautern auch nicht leiden kann: Wann hat man von einer Mannschaft des 1.FC Nürnberg das letzte Mal eine solch leidenschaftliche Leistung gesehen, wie sie die Pfälzer am Freitag gegen die Bauern gezeigt haben? Wann hat der Club das letzte Mal ein Spiel in der Art gedreht, wie es die Mainzer am Samstag in Wolfsburg geschafft haben? Kaiserslautern, Mainz und Hannover haben es begriffen, worum es geht. Und so sehr die Bundesliga zur Zeit auch Kopf stehen mag, die Erklärung für die Siege der Underdogs ist denkbar einfach: Die Mannschaften nutzen die Gunst der Stunde und nutzen ihre Chance gegen Teams, deren WM-Teilnehmer noch weit von der eigenen Bestform entfernt sind. In Kaiserslautern, Mainz und Hannover haben sie begriffen, dass ein guter Saisonstart oft schon die halbe Miete sein kann, dass die Euphorie der ersten Spieltage zumindest bis zur Winterpause oft gutes Fahrwasser bietet.
Nur in Nürnberg ist man mal wieder zu dumm, dies zu begreifen. Man holt in Mönchengladbach einen durchaus ehrenvollen Punkt und wie Dieter Hecking am Anfang schon sagte: Im nächsten Spiel reißt man sich das Erarbeitete mit dem Hintern wieder ein. Nun gut, zumindest was das angeht hat sich beim Club im Gegensatz zur letzten Saison nichts geändert.