Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Was hat man auf diesem Moment gewartet: Sonntag, 15. August, 16.00 Uhr. Anstoß in Trier, der Club greift endlich wieder ins Fußballgeschehen ein. Man muss nicht mehr mit Deutschland jubeln, braucht nicht mehr über die viel besseren Spanier zu schimpfen und muss den Puls bei einem Spiel Slowenien – Algerien nicht mehr künstlich in die Höhe treiben. Jetzt endlich ist wieder echter Fußball angesagt – Adrenalinschübe, Wutausbrüche, aber auch kleine Freudentänze mit inbegriffen.
Es war also kein Zufall, dass es sowohl in der rot-schwarzen Kurve in Trier als auch im Berliner Bumerang gut besucht war Das Darben hatte ein Ende und schon nach fünf Minuten sehnte man sich in die fußballlose Zeit zurück. Der Club hatte in der Abwehr nicht aufgepasst und die Eintracht aus der Moselsstadt zeigte, dass sie auch Fußball spielen kann. Keine vier Minuten also und das Herz hatte seinen ersten Aussetzer.
Zum Glück für alle Anwesenden besinnte sich der Club dann zunächst auf den Klassenunterschied zum Gegner und erzielte in der 15. Minute das seltsamste Tor, seit im Bumerang Club geschaut wird. Die Clubfans in der Runde guckten sich zunächst ungläubig an, die ersten fingen schon an zu motzen, dass der Bunjaku die Chance nicht genutzt hat und nur wer dann ein paar Sekunden genau hinsah, konnte erkennen, dass der Schweizer inzwischen ein wenig jubelte. Das Runde war also tatsächlich im Eckigen – aus spitzem Winkel direkt unter die Latte geknallt. Das nun wiederum hatten im Bumerang dem Bum- Bum- Bunjaku nur die wenigsten zugetraut.
Es kam letztlich dann jedoch, wie es jeder erfahrene Clubfan nach der Führung erahnen musste. Die Mannschaft von Dieter Hecking schaltete zurück, verwaltete den Vorsprung und konnte sich am Ende bei „Magneto“ Schäfer bedanken, dass man nicht spätestens zwölf Minuten vor Spielende den Ausgleich kassiert hatte. Das 2:0 kurz vor Schluss? Nicht der Rede wert – hieß es zumindest aus den Mündern der meisten Clubfans. Mund abwischen, auf die zweite Runde freuen.
Beim Club selbst muss es nach der Begegnung jedoch heißen: Ab nach Hause und die kommende Woche noch nutzen. Denn wenn die Franken in wochenfrist bei Borussia Mönchengladbach in ähnlicher Form auflaufen wie beim Regionalligisten aus dem Südwesten der Republik, heißt es ganz schnell: Gute Nacht und außer Spesen nichts gewesen. Von Feinabstimmung und Spielwitz war jedenfalls am Sonntag beim Club noch nicht einmal ansatzweise etwas zu sehen. Einzig die Flanke von Christian Eigler auf Albert Bunjaku, die zur frühen Führung führte, konnte sich sehen lassen – wie der Schuss des Schweizers selbst eben auch (siehe oben). Ansonsten war das beim FCN noch sehr viel Stückwerk und keineswegs so, wie man sich das als Fan nach langer Sommerpause ausgemalt hatte. Auf Einzelkritiken will DER DISORDER an dieser Stelle gnädigerweise noch verzichten und den Mantel der frühen Saisonphase schweigend über die Männer ganz in weiß hüllen.
Denn seien wir doch auch mal in die andere Richtung ehrlich. Das, was der Club da gespielt hat, war über lange Phasen nur wenig ansehnlich. Wer sich jedoch durch alle 32 Erstrundenpartien des diesjährigen DFB-Pokal gearbeitet hat, wird schnell feststellen. Bei den Anderen läuft es bisher auch alles andere als rund. Wolfsburg müht sich 2:1 in Münster, Freiburg besiegt Oberneuland mit 1:0, Stuttgart kommt über ein 2:1 in Babelsberg nicht hinaus, Kaiserslautern braucht in Osnabrück ein Tor in der letzten Sekunde des Spiels, um sich in die Verlängerung zu retten. Hannover und St. Pauli nicht zu vergessen, die sich in Elversberg bzw. Chemnitz bereits jeder Doppelbelastung in dieser Saison entledigt haben.
Alles in allem schwimmt der Club also eigentlich nur im traurigen Tal der Saisonfrühphase mit allen anderen Mannschaften, die nicht Bayer Leverkusen heißen. Hoffen wir einfach, dass es ausnahmsweise mal die Männer von Dieter Hecking sind, die zuerst ans Ufer schwimmen und mit dem Fußballspielen anfangen. Schließlich heißt es ja auch Fußball-Bundesliga und nicht Schwimm-Bundesliga.