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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Endlich ist es vorbei! Kein Fußball mehr – die Wochenenden zur freien Verfügung, die Leber wird sich freuen, die Nerven erst recht. Kein Zittern mehr, keine schlaflosen Nächte mehr vor Nervosität. Man hat mal wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Am Ende ist ja alles nochmal gut gegangen und gäbe es eine Garantie, dass der Club in der Relegation nicht nur unschlagbar ist, sondern noch nicht einmal mehr Gegentore fängt, man könnte sich an die beiden Extraspiele nach der regulären Saison durchaus gewöhnen. Das Leiden der letzten Wochen, die spielerischen Grausamkeiten auf dem grünen Rasen – all das ist vergessen. Der Club bleibt in der ersten Liga und als Auswärtsfan darf man zumindest bis zum nächsten Sommer wieder vor allem samstags durch die Republik gondeln, um den Club live zu sehen. Meinem Befinden am Montag früh im Büro wird das jedenfalls sehr gut tun.
Aber, ach, habe ich das jetzt wirklich gerade geschrieben? Endlich kein Fußball mehr? Was mache ich dann hier? Ich sitze vor dem Fernseher und schaue mir das Relegationsspiel zwischen Hansa Rostock und dem FC Ingolstadt an. Zwei Mannschaft, die mich normalerweise genauso interessieren wie ein umfallender Sack Reis irgendwo in China. Zweite Bundesliga gegen Dritte Liga – fußballerisch wahrlich keine Feinkost und trotzdem hängen meine Augen am Bildschirm als gäbe es morgen kein Fußball mehr. Gäbe? Es gibt morgen kein Fußball… und übermorgen nicht und auch am Donnerstag nicht. Am Samstag das Champions League-Finale mit den Bauern – das kann man sich doch nicht ansehen.
Die Gedanken werden also schon in diesen Tagen wohl oder übel wieder in Richtung Club wandern. Wie will man verhindern, dass die nächste Saison wieder so ein Zitterpartie wird wie die abgelaufene? Wer kommt, wer geht? Die Wechselbörse wird zur meistbesuchten Website in der Sommerpause. Denn, wenn das alte Sprichwort stimmt, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg noch viel schwieriger wird als Aufstiegsjahr selbst, dann steht uns Clubfans in der neuen Saison ein heißer Ritt bevor. Ganze 31 Pünktchen haben dieses Jahr letztlich zum Klassenerhalt gereicht. Eine Punktzahl, die vielen anderen Jahren direkt in die Zweiklassigkeit geführt hätte.
Also bitte, liebe Clubverantwortlichen: So schön ein klarer Erfolg in der Relegation auch ist – lasst Euch nicht blenden. Nutzt die Sommerpause, um eine Clubmannschaft zusammenzustellen, die uns in der neuen Saison eher solche Momente beschert wie in der abgelaufenen Saison in Wolfsburg, Hannover oder Berlin oder wie gegen Leverkusen. Was kein Mensch mehr sehen möchte, sind Spiele wie sie der Club zum Ende der Hinrunde abgeliefert hat.
Aber wer weiß: Jetzt ist ja erst einmal Pause. Die Entzugserscheinungen werden früher oder später einsetzen und wenn das unerklärliche Zittern immer stärker wird, würde man sich letztlich vielleicht sogar mit einem Grottenkick zufrieden geben, wie er nun gerade im Fernsehen zwischen Rostock und Ingolstadt läuft.
Ach ja, und dann war da ja noch was. Die Medien waren ja heute davon: Michael Ballack kann nicht mit zur WM. Deutschland, Deutschland… wie soll das nun nur mit dem Weltmeistertitel klappen?
Wissen Sie was: Es ist mir egal. Wann war nochmal diese WM? Und wie viele Tage sind es danach dann noch, bis der Club endlich wieder spielt?