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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Es hatte schon etwas Surreales an sich. Samstag, 17.20 Uhr: Schiedsrichter Knut Kircher hatte die Begegnung des Clubs gegen Borussia Dortmund abgepfiffen. Die Aufholjagd war zu spät gekommen, die dritte Niederlage in Folge war perfekt. Hängende Köpfe auf dem grünen Rasen, hängende Köpfe auf den Tribünen und kaum war der Abpfiff des Referees verhallt, tönte in ohrenbetäubender Lautstärke Amy MacDonald durch die Lautsprecher des Max-Morlock-Stadions: „Don’t tell me that it’s over, it has only just begun.“ – besser hätte man eine Clubhymne gar nicht komponieren können. Gerade wieder in der Bundesliga soll nach einem Jahr schon wieder alles vorbei sein?
Es kann doch wohl nicht sein, was nicht sein darf… und genau das ist das Problem. Der Club strauchelt, stolpert, verliert und ist nur ein Jahr nach dem direkten Wiederaufstieg auf dem besten Weg auch den direkten Wiederabstieg hinzukriegen und im Stadion laufen musikalische Durchhalteparolen mit Mitgröhl-Charakter. Noch ist ja nichts verloren – wir können es immerhin noch aus eigener Kraft schaffen.
DER DISORDER möchte dem Stadion-DJ nun keinesfalls so viel musikalisches Geschick unterstellen, dass er den Hit von Amy MacDonald bewusst wegen seiner Textzeile im Refrain ausgesucht hat. Vielmehr glaubt er, dass es eher der sommerliche Hitcharakter des Songs war, der den DJ zum Griff in die Plattenkiste veranlasst hat. Schnell ein bißchen gutgelaunte Popmusik und schon ist die Niederlage vergessen. Weichspüler as Weichspüler can – nur keine Hektik aufkommen lassen. Noch sind wir auf einem Nichtabstiegsplatz und irgendwie werden wir das schon schaffen.
DER DISORDER sagt es jetzt mal ganz offen und ehrlich frei heraus – einfach, weil es sonst keiner tut: Diese „Wir sind der Club“-Atmosphäre mit all ihren Gewinnspielen, ihren Zeichnungsaktien und „Ganz Nürnberg in rot-schwarz“-Aktionen geht mir gehörig auf den Sack. Der Club steht mal wieder vor dem Abgrund und die Club-Klientel wedelt wohlgelaunt ihr Sponsoren-Fähnchen zum Takt von Amy MacDonald. Ich könnte kotzen! Irgendetwas läuft da beim Club momentan komplett schief.
Wie hieß es z.B. noch in der Vorankündigung zum Dortmund-Spiel? Borussia gegen die rot-schwarze Wand! Ha, lächerlich! Die Realität und der Club waren noch nie die besten Freunde. Oder hat irgendjemand von den Verantwortlichen am Samstag den Blick mal durch das geliebte Stadion mit dem verkauften Namen schweifen lassen?
Konnte man die kleine Gruppe unermüdlicher Kämpfer in Block 9-11 überhaupt noch ausmachen? Ich kann es Euch versichern: Die Handvoll Unerschrockener waren wirklich da, drehten sich wie immer mit dem Rücken zum Spiel und gaben ihr Bestes, um aus der Nordkurve eine rot-schwarze Wand zu machen. Leider war es ein Kampf gegen Windmühlen und, liebe Club-Verantwortlichen, wenn ihr die Leute aus der Nordkurve auf der Hauptribüne in Euren VIP-Logen nicht mehr gehört habt, dann überlegt doch einfach mal, woran das liegen könnte. Da wummert nach einem Anschlusstor der Bass durch die Stadionlautsprecher, dass man den eigenen Jubel nicht versteht, da zieht ein immer unerträglich werdender Stadionsprecher jeden noch so bedeutungslosen Vokal in die Länge als müsse er mit jeder neuen Ansage beweisen, dass er den längeren Atem hat. Dass die Stimmung am Ende seines Gebrülls längst wieder auf dem Tiefpunkt angelangt ist, weil man seinen eigenen Nachbarn kaum noch versteht, merkt der Mann von Radio Gong gar nicht.
Alles ist gut, so lange die Stimmung stimmt. Lieber Club, seit die Ultras mit drei Megaphonen gegen Flugzeuglärm ankämpfen müssen, gibt es im Stadion keine Stimmung mehr und selten wurde dies deutlicher als am letzten Samstag gegen Borussia Dortmund.
Zugegeben: Die Biene Majas aus Lüdenscheid waren in einer zahlenmäßigen Stärke in Nürnberg aufgetaucht, wie man es nur selten von Auswärtsmannschaften sieht. Dementsprechend laut schallte es dann bei den Gegentoren auch aus dem Süden des Stadions und so mancher Clubspieler mag sich auf dem grünen Rasen vorgekommen sein als habe er die gesamte Fahrt nach Dortmund einfach verpennt. Von Heimspiel war jedenfalls nur selten etwas zu merken und nun könnte man natürlich in Uli-Hoeneß-Schulmeister-Art daherkommen und sagen: „Ihr seid doch für die Scheißstimmung….“
Ja, richtig, da war ja noch was. Die bösen Ultras haben es sich ja selbst zuzuschreiben, dass sie ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen. Es hat ja schließlich seine Gründe, warum die Stadiontore für die echten Fans vor dem Spiel verschlossen bleiben: Schließlich kann man sich als Fan einer anderen Mannschaft in Gegenwart der Ultras seines Lebens nicht mehr sicher sein…. genau wie die vielen Dortmund-Fans, die am Samstag biersaufend und pommesfressend – unbehelligt von der Security – im (normalerweise) geschlossenen Bereich hinter der Nordkurve rumstiefelten und irgendwas von einer Autobahn von Nürnberg bis nach Auschwitz sangen.