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Fußball-Bundesliga 2009/2010, 30. Spieltag
[Sonntag, 11.04.10] 1.FC Nürnberg – VfL Wolfgsburg 0:2 (0:0)

Gegen den noch amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg musste der 1.FC Nürnberg am späten Sonntagnachmittag Lehrgeld bezahlen. Die Franken verloren ein Spiel, in dem sie die größeren Spielanteile hatten, der Gast aus Wolfsburg jedoch die größere Cleverness an den Tag legte.
Erneut über 40.000 Zuschauer im Max-Morlock-Stadion waren eine Woche nach dem guten Auftritt des Clubs gegen Mainz 05 gespannt, ob die Mannschaft von Dieter Hecking an die Leistung der Vorwoche würde anknüpfen können. Ganze 150 mitgereiste Wolfsburger Anhänger waren wohl eher daran interessiert, wie ihre Mannschaft das Ausscheiden aus der Europa-League verkraftet hatte.
Fußballerisch wurden die Fans in der ersten Halbzeit jedoch auf beiden Seiten enttäuscht. Weder der Club noch die Gäste aus Wolfsburg fanden richtig ins Spiel und so waren zwingende Möglichkeiten vor den Toren im ersten Durchgang Mangelware. Ein Kopfball von Grafite in der 13. Minute, sowie ein Fernschuss von Javier Pinola in der 26. Minute sorgten noch für die größte Gefahr. Aufregung kam trotzdem auf und wie es kurz vor Ende einer Saison meistens so ist, standen vor allem die Entscheidungen von Schiedsrichter Guido Winkmann im Mittelpunkt der Diskussionen. So hätten sich die Gäste aus Wolfsburg bereits in der 12. Minute nicht beschweren dürfen, wenn der Unparteiische für Nürnberg auf den Punkt gezeigt hätte. Irritiert durch einen unkonventionellen Abwehrversuch seines Kollegen Jan Simunek hatte Makoto Hashebe den Ball im Strafraum plötzlich an der Hand. Der Pfiff von Schiedsrichter Winkmann kam jedoch nicht – hätte aber spätestens in der 21. Minute kommen müssen. Der Wolfsburger Peter Pekarik lässt sich von Club-Stürmer Albert Bunjaku austanzen und weiß sich nicht anders zu helfen, als den Schweizer Nationalspieler in aussichtsreicher Position von den Beinen zu holen. Auf der anderen Seite hatte auch Javier Pinola wenige Minuten später Glück, dass Schiedsrichter Winkmann seine Elfmeterpfeife offensichtlich zu Hause gelassen hatte. Etwas unglücklich verteidigte der Argentinier in Clubreihen nach einer halber Stunde gegen Edin Dzeko und hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn der Pfiff dieses Mal gekommen wäre.
So aber ging es ohne Tore und ohne wirklich zwingende Torchancen in die Pause. Der Club hatte sich über die ersten 45 Minuten mehr Spielanteile erkämpft, ließ jedoch die zündene Idee vermissen, wie die gut stehende Wolfsburger Deckung ausgehebelt werden könnte. Zwar sprachen Ballbesitz und Passgenauigkeit nach der ersten Dreiviertelstunde deutlich für den Club, doch letztlich war das torlose Remis zu diesem Zeitpunkt durchaus gerecht.
In der zweiten Halbzeit gab der Club dann erheblich mehr Gas. Durch den Sieg des direkten Abstiegskonkurrenten aus Hannover am Samstag waren die Männer von Trainer Dieter Hecking gezwungen, etwas zu tun, um den alten Abstand wieder herzustellen. Wolfsburg indes schien sich seiner Stärken bewusst und verlegte sich in den ersten Minuten der zweiten Hälfte ausschließlich darauf, das Unentschieden zunächst zu halten. Vor allem bei Torhüter Diego Benaglio können sich die Gäste aus der Autostadt bedanken, dass dieses Vorhaben auch gelang.
Erste richtige Chance für den Club: Nach 47 Minuten, als Marcel Risse aus der zweiten Reihe einfach mal abzog, Benaglio den Ball nur abklatschen konnte, den Nachschuss von Bunjaku aus kurzer Distanz jedoch auch parierte. Zwei Minuten später verfehlte Bunjaku mit einem satten Schuss aus 20 Metern das VfL-Tor nur um wenige Zentimeter und in der 61. Minute waren es mit Bunjaku, Risse und Ilkay Gündogan gleich drei Clubstürmer, die letztlich am starken Wolfsburger Keeper scheiterten. 10:0-Torschüsse in der zweiten Halbzeit sprachen nach 65 Minuten eine deutliche Sprache, doch offensichtlich hatte die junge Club-Mannschaft bei allem Anstürmen vergessen, dass der Deutsche Meister der Vorsaison zwei brandgefährliche Top-Stürmer in den eigenen Reihen hat.
Zvjezdan Mimisomic leitete in der 66. Minute dann den Konter ein, der den Club mitten ins Herz traf. Sein langer Ball landete bei Weltklasse-Mann Edin Dzeko. Der Bosnier tanzt Dennis Diekmeyer und Andreas Wolf aus, lässt sie wie Amateure aussehen und hat aus fünfzehn Metern schließlich keine Schwierigkeiten, den Ball mit einem gezielten Schuss zum 0:1 im Nürnberger Gehäuse unterzubringen.
Der Club zeigte sich danach mindestens genauso geschockt wie seine Fans. Hatte man vor dem Gegentreffer noch das Gefühl, dass der Ball irgendwann schon im Wolfsburger Tor landen würde, war dieses Gefühl nun plötzlich wie weggeblasen. Kaum ein Pass, der noch ankam, das Spiel nach vorne plötzlich wieder harmlos wie in der Vorrunde der Saison. Einzig Eric-Maxim Choupo-Moting setzte in der 75. Minute noch einmal ein Ausrufezeichen. Der Schuss der HSV-Leihgabe aus rund sechszehn Metern verfehlte das VfL-Tor jedoch knapp.
Die Entscheidung fiel dann in der 78. Minute, denn nicht nur Edin Dzeko ist ein Weltklassestürmer, sondern mitunter auch Grafite. Der Brasilianer stand jedenfalls nach einer Flanke von Hasebe genau richtig und köpfte zum 2:0 Endstand. Für den Club gab es an diesem Sonntag keine Punkte zu holen – was vor allem an der hundertprozentigen Torchancenverwertung der Gäste lag. Über weite Strecken hatten die Nürnberger die Partie bestimmt, den entscheidenen Schlag jedoch nicht gesetzt. Trotz der Niederlage bleibt der FCN vier Spieltage vor Saisonende auf Platz vierzehn. Durch den Sieg von Hannover 96 gegen den FC Schalke 04 ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz jedoch auf einen einzigen Punkt geschmolzen. Zum SC Freiburg auf Platz 17 der Tabelle sind es drei Punkte Vorsprung und so kommt dem Spiel im Breisgau in der nächsten Woche durchaus eine Art vorentscheidener Charakter zu.