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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Was ist eigentlich das Schöne am Fußball? Die leckere Bratwurst im Stadion? Das Bier aus Plastikbechern? Oder vielleicht doch die immer zahlreicher werdenen weiblichen Fans? Vielleicht sind es ja auch die immer gleichen Floskeln, die Trainer und Spieler direkt nach dem Abpfiff in die Mikrofone von Sky, Sportschau und Sportstudio daherbeten. Oder es sind die freundlich gelösten Grinsebacken eines Herrn Hoeneß und eines Herrn Rummenigge, wenn die Bayern mal wieder die Liga beherrschen und auf Schalke gewinnen.
Spaß beiseite: Der Bauern-Vorstand geht mir letztlich genauso am Hintern vorbei wie die sich ewig wiederholenden Interviews direkt nach dem Spiel. Die überteuerten Bratwürste sind mir ebenso egal wie das abgestandene Bier. Solange es die Verfechter des modernen Fußballs aus dem Hause DFB und DFL nicht schaffen, dem Fußball vor allem eine Eigenschaft zu nehmen, wird es für mich leider keinen Entzug geben. Denn Fußball ist vor allem eins: Immer wieder überraschend. Bei all den Spieltagtipps, bei allem Expertenwissen, bei allen Wettangeboten – letztlich und streng gesehen: Kein Mensch hat vor dem Spiel auch nur irgendeine Ahnung, wie die Welt nach dem Spiel aussieht. Wir alle können tippen, uns Gedanken machen, Überlegungen anstellen und vielleicht sogar hinterher so etwas sagen wie: Habe ich doch gewusst. Doch mal ehrlich: Haben wir es wirklich vorher gewusst? Oder haben wir nur vermutet? Wissen wir wirklich vor der Saison, dass Bayern München mal wieder Deutscher Meister wird? Oder vermuten wir es bloß? Hat hier irgendwer gewusst, dass die Bayern zu Hause gegen Stuttgart verlieren, um dann Manchester und Schalke zu besiegen? Und hätte irgendjemand gedacht oder hat es gar jemand gewusst, dass der Club am Samstag gegen Mainz so wenig Mühe haben wird? Hat er dann womöglich sogar gewusst, dass sich Andreas Ivanschitz nach nur 188 Sekunden den schnellsten Platzverweis der Bundesliga-Geschichte abholt?
Und genau das ist es, was DER DISORDER meint: Fußball bietet immer wieder Überraschungen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Denn eigentlich hatte der DER DISORDER ja vor dem Spiel gegen den FSV 05 richtig Schiss. Ein Grottenkick war zu erwarten, eine Mainzer Mannschaft, die sich hinten reinstellt und über gefährliche Konter vielleicht sogar das ein oder andere Tor schießt, ein Krampfspiel auf Seiten der Nürnberger, die sich schwer tun, das Spiel zu machen und eine eng gestaffelte Mainzer Hintermannschaft zu knacken. Selbst wettertechnisch hieß es noch am Donnerstag: Während des Spiels in Nürnberg Regen und maximal 10 Grad.
Und dann das: Andreas Ivanschütz outet sich als einer der dümmsten Bundesligaspieler aller Zeiten und hätte sich das Aufwärmen eigentlich komplett sparen können. Die restlichen zehn Mainzer Spieler wähnten sich aufgrund des überraschend schönen Wetters bei Sonnenschein bereits im Sommerurlaub und der Club machte Druck nach vorne, knallte die Bälle nur so an Pfosten und Latte, vergaß dabei aber auch das Toreschießen nicht und fährt letztendlich einen in der zweiten Halbzeit fast spannungsfreien Sieg ohne jedes Schlußspurt-Zittern ein. Beeindruckend war vor allem die mitunter fast spielerische Leichtigkeit, mit der die Hecking-Schützlinge den Ball durch die eigenen Reihen liefen ließen. Nach Abstiegskampf sah das nur selten aus, eher nach gesichtertem Mittelfeld. Die vielen vergegebenen Chancen kehren wir in der Euphorie einmal unter den Teppich – nur um im selben Moment auch wieder auf diesen zurück zu kehren.
Bei allen positiven Überraschungen, die der Club und das Wetter am Samstag auch boten: Natürlich muss man sehen, gegen wen der Sieg eingefahren wurde. Gegen eine Mannschaft, die jenseits von Gut und Böse in der Tabelle steht. Eine Mannschaft, die ihr Saisonziel (im Gegensatz zum Club) längst erreicht hat.
Trotzdem muss man sagen, dass gerade solche Spiele und gerade beim Club schon mehr als nur einmal in die Hose gingen – also allein, was dies angeht, scheint der Club im Moment einen Schritt weiter als noch in der Abstiegssaison 2007/2008. Gehen wir also von Platz 14 aus (und wer hätte nach der Vorrunde gedacht – oder gar gewusst – , dass wir in dieser Saison noch mal irgendwann auf Platz 14 stehen würden?) mit Freude ins nächste Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg, holen wir noch einmal drei Punkte, verschaffen uns weiter Luft im Abstiegskampf. Denn der amtierende deutsche Meister wird sich mit Sicherheit nicht in die eigene Hälfte zurückziehen, wird mitspielen wollen, uns eventuell sogar die Chance bieten, die eigene Konterstärke auszuspielen. Denn immerhin geht es für die Autostädter noch um den letzten Strohhalm Europapokal-Qualifikation und so ist ein Krampfspiel mit Sicherheit nicht zu erwarten. Wären da nicht immer diese seltsamen Überraschungen, die der Fußball so bietet…