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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Es gibt Spiele, die bleiben einem als Fußballspiel ewig im Gedächtnis. Egal, wie lange es her ist, egal, wo man sich gerade befindet, egal, was man gerade tut: Man erinnert sich an bestimmte Begebenheiten, kann auch nach zwanzig Jahren die Torschützen noch nennen und weiß, in welchen Minuten die Tore und vor allem, wie sie gefallen sind. Das gestrige Spiel gegen Hoffenheim gehört mit Sicherheit nicht zu dieser Kategorie von Fußballspielen. Zu sehr dominierte die Langeweile auf dem grünen Rasen und Torschützen muss man sich auch nicht merken. Die Chance von Vedad Ibisevic oder Carlos Eduardo mit dem Lattentreffer in der 13. Minute wird vielleicht für ein paar Wochen haften bleiben, doch auf lange Sicht wird das Spiel hoffentlich ähnlich schnell in der Versenkung der eigenen Erinnerungen verschwinden, wie Hoffenheim wieder in den Niederungen der Fußball-Amateurklassen.
Das Spiel im Max-Morlock-Stadion war gestern genauso grau, wie die Gastmannschaft. Konnte man sich vor eineinhalb Jahren wenigstens noch darüber aufregen, wie es ein Dorfverein an die Spitze der Bundesliga schaffen kann und sich dann in der Rückrunde darüber freuen, dass eben jener Dorfverein nur eine Halbserie hoch geflogen ist, ist Hoffenheim inzwischen dermaßen in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, dass sich selbst der kleinste Gedanke an die Dorfkicker nicht mehr lohnt. Hoffen wir, dass Herrn Hopp irgendwann das Geld ausgeht und sehen wir dann mal, was mit seinem Bezirksligisten passiert.
Schauen wir auch mal, was mit dem Club dieses Jahr noch passiert. Kann man mit einem Unentschieden gegen biedere Hoffenheimer wirklich zufrieden sein? Oder ist man sich in Nürnberg des Klassenverbleibs vielleicht doch schon eine Spur zu sicher? Den Abstand zu Bochum verkürzt, den Vorsprung auf Hannover vergrößert – klingt doch eigentlich nach einem guten Wochenende. Doch wir kennen unseren Club… und wir wissen auch, dass er es wohl mal wieder mit Absicht bis zum Schluss spannend machen wird. DER DISORDER sieht sich schon wieder am letzten Spieltag mit klopfendem Herzen in der Nordkurve stehen – und will jetzt eigentlich noch gar nicht daran denken.
Doch gerade der gestrige Sonntag hat uns dann mal wieder gelehrt, dass das Abstiegsrennen noch lange nicht beendet ist. Die Hertha – letzte Woche noch tot und abgestiegen – meldet sich plötzlich mit einem 5:1 beim aktuellen deutschen Meister wieder zurück. Das nächste Wochenende wird zeigen, ob es der letzte verzweifelte Versuch eines Ertrinkenden war, oder ob der Schwimmversuch Substanz hat und ans rettende Ufer führen kann.
Auch die Freiburger haben an diesem Wochenende bewiesen, dass sie es noch können. Der erste Heimerfolg nach vielen, vielen Monaten – zugegeben gegen einen FSV Mainz, für den es im Rest der Saison um nichts mehr geht. Welch ein Glück, dass die Mainzer auch noch nach Nürnberg kommen. Und die Freiburger dürfen nächstes Wochenende in Hoffenheim zeigen, ob sie wirklich bundesligatauglich sind.
Bleibt Hannover, bleiben die Bochumer und sicherlich auch der 1.FC Köln – hat sich DER DISORDER vor ein paar Wochen noch über ein Schneckenrennen im Abstiegskampf beschwert, zeigt sich nun deutlich, dass der Zug dort unten an Fahrt aufgenommen hat. Auch die letzte Mannschaft hat nun begriffen, worum es geht. Und während sich das Spitzentrio an diesem Wochenende die Blöße gegeben hat und allein Schalke zumindest einfach punkten konnte, wird es ein Wochenende, an dem die potentiellen Absteiger ohne Punkte bleiben, bis zum Saisonende nicht mehr geben – schon allein, wenn es zu direkten Duellen kommt, wie zwischen Hannover und Köln am nächsten Spieltag. Irgendein Verein am südlichen Ende der Tabelle wird sich immer den ein oder anderen Punkt stiebizen können und eine Prognose abzugeben ist in etwa so schwierig wie das Voraussagen der Lottozahlen.
Bleibt einem also nur, am Ende auf das Ergebnis zu gucken und zu hoffen und zu beten, dass der Club nach dem letzten Spieltag über dem Strich steht. Erst dann wird sich auch mit Sicherheit sagen lassen, ob der Punkt gegen Hoffenheim denn nun ausreichend war oder ob wir am Samstag zwei wichtige Punkte haben liegen lassen. Spätestens dann wird man sich noch einmal an den Grottenkick vom Samstag erinnern müssen.