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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Seien wir doch mal ehrlich… eigentlich kam dieser Rückrundenstart nach der kurzen Winterpause doch viel zu früh. Zwischenzeitlich gestresst durch Weihnachten und den Jahreswechsel hatte man eigentlich kaum Zeit, Schwung zu holen und aus dem tiefen Tal der ernüchternen Vorweihnachtsspiele auf einer künstlichen Euphoriewelle in Richtung Überzeugung auf den Klassenerhalt zu schwimmen. Zu frisch waren die Erinnerungen an Gurkenspiele in Dortmund und Köln oder zu Hause gegen Hamburg, als dass sich in der grundtiefen Sicherheit, dass der nächste Abstieg vor der Tür steht, auch nur irgendetwas getan haben könnte.
Im Gegenteil: Kaum war über die Feiertage so etwas wie Ohrenspitzen aufgekommen, weil eine sonst sehr seriöse französische Sportzeitung den Club plötzlich mit einem ehemaligen Wunderstürmer namens Roy Makaay in Verbindung gebracht hatte, krachte ein Martin Bader mit dem Holzhammer mitten auf den Tisch und kehrte die Spähne eines Sensationswechsels penibel unter den Teppich. Statt dessen zauberte der Herr Bader zusammen mit seinem neuen Trainer zwei Defensivkünstler der Telekom-Audi-Kicker aus dem Süden der Republik aus dem Ärmel.
Der geneigte Clubfan wusste auch dann auch sofort, was zumindest die Verpflichtung von Andreas Ottl bedeutete: Peer Kluge war Geschichte beim Club und wird nun von unseren Fanfreunden aus Schalke angefeuert.
Apropos Schalke: Da war ja noch was am gestrigen Sonntag. Und seien wir auch ruhig noch einmal ehrlich: Hat eigentlich auch nur irgendein Clubfan vor dem Spiel geglaubt, die Mannschaft in rot-schwarz sei trotz neuem Trainer fähig, auf Schalke irgendetwas Zählbares mitgehen zu lassen? War überhaupt auch nur irgendein Clubfan noch mit dabei, der beim letzten Auswärtssieg des Clubs auf Schalke auch schon mit dabei war?
Wieder einmal zeigte sich auf dem grünen Rasen, dass das Wort Fanfreundschaft deshalb Fanfreunschaft heißt, weil sich die Freundschaft zwischen Schalke und Nürnberg mal wieder keineswegs auf den grünen Rasen übertragen hat. Wenn dem nämlich so gewesen wäre, hätten sich die Gastgeber mit ihrem Ex-Club-Trainer Felix Magath mit einem torlosen Unentschieden zufrieden gegeben. Denn bei allem Pech mit zwei Pfostenschüssen hätten sich die Elf Clubberer den einen Punkt durchaus verdient gehabt. Die Neuzugänge Breno, Andreas Ottl und Angelos Charisteas machten ihre Sache nämlich gut und gingen engagiert…. ach nee, halt: Angelos Charisteas… so neu ist der ja gar nicht.
Aber was soll’s: Wie schon so oft, wenn Schalke und der Club aufeinandertreffen, war dann eben auch dieses Mal wieder irgendwann einfach der größte Spielverderber unter der kalten Wintersonne zur Stelle und markierte das entscheidene Tor. Hätte der Magath diesen Kuranyi aus der Generation Kevin doch bloß in der Winterpause abgegeben.
So blieb am Ende das, was man auf Schalke als Clubfan schon so oft erlebt hat: Freundlicher und warmer Empfang an jeder Straßenecke, ein Spiel ohne Punktgewinn und nach dem Schlusspfiff tröstende Worte am Bierstand vor dem Stadion. In blau-weiß-rot-schwarz einigt man sich schließlich beim siebten, achten oder neunten Bier darauf, was man auch nach dem ersten Bier schon wusste: Schalke soll Meister werden und der Club nicht absteigen. Traurig nur, dass Beides in den letzten Jahren leider viel zu selten wirklich eintrat.