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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Nun ist es also wieder einmal so weit. Zum dritten Mal in der noch kurzen Geschichte der Clubberer 04 Berlin als OFCN trennt sich der 1.FC Nürnberg von seinem Cheftrainer. Eine wirkliche Überraschung war die Entlassung von Michael Oenning am heutigen Montag nicht. Wer den Mann am gestrigen Sonntag in der zweiten Halbzeit im Schneetreiben von Köln beobachtet hat, konnte sehen, was sich da ankündigte. Michael Oenning beobachtete das Spiel einer Mannschaft, die er nicht mehr verstand – und reihte sich damit in die unzähligen Scharen leidgeprüfter Clubfans ein, die noch vor Monatsfrist einen überraschenden Auswärtssieg in Wolfsburg als Befreiung im Abstiegskampf gefeiert haben.
Was dann jedoch folgte, ist bis zum heutigen Tag vollkommen unverständlich und wird auch mit der Trainerentlassung am heutigen Tage nicht klarer. 0:12 Tore bei Null Punkten in den letzten vier Pflichtspielen des Jahres 2009 und als Clubfan muss man sich ernsthaft fragen: Haben die Männer in den rot-schwarzen Trikots in den ersten dreizehn Spielen der Hinrunde über ihre Verhältnisse gespielt oder waren die vier Partien gegen Freiburg, Dortmund, Hamburg und Köln der Ausrutscher nach unten?
Das Einzige, was für Außenstehende definitiv sicher scheint: In der Mannschaft stimmt irgendetwas nicht. Den jungen Spielern wie Dennis Diekmeyer oder Dominic Maroh kann man da wenig Vorwürfe machen. Sie sind eben, was sie sind: Jung und unerfahren und somit bei einer Niederlagenserie sicherlich einfacher zu verunsichern als ein gestandener Fußballprofi. Die Vorwürfe der nunmehr vollkommen verkorksten Hinrunde müssen in diesem Falle an die sogenannten Leistungsträger, an die Stützen der Mannschaft gehen.
Rafael Schäfer hat dem Team mit seiner Attacke gegen Zvjezdan Misimovic in Wolfsburg einen wahren Bärendienst erwiesen. Denn so gut ein Alexander Stephan auch hält und so sehr einem der arme Kerl hinter diesem Schweizer Käse einer Abwehr auch leid tun kann – es ist doch offensichtlich, wie sehr der Kapitän seinen Vorderleuten fehlt. Wenn er denn dann auf dem Platz stand, war es doch vor allem Schäfer, der mal den Mund aufgemacht hat und seine Vorderleute mit lauthalsen Brüllattacken wachgerüttelt hat. Ansagen, die in den letzten vier Spielen ganz offensichtlich gefehlt haben und so trägt Schäfer als einziger Spieler, der nicht auf dem Platz stand, sicher eine Mitschuld an der Debakelserie.
Leider muss man in diesem Zusammenhang auch unseren Fußballgott Marek Mintal ansprechen. Was ist nur los mit dem Jungen? Ok, ein Schreihals war er nie, doch die Art und Weise, wie der Slowake in der Hinrunde über den Platz geschlichen ist, gibt zu denken. Der Begriff „Phantom“ hat sich bei ihm jedenfalls verselbständigt. Inzwischen ist Mintal derart Phantom, dass man ihn auf dem Spielfeld überhaupt nicht mehr sieht.
Bleiben ein Javier Pinola und ein Peer Kluge – beide mit ihren Gedanken wahrscheinlich schon bei ihrem nächsten Verein, ergaben sich die einstmaligen Motoren des Nürnberger Spiels in den letzten Wochen nur noch kopfschüttelnd den Niederlagen, die da kamen.
In solch einem Fall ist der Trainer dann eben doch wieder mal die ärmste Sau im Fußballgeschäft. Wenn die Spieler nicht wollen, kann der Mann an der Seitenlinie noch so akribisch arbeiten – Tore schießen kann er nicht.
Es bleibt also mal wieder ein fader Beigeschmack beim Trainerwechsel und vor allem eben die Frage: Wie sehr liegt es an Michael Oenning, dass der Club da steht, wo er steht? Und was muss nun geschehen, damit im neuen Jahr die Kehrtwende zum Besseren geschieht?
Gut, die einfache Antwort mag lauten: Ganze Mannschaft austauschen. Leider ist dies ja nun nicht so einfach. Wer nimmt denn einen Angelos Charisteas? Oder einen Peter Perchtold? Wie es aussieht, sind es genau die Spieler, die uns in Normalform weiterhelfen könnten, die den Club über kurz oder lang verlassen werden. Peer Kluge ist – glaubt man den Bekundungen von FCN-Präsident Franz Schäfer – schon so gut wie weg. Eine Million Euro Ablöse sind da im Gespräch, doch die Frage sei auch hier erlaubt: Was bekommt man für eine Million Euro für Ersatz?
Der Clubfan wurde mit dem Spiel in Köln in eine – wenn auch kurze – Winterpause geschickt, die eigentlich nur ein Gutes hat: Man muss sich an den nächsten drei Wochenenden das Gegurke auf dem Fußballplatz nicht antun.