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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Normalerweise braucht es schon ziemlich viel, ehe DER DISORDER keine Worte mehr findet und ratlos mit den Schultern zuckt, doch spätestens seit dem späten Samstag Nachmittag ist es mal wieder so weit. Und als ob eine solch deftige Niederlage nicht schon Strafe genug wäre, wollte es der Zufall so, dass ich am Samstag beruflich anderweitig unterwegs war und mir somit nur die leidvolle Möglichkeit blieb, das letzte Heimspiel der Vorrunde über den Live-Ticker im Internet zu verfolgen – ein Auge auf die Arbeit, das andere Auge auf den Live-Ticker.
Bis zur Halbzeit funktionierte dies dann auch ganz gut, doch um ehrlich zu sein: In der zweiten Hälfte hatte ich Angst, mein „Ticker“-Auge würde erblinden. Jedes Mal, wenn ich auf den „Aktualisieren“-Button klickte, stand da plötzlich ein Tor mehr für den HSV und meine Kollegen machten sich zwischenzeitlich Sorgen um mich, weil ich wohl um die Nase immer blasser wurde.
Ohne auch nur ein Bild aus dem Max-Morlock-Stadion gesehen zu haben, wurde meine Arbeit immer unwichtiger und mehr und mehr kreisten meine Gedanken darum, was sich wohl in Nürnberg gerade abspielte. Und um ehrlich zu sein: Es bedurfte noch nicht einmal intensiver Vorstellungskraft – schließlich hatte ich nur eine Woche zuvor in Dortmund ein ähnliches Debakel miterlebt. Der Club hält mit (wie schon Anfang der Saison von Michael Oenning gebetsmühlenartig wiederholt wurde), fällt jedoch auseinander, sobald der Gegner ein Tor schießt. Die Gründe dafür haben sich seit dem letzten Wochenende nicht geändert: Wo ist der Mann, der die Mannschaft aufrüttelt? Der Mann, der einer drohenden Niederlage den Kampf ansagt? Der Mann, der sagt, wo es lang geht?
Spätestens mit der deutlichen Niederlage im letzten Heimspiel der Saison sollte beim Club nun eigentlich der Baum brennen… doch was ist? Auf der Homepage werden irgendwelche Anleihen angeboten, die in der momentanen sportlichen Situation mit Sicherheit reißenden Absatz finden und Michael Oenning lässt sich zitieren: „In Köln können wir wieder erfolgreich spielen, wenn wir aus unseren Fehlern lernen. Ich glaube an uns und denke, dass wir eine realistische Chance in der Tabelle haben. Wir haben den Kopf hängen lassen, sind aber gefestigt genug für die Liga. Dass es irgendwann mal bei uns klemmen wird, war vorhersehbar.“
Ja, hallo? Dass es irgendwann mal bei uns klemmen wird….? Irgendwann….? Klemmen…? Es klemmt nicht irgendwann… es klemmt die gesamte Hinrunde… mit ein bis zwei Ausnahmen vielleicht…. Und weiter: Wir können in Köln gewinnen, wenn wir aus unseren Fehlern lernen? Wir können, wenn…? Wie wäre es denn einfach mal mit: „Wir werden in Köln gewinnen, weil wir aus unseren Fehlern lernen werden“?
Aber halt: Hier macht der DER DISORDER jetzt mal einen Schritt zurück. Denn so weh es tut und egal, wie sehr es schmerzt: Ein Sieg in Köln wäre in der momentanen Situation so ziemlich das Dümmste, was dem FCN passieren könnte. Ich höre es nämlich schon wieder über die Fernsehsender rauschen: „Wir haben bewiesen, dass wir in der Bundesliga mithalten können.“ Aktionen in der Winterpause? Weder Notwendigkeit, noch Bedarf.
Nun gut, wer die Ironie gefunden hat, darf sie gerne behalten, doch allein die letzten Sätze zeigen das große Dilemma. Wer hätte denn gedacht, dass es jemals so weit kommen würde, dass DER DISORDER auch nur auf den Gedanken käme, eine Niederlage wäre das Beste, was dem FCN in seiner Situation passieren könnte. Schlimm sowas!
Doch wie anfangs bereits erwähnt: DER DISORDER ist einfach nur noch ratlos. Und wenn man ratlos ist, kommt man manchmal auf die irrsinnigsten Ideen.