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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Zwei Wochen ist es her, da stand man in Wolfsburg noch im T-Shirt in der Kurve. Es war warm, die Sonne hat geschienen und als Clubfan freute man sich des Lebens. Am vergangenen Samstag war davon wenig übrig. Es war kalt, es regnete und man fror selbst mit drei Pullovern übereinander noch. Wie sich die Zeiten ändern und wäre das Wetter nicht Sinnbild für die Stimmung beim Club, es wäre ein komischer Zufall. So aber kann man herzlich wenig darüber lachen und nicht umsonst verließ am Samstag bereits nach einer Viertelstunde die erste SMS das Dortmunder Stadion in Richtung Berlin – mit dem Wortlaut: „Ich will nach Hause!“
Die Art und Weise, wie der Club am Samstag in Dortmund verloren hat, hat selbst den DISORDER als hartgesottenen und eigentlich immer optimistischen Clubfan erschreckt. Man kann ja mal einen schlechten Tag haben und man kann auch mal unglücklich verlieren. Und man kann auch sagen, dass man es mit der jungen Mannschaft versuchen will und dass man Vertrauen in die Jungs haben muss und dass gerade die jungen Leute noch Zeit in ihrer Entwicklung brauchen. Die Frage sei jedoch erlaubt: Welche Entwicklung denn?
Das Spiel in Dortmund war für den Außenstehenden eine 1:1-Kopie der Niederlage in Leverkusen. Schade, aus Fehlern nichts gelernt. Ein frühes Gegentor – schön und gut – aber wer in der Bundesliga bleiben will, muss mit der Zeit eben auch mal lernen, einen solch frühen Rückschlag wegzustecken. Wenn das 0:1 in der siebten Minute fällt, hat man 83 Minuten Zeit, den Rückstand aufzuholen. In Leverkusen waren es sogar 88 Minuten, gegen Freiburg blieben 79 Minuten. Und das Ergebnis? Null, nada, nothing.
Was dem FCN dieser Tage fehlt, ist eine Führungspersönlichkeit. Ein Mann, der die Mannschaft aufbaut, der die Ärmel hochkrempelt und dem Rest der Mannschaft zeigt, dass ein 0:1 in frühen Minuten keinesfalls gleichbedeutend mit Null Punkten ist. Früher hieß es mal: Wer Eins Null führt… aber lassen wir das.
Denn wie gesagt: Man darf mal verlieren und DER DISORDER ist mit Sicherheit kein Mensch, der nun erwartet, dass der Club niederlagenlos durch die Bundesliga marschiert. Das, was meine müden Augen dort am Samstag bei Borussia Dortmund gesehen haben, war jedoch schon längst keine Niederlage mehr – es war ein Debakel, das ohne einen ausgezeichneten Youngster wie Alexander Stephan im Tor weitaus schlimmer hätte ausgehen können. Diejenigen Spieler jedoch, die ein rotes Trikot getragen haben (Stephans Trikot war ja schwarz): Totalausfall auf der ganzen Linie.
Und so fällt es an dieser Stelle sogar schwer, den Seitenhieb in Richtung Fußballwetten nun nicht loszuwerden. Gott bewahre, ich möchte keinem Fußballer der Welt unterstellen, dass er für ein wenig Extrageld absichtlich verliert. Das braucht es auch beim Club im Moment auch gar nicht. Denn irgendwo wird mit Sicherheit auch eine Wette darauf angeboten, dass der Club verliert, wenn er erst einmal in Rückstand geraten ist. Sowas nenne ich dann todsicheren Tipp. Und nimmt man die Spiele in Leverkusen und Dortmund, kann man sogar fast die Uhr danach stellen, wann die Gegentore fallen. Das erste Tor ganz früh, das zweite Tor nur wenig später. Das dritte Tor folgt auf alle Fälle noch vor der Halbzeit, um die letzten Zweifel an der Niederlage noch vor der Pause auszuräumen. Und zur Unterstreichung der gegnerischen Überlegenheit gibt es dann auch in der zweiten Halbzeit noch ein Geschenk, damit wenigstens irgendetwas passiert. Der Rest ist nämlich gähnende Langeweile und das Beschwören nach dem Spiel, dass die frühen Gegentore dem Club das Genick gebrochen haben.
Womit die Verantwortlichen noch nicht einmal unrecht haben. Es wird jedoch höchste Zeit, dass man beim FCN endlich mal den Nacken trainiert, damit eben nicht aus dem kleinsten Stoß immer gleich ein Genickbruch resultiert. Wer in der Bundesliga überleben will, darf kein Glaskinn haben, sondern muss einstecken können und vor allem zurück schlagen können. Und es wird höchste Zeit, dass unsere jungen Kicker dies endlich lernen. Denn sonst findet sich der Club ruckzuck in der zweiten Liga wieder, die jungen Talente verteilen sich in ganz Deutschland und beim FCN darf man wieder von vorne anfangen.