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Fußball-Bundesliga 2009/2010, 13. Spieltag
[Samstag, 21.11.09] VfL Wolfsburg – 1.FC Nürnberg 2:3 (0:0)

Der Club hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga ein Ausrufezeichen gesetzt und eine sensationelle Partie beim amtierenden deutschen Meister VfL Wolfsburg verdient gewonnen. Für die Nürnberger war es der erste Auswärtssieg der Saison und mit einem couragierten Auftritt hat sich der Neuling den Sieg redlich verdient.
Beide Teams schenkten sich von Beginn an nichts in der VfL-Arena und legten vom Anpfiff an ein irres Tempo auf den grünen Rasen. Die Mannschaft von Michael Oenning war sofort hellwach und legte die nötige Aggressivität an den Tag, um beim deutschen Meister bestehen zu können. Die mitgereisten Clubfans trauten zunächst ihren Augen kaum, denn die rot-schwarzen Gäste übernahmen die Kontrolle und hatten schon in der frühen Anfangsphase Chancen im Minutentakt. In der vierten Minute kommt Wolfsburgs Keeper Diego Benaglio nach einem Pass in die Spitze zu zögerlich aus seinem Kasten. Christian Eigler umkurvt den Schweizer Nationaltorhüter, wartet mit dem Abschluss jedoch zu lange, so dass Sascha Riether letztlich in höchster Not klären kann. Nur drei Minuten später bereits die nächste Möglichkeit für Christian Eigler. Bei seinem Schuss aus rund elf Metern hat er jedoch zu viel Rücklage und schießt den Ball knapp übers Tor. In der neunten Minute die dritte gute Chance für den Club: Albert Bunjaku lässt am Strafraumrand gleich mehrere Wolfsburger Abwehrspieler stehen, geht dann allein auf Benaglio zu, scheitert jedoch mit seinem Schuss aus rund 13 Metern. Und auch in der 14. Minute scheitert der Schweizer Stürmer in Reihen des FCN nur knapp, als er einen Kopfball am Wölfe-Gehäuse vorbei setzt.
Die Abwehr der Gastgeber wirkte in dieser Phase wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und nach rund zwanzig Minuten schien es fast nur eine Frage der Zeit, wann der erste Treffer für die enorm starken Nürnberger fallen würde. Nächste Möglichkeit in der 19. Minute: Javier Pinola flankt nach innen, Christian Eigler köpft aus elf Metern, doch Benaglio kann erneut abwehren und lenkt den Ball mit größter Mühe um den Pfosten.
Erst in der 23. Minute dann die erste Chance für den VfL Wolfsburg. Ex-Clubberer Zvjezdan Misimovic schlägt eine Ecke in den Strafraum, wo Alexander Madlung zum Kopfball kommt, die Kugel jedoch über das Tor setzt. Nur eine Minute später kommt Edin Dzeko im Strafraum der Franken frei zum Schuss und zieht knapp am rechten Pfosten vorbei.
Beide Teams spielten zu dieser Zeit mit offenem Visier und fast jeder Angriff hüben wie drüben wurde mit einer Torchance abgeschlossen. Erst als sich die Abwehrreihen nach einer guten halben Stunde auf beiden Seiten etwas stabilisieren, kommt es zu einer leichten Beruhigung des Spiels und so geht es nach 45 Minuten letztlich torlos in die Kabinen. Genauso gut hätte es zu diesem Zeitpunkt aber auch schon 2:2 oder 3:3 stehen können und unter den Club-Anhängern machte sich ein wenig die Angst breit, dass der FCN in der zweiten Halbzeit dem Tempo des Spiels Tribut zollen würde und ein bis drei Gänge runterschalten könnte.
Eine unbegründete Angst, denn der Aufsteiger machte im zweiten Abschnitt genau dort weiter, wo er vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Trainer Michael Oenning brachte Eric Maxim Choupo-Moting für Christian Eigler und auch weiterhin gab es für den Club nur eine Devise: Angriff ist die beste Verteidigung.
Belohnt wurde diese Devise dann endlich in der 56. Minute. Peer Kluge schickt Albert Bunjaku mit einem Lupfer in Richtung Wolfburger Tor. Der Schweizer Neu-Nationalstürmer setzt sich gegen Ricardo Costa durch und lässt auch seinem Landsmann im VfL-Tor keine Chance. Der Club führt – kann sich jedoch nur drei Minuten darüber freuen. Denn schon der 59. Minute geht Edin Dzeko nach missglückter Abseitsfalle der Clubberer allein auf Raphael Schäfer zu, passt im richtigen Moment quer auf den nur eine Minute zuvor eingewechselten Ashkan Dejagah und dieser hat letztlich keine Mühe, den Ball über die Linie zu drücken.
Doch zum Glück für alle Auswärtsfans dauert es erneut nicht lange, ehe auch der Club noch einmal zurück schlägt. Mit der Kaltschnäuzigkeit einer Spitzenmannschaft warten die Rot-Schwarzen auf ihre Gelegenheit und schlagen in der 64. Minute zum zweiten Mal zu. Daniel Gygax flankt halb hoch von der rechten Seite. In der Mitte ist Albert Banjaku erneut zur Stelle, lässt die Lederkugel über den Scheitel rutschen und trifft zum 2:1. Für den Ex-Erfurter ist es bereits der sechste Saisontreffer.
In der 71. Minute scheint das muntere Scheibenschießen weiter zu gehen. Raphael Schäfer kann einen Schuss von Christian Gentner nicht festhalten. Aus dem Hintergrund kommt Zvjezdan Misimovic angestürmt und schiebt den Ball über die Linie. Doch der Nürnberger Keeper hatte bereits die Hand auf der Lederkugel und so zählt der Treffer zurecht nicht.
Dafür fällt der zweite Gegentreffer für den Club dann in der 79. Minute. Der erst vier Minuten zuvor für den verletzten Albert Bunjaku eingewechselte Juri Judt bringt Ashkan Dejagah im Strafraum zu Fall. Klare Sache: Elfmeter für die Gastgeber. Grafite lässt sich die Chance trotz Formkrise nicht nehmen und gleich zum 2:2 aus.
Das Spiel war nun an Hektik und Spannung kaum noch überbieten. Natürlich drängten die Wolfsburger nun auf den Siegtreffer, während die Gäste wenigstens den einen Punkt mit nach Hause nehmen wollten. Immer wieder trieben die grünen Wölfe den Ball in Richtung Tor von Raphael Schäfer. Doch der Keeper war einmal mehr der Fels in der Brandung und brachte die VfL-Stürmer zur Verzweiflung.
Die Nachspielzeit war bereits angebrochen, als eine turbulente Partie, die bereits alles enthielt, was ein gutes Fußballspiel ausmacht, ihren krönenden Abschluss fand. Nach einem Angriff der Wolfsburger fängt Dennis Diekmeyer den Ball am eigenen Strafraum ab und hätte es eines Beweises bedurft, wie sehr die Nürnberger den Sieg in Wolfsburg wollten, man sah ihn spätestens in dieser 93. Minute. Denn obwohl Diekmeyer von seinem Gegenspieler heftig am Trikot gezogen wurde, ließ sich der Youngster nicht etwa fallen, wie es viele seiner Arbeitskollegen rund um die Welt getan hätten, sondern setzte sich durch und leitete somit einen mustergültigen Konter ein. Der deutsche Meister war nämlich inzwischen viel zu weit aufgerückt und so ergab sich letztlich eine 3:1-Situation zugunsten des Clubs am Wolfsburger Strafraum. Diekmeyer passte zu Gygax, Gygax passte zu Peer Kluge, der Mittelfeldmotor behielt die Nerven und erzielte praktisch mit dem Abpfiff den 3:2-Siegtreffer.