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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Mit dem Fußball ist das ja immer so eine Sache und seien wir doch alle mal ehrlich: Am meisten Spaß macht er, wenn das eigene Team gewinnt. Selbst Clubgucken macht – wenn man ehrlich ist – mehr Spaß, wenn man am Ende als Pokalsieger dasteht oder auf Europa-Tournee die Gruppenphase übersteht.
Und Fußball macht mit Sicherheit ein kleines bißchen weniger Spaß, wenn der Club mal wieder am südlichen Ende der Tabelle steht und Niederlage nach Niederlage kassiert.
Am allerwenigsten Spaß macht Fußball jedoch, wenn die eigene Mannschaft zwar nicht überragend spielt, trotzdem irgendwie mithalten kann und am Ende der sogenannte Unparteiische den Ausgang des Spiels entscheidet. Und mit Sicherheit hat ein Martin Bader recht, wenn er sagt, dass es nicht hilft, wenn sich die Schiedsrichter nach dem Spiel für ihre Fehlentscheidungen entschuldigen. Für Entschuldigungen gibt es nämlich keine Punkte und die benötigt der FCN in der momentanen Situation nunmal dringender als die späte Reue kurzsichtiger Referees. Gerade im Falle Michael Kempter möchte man da nur noch sagen (und ich zitiere hier den zweiten Vorsitzenden unseres Fanclubs): „Hauptsache die Frisur sitzt.“
Leider bleibt einem sowohl als Fußballfan als auch als Spieler nicht viel mehr übrig, als auf die alte Fußballweisheit zurückzugreifen, dass sich alles Unrecht im Laufe der Saison ausgleichen wird. Umso trauriger, wenn einem dieser Spruch aus dem eigenen Montagskommentar der letzten Woche bekannt vorkommt.
Daher an dieser Stelle der eindringliche Appell an die Männer mit der Pfeife: Leute, macht die Augen auf! Irgendwann reicht es und dann findet auch DER DISORDER nicht mehr so leicht die Kurve, um auf das Thema zu sprechen zu kommen, dass er an diesem Montag eigentlich besprechen wollte.
Denn auch, wenn das Thema nach nur einer Woche schon wieder aus den Medien verschwunden scheint, wollte DER DISORDER den heutigen Montagskommentar eigentlich dazu nutzen, sich noch einmal zu den Vorfällen zu äußern, die am letzten Montag nur kurz nach Veröffentlichung seines Kommentars in Rostock passiert sind.
Es dürfte Jedem bekannt sein, dass sich am letzten Montag in Rostock nach dem Spiel der Hansa-Kogge gegen den FC St. Pauli dumme und hirnlose Vollidioten eine Schlacht mit der Polizei geliefert haben. Mit Entsetzen und Kopfschütteln sah DER DISORDER die Bilder aus Rostock im Fernsehen und schlimm genug, dass man davon sprechen muss, dass die Auseinandersetzungen zwischen diesen Vollpfosten und der Polizei inzwischen eine neue „Qualität“ erreicht haben. Trotzdem und das muss an dieser Stelle einfach mal gesagt werden: Die Äußerungen der Entscheidungsträger, die nach den Krawallen getätigt wurden, stellt diese Offiziellen auf ein geistiges Niveau mit den Randalierern. Wenn ein Polizeigewerkschafter äußert, dass die Oberen beim DFB keine Ahnung hätten, was „auf der Straße“ los sei, weil sie sich höchstens an ihren Schnittchen in den VIP-Logen verschlucken könnten, mag der Mann noch recht haben. Wenn er dann jedoch hingeht, zu fordern, dass der DFB oder gar die Vereine für die Polizei-Einsätze zahlen sollen, muss man dem Mann leider jedes Verständnis für die Zusammenhänge abschreiben.
Gewalt, mein lieber Herr Polizeigewerkschafter, entsteht nicht aus Lust an der Freude. Gewalt entsteht aus Frust und Ohnmacht und wer Gewalt mit Gegengewalt (und sei es auch nur mit höherer und durch die Vereine bezahlte Mannschaftsstärke) beantwortet, wird wieder Gewalt ernten. Sollten sich die Vereine an den Kosten für die Polizeieinsätze beteiligen müssen, würden früher oder später die Eintrittsgelder an den Stadionkassen in die Höhe schnellen. Glaubt der Mann alles Ernstes, dass das Problem damit gelöst wird? Oder was glaubt der Mann, wie diese Hohlbirnen reagieren, wenn sie sich nicht einmal mehr den Stadionbesuch leisten können?
Wieso kommt von den Offiziellen eigentlich nie mal der Gedanke, endlich einmal umzudenken und das Problem bei der Wurzel zu packen? Warum bekämpft man die Symptome, wenn die Ursache der Krankheit doch so offensichtlich auf der Hand liegt?
Statt die Polizei immer besser auszustatten und die Einsätze immer teurer zu machen, sollte das Geld nicht viel mehr darin investiert werden, den Frust der Menschen abzubauen? Gebt diesen Menschen Arbeitsplätze für die sie anständig bezahlt werden. Schiebt sie nicht mit einem Hartz IV-Satz, der noch nicht einmal mehr Gnadenbrot genannt werden kann, in ihre Wohngettos ab und überlasst sie sich selbst. Sorgt endlich dafür, dass die sozialen Unterschiede zwischen Fankurve und VIP-Tribüne nicht ständig größer werden. Hört endlich auf, Eure Repressalien ständig zu erhöhen und jeden Fußballfan, der gerne schwarz trägt gleich als Verbrecher abzustempeln. Meldepflicht und Stadionverbot helfen nicht, sondern vertiefen die Kluft.
Die Eltern vom DISORDER haben ihrem Sohn früher einmal von einem Sprichwort erzählt. Es lautet: Der Klügere gibt nach. Im Moment sehe ich jedoch weder auf der Seite der Offiziellen noch auf der Seite der prügelnden Dumpfbacken einen echten Kanditaten für Klugheit. Im Moment sehe ich die Klügsten (und ich gebe zu, dass mich das durchaus überrascht) auf Seiten der Ultras Nürnberg. Auch die haben vielleicht nicht unbedingt den besten Ruf, doch statt nach idiotischen Beschlüssen wie einer Meldepflicht für Stadionverbotler beim nächsten Spiel einfach draufzuprügeln, zeigen die Ultras ihre Solidarität und bleiben beim nächsten Spiel des Clubs einfach zu Hause und schauen sich das Spiel in Wolfsburg zusammen mit ihren Leuten an, die sich an diesem Tag auf der Polizeiwache in Nürnberg melden müssen.
Nun gut und zugegeben, geht meine Liebe keineswegs soweit, dass ich den Support selbst auch nach Nürnberg verlegen würde. Letztlich bin ich noch immer Anhänger des 1. FC Nürnberg und die Spieler dort unten auf dem Rasen können nichts für die Entscheidungen in den Gremien. Also werde ich in Wolfsburg sein und die Mannschaft anfeuern, hoffe jedoch gleichzeitig, dass die Aktion bei den sogenannten Honoratioren auf der VIP-Tribüne vielleicht auch mal folgende Überlegung in Gang bringt: Fußball als Event für die ganze Familie schön und gut. Doch ohne Ultras keine Stimmung in den Stadien. Und ganz ehrlich: Ohne Stimmung in den Stadien bald auch keine Familien mehr.