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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Zwei Tage ist es nun her. Zwei Tage seit diesem gottverdammten Tor in der letzten Sekunde. Zwei Tage seitdem man von allen Seiten mal wieder gehört hat: „Der Club ist halt der Club und der Club is a Depp!“ Zwei Tage – und um ehrlich zu sein, es tut noch immer weh. Die Big Points fast schon in Händen und mal wieder: Hätte, wäre, wenn… Michael Oenning hätte es seinem Namensvetter Michael Frontzeck gleichtun können und nach dem Spiel von einer „Befreiung“ sprechen können.
Nun ja, außer Spesen nichts gewesen und wäre es der Club gewesen, der in der 93. Minute den Ausgleich erzielt hätte, im Bumerang wäre eine Bombenstimmung gewesen und alle rot-schwarze Welt hätte über den gewonnenen Punkt gejubelt. Umso mehr heißt es nun: Mund abwischen und weiter. Kopf hängen lassen gilt nicht, denn schließlich hat der Club am Samstag zumindest über weite Strecke durchaus überzeugen können. Trotzdem wäre DER DISORDER in Situationen wie dieser dann doch lieber Fußballprofi. Dann könnte er den aufgestauten Frust wenigstens auf dem Fußballplatz abbauen, bis zum Geht-Nicht-Mehr auf den Ball eindreschen, ihn so lange treten, bis er (entweder der Ball oder DER DISORDER) platzt und ihm (entweder dem Ball oder DEM DISORDER) die Luft ausgeht.
So aber sitzt man im Büro und bemerkt, dass sich fast ungewollt die Faust ballt, sobald man an den Samstag zurück denkt – dass sich die Faust sogar verkrampft, sobald man an Schiedsrichter Guido Winkmann denkt und den aberkannten Treffer in der ersten Halbzeit. Richtig, der Schiedsrichter ist nicht Schuld und der Club hatte genügend Gelegenheiten (auch in der zweiten Halbzeit), um den Sack im wahrsten Sinne des Wortes zuzumachen. Allein, wenn ich an die Chancen unseres Fußballgotts Marek Mintal denke – da ist sie schon wieder, die Faust…
Es ist zum Haare raufen, oder besser: Zum Haare bündelweise ausreissen. Da denkt man nach so vielen Jahren Clubfan-Dasein, man hätte schon alles erlebt, sei inzwischen abgehärtet und/oder hart im Nehmen und dann versetzt einem so ein dahergelaufener Hänfling aus Bremen in der 93. Minute doch noch wieder den Nackenschlag. Soll er doch nach England gehen, der Aaron Hunt.
Das wirklich Dumme an der Geschichte ist doch, dass man Lamentieren kann, wie man will – es hilft nichts. Das Spiel ist seit über 48 Stunden abgepfiffen, zwei der drei Punkte sind futsch und müssen nun eben mal wieder gegen einen anderen Gegner eingefahren werden. Wenn der alte Phrasenschweinspruch stimmt, dass sich im Laufe der Saison alles ausgleicht, müsste es ja bald losgehen mit der Serie. Ein Tor aus Abseitsposition (für den Treffer in Frankfurt), ein Tor mit der Hand erzielt (für den Treffer am Samstag) und irgendwo müsste dann auch noch ein Elfmeter herkommen, der keiner war (für das Foul an Albert Bunjaku in Hoffenheim). Auf drei Spiele verteilt, in denen man keine Gegentreffer kassiert, wären das schon neun Punkte und der Club stünde direkt hinter Mainz 05 auf Platz neun der Tabelle.
Ja, ja, ja, ich weiß – alles schön gerechnet und fernab jeder Realität, aber ich sag’s Euch: Das ist Teil der Therapie. Teil der Arbeit, daran zu glauben, dass am Ende alles gut werden wird und der Club am 34. Spieltag mindestens drei Mannschaften hinter sich gelassen hat.
Das wirkliche Problem an der ganzen Sache: DER DISORDER ist sich im Moment noch nicht einmal sicher, ob er das überhaupt will. Jedes Wochenende dieses Hoffen und Bangen, um dann einsehen zu müssen, dass Geld am Ende doch Tore schießt und dass die Bundesliga inzwischen zu einer Zweiklassengesellschaft verkommen ist, in der sich Mannschaften wie die Bauern nur noch durch schlechte Trainer selbst schlagen können… – auf die Dauer macht das keinen Spaß. Seit dem Wochenende geistern gerade im Zusammenhang mit den geldgeilen Kommerzkickern von der Isar wieder Zahlen durch die Presse, bei denen mir kotzübel wird. 200 Millionen Euro von Audi – hätte ich einen, ich würde ihn sofort verkaufen. 25 Millionen von der Telekom – jeder, der zu Hause einen Telefonhörer in die Hand nimmt, sollte sich mal überlegen, wo dieses Geld für die Bauern her kommt. Ich für meinen Teil habe meinen Telekomanschluss heute gekündigt.
Sollen sie doch ihr Ding machen in ihrer unbesuchbaren Arroganz-Arena. Sollen sie sich doch mit Hoffenheim zusammentun und eine eigene Liga gründen. Sollen sie doch Wolfsburg gleich noch mit dazu nehmen, wo neuerdings Tickets nur noch in Verbindung mit dem Personalausweis gültig sind.
DER DISORDER jedenfalls hat auf diese Kommerzscheiße bald keinen Bock mehr und ist kurz davor, sich freiwillig Stadionverbot in der Hälfte der Arenen der Eliteklasse des Deutschen Fußballs zu erteilen. Lieber fährt er nach Ahlen, Ingolstadt oder Koblenz, kauft sich dort eine Wurst für 1,50 Euro und ärgert sich, weil er in der dachlosen Gästekurve im Regen steht. Solange der Club dann wenigstens auch mal wieder gewinnt, wird der Ärger über die Nässe von oben auch wieder verfliegen. Und das mit dem Fußballprofi können wir dann auch sein lassen.