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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Nun, wenn man genau ist, gibt es vom Club eigentlich nichts Neues zu berichten. Die Niederlage in Hoffenheim konnte erwartet werden, die im letzten Montagskommentar erhoffte Überrschung ist ausgeblieben. Richtig, mitgehalten haben sie – die Männer ganz weiß. In den ersten 33 Minuten sogar richtig gut, danach haben sie zumindest in der zweiten Halbzeit wenigstens gekämpft. Das sah auch Michael Oenning so, sagte er doch nach dem Spiel: „Die Niederlage geht in Ordnung. Aber wir werden wieder Spiele haben, die wir mit unseren Anlagen für uns entscheiden.“
Dein Wort in Gottes Ohr, lieber Trainer, und mit Sicherheit ist es so, dass der Club seine Punkte woanders holen muss, als in Hoffenheim. Zu Hause gegen Bochum zum Beispiel oder gegen Hannover. Schaut man sich nämlich die Tabelle an, könnte einem als geneigter Clubfan die Tränen kommen. Da steht der VfL Bochum trotz des Auswärtssieges beim Club hinter uns in der Tabelle. Das spricht doch von echter Qualität und gegen so einen Gegner darf man auch mal ein Heimspiel verlieren, oder wie?
Sorry, lieber Herr Oenning, wenn das jetzt vielleicht sarkastisch klingt, aber sind nicht gerade gegen Bochum und Hannover bereits Punkte verschenkt worden, die man eigentlich fest eingeplant hatte? Und wann bitte schön will man diese Punkte wieder aufholen? Auf Schalke? Beim HSV?
Hoffenheim hatte vor dem Clubspiel zwei Mal verloren, strotzte also nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein und in den ersten dreißig Minuten hat man dies auch durchaus gesehen. In der Tat, ein durch das 3:0 gegen Hertha selbstbewusster Club konnte die Mannschaft von Ralf Rangnick eine halbe Stunde halbwegs in Schach halten. Und zugegeben, hätte es in der 28. Minute den fälligen Strafstoß für den Club gegeben, die Sache wäre vielleicht anders ausgegangen. Letztlich ist es bei aller Geldmacherei in der Bundesliga jedoch noch immer so, dass am Ende die Ergebnisse zählen. Nach 34 Spieltagen fragt kein Mensch mehr, welche Mannschaft wann und wie oft „mitgehalten“ hat.
Und überhaupt: Was heißt denn schon mitgehalten? Dass wir in der zweiten Hälfte nur noch einen Treffer zugelassen haben? Seien wir doch ehrlich, das Spiel in Hoffenheim hätte noch zwei Tage dauern können und der Club hätte den Rückstand nicht mehr aufgeholt. Eine einzige kümmerliche Torchance in 90 Minuten. Wie will man da gegen andere Gegner gewinnen?
Mich persönlich würde jetzt vor allem Mal interessieren, in welche Kategorie der nächste Gegner Werder Bremen fällt. Ist das eine Mannschaft, gegen die wir ein Spiel mit unseren Anlagen gewinnen können? Oder heißt es da am Samstag nach dem Spiel auch wieder: „Wir konnten ja mithalten, aber unsere Punkte müssen wir gegen andere Manschaften machen.“?
DER DISORDER ist nun weit davon entfernt, schwarz zu malen. Allein der Blick auf die Realität (genannt Tabelle) zeigt doch, dass es im Oberhaus des deutschen Fußballs eine kleine Handvoll Teams gibt, denen es auch nicht besser geht als uns. Ein Sieg und man kann bis auf Rang zwölf hoch springen – das macht doch Mut. Das zeigt doch, dass man mit Köln, Gladbach und Freiburg mithalten kann.
Das Problem ist nur, dass diese Ruhe trügerisch ist. Lange werden sich auch die anderen Vereine das Gegurke ihrer Profiteams nicht mehr ansehen. Sie werden handeln, Maßnahmen ergreifen. Bochum ist das beste Beispiel, wo Interimstrainer Heinemann noch ins dieser Woche wahrscheinlich von Heiko Herrlich als Trainer abgelöst werden soll.
Aber Gott bewahre: Ich will jetzt auf keinen Fall einen neuen Trainer fordern. Im Gegenteil: DER DISORDER hält Michael Oenning für einen sehr fähigen Mann, der jedoch nach zehn Spielen als Bundesliga-Trainer im Moment noch Lehrgeld bezahlen muss. Was mich jedoch stört, ist die Tatsache, dass es offensichtlich Spieler im Clubtrikot gibt, die noch nicht begriffen haben, dass Abstiegskampf in JEDEM Spiel stattfindet. Da muss man dann auch ein solches Traumtor, bei dem ein fußballerisch normalerweise minderbemittelter Student den Ball so trifft, wie er es wahrscheinlich nie wieder in seinem Leben tut, auch einfach mal wegstecken. Da darf man auch in Hoffenheim mal kämpfen und bluten und ein zweites Tor vor der Halbzeit verhindern. Schön und gut, dass man den Kampf nach rund einer Stunde wieder entdeckt hat und sich dann – zugegeben – bis zur letzten Minute nicht mehr hat hängen lassen. Schön und gut, dass man letztlich bis zur 90. Minute versucht hat, wenigstens noch ein Tor zu erzielen.
Doch bitte, lieber Club, lass dieses Spiel in Hoffenheim nicht zum Spiegelbild der Saison werden, fang nicht erst an zu kämpfen, wenn es zu spät ist. Als alter Hobby-Psychologe, der wir doch alle sind, kann ich nämlich sagen: Wenn man mal Punkte gegen Mannschaften holt, gegen die es keiner erwartet hätte, spielt es sich gegen die Mannschaften, gegen die man Punkten MUSS gleich viel angenehmer. Alles andere ist doch Krampf – wie wir gegen Bochum und Hannover gesehen haben.
Also, lieber Club: Schluss mit den Durchhalteparolen, schluss mit der Beschwörung auf Gegner, gegen die wir mithalten können! Am Samstag müssen drei Punkte gegen Werder Bremen her!