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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Eigentlich wollte DER DISORDER seinen Montagskommentar dieses Mal auf eine einzige kurze Phrase begrenzen: Die Worte „Scheiß FC Bayern“ sagen eigentlich alles aus, was es zu dem Kommerzverein von der Isar zu sagen gibt, präsentieren die Telekom-Audi-Kicker doch so ziemlich alles, was man am Fußball nicht mag. Es wäre also ein kurzer Kommentar geworden, eine einzige Aussage, die es auf den Punkt bringt und bei der es mir egal gewesen wäre, was der Ein oder die Andere für Komplexe hineindichten möchte. Der FC Bayern München geht gar nicht.
Und wie zum Beweis und sozusagen als Steilvorlage, den Kommentar nun doch nicht auf die wenigen Worte zu begrenzen, meldet sich nach dem Spiel in der Arroganz-Arena ein gewisser Herr H. zu Wort und kritisiert die Spielweise des Clubs: „Die Nürnberger haben nicht Derby gespielt. Sie haben nur gemauert.“ Kopfschüttelnd kann DER DISORDER da nur die Gegenfrage stellen: „Na und?“ Was geht es einen Herrn H. eigentlich an, wie der Club Fußball spielt?
Auch Michael Oenning fand die richtige Antwort auf das seltsame Statement des Herrn H.: „Ich finde diese Aussage nicht passend. Aber es ist doch der größte Respekt, den wir uns erarbeiten konnten und beweist, dass sie mit ihrem Spiel unzufrieden waren und uns die Schuld dafür geben wollen.“ Richtig!
Und an Herrn H. einfach mal den Hinweis, eventuell das Gehirn einzuschalten, ehe man das Sprachzentrum aktiviert. Wenn man die halbe Liga immer wieder leer kauft – und zwar nicht, um die eigene Mannschaft zu stärken, sondern allein, um die Gegner zu schwächen (was wollen die Bauern mit einem Baumjohann? Was wollten sie mit einem Schlaudraff?), muss man sich nicht wundern, wenn man vor lauter satten Millionarios auf dem Grün, den Gegner nicht mehr sieht. Wie arrogant muss man eigentlich sein, um zu erwarten, dass die Gastmannschaft in der Arroganz-Arena mit offensiver Aufstellung gnadenlos aus Sieg spielt? In welcher Welt muss man leben, um zu denken, dass es auch nur irgendeinem Verein in Deutschland Spaß machen würde, in dem roten Schlauchboot antreten zu dürfen?
Mach doch mal die Augen auf, Herr H. Es macht doch noch nicht einmal Euren eigenen Fans Spaß, jede Woche nach Fröttmaning rauszufahren und schon wieder einen Sieg feiern zu müssen. Die Stimmung auf den Rängen spricht doch Bände, oder warum hat man am Samstag in der zweiten Hälfte nur Anfeuerungsrufe der Gäste aus Nürnberg gehört? Ach ja, ich vergaß… „Ihr seid’s doch selbst verantwortlich für die miese Stimmung auf den Rängen“ – wie konnte ich die berühmte Rede mit hochrotem Kopf nur vergessen? Schließlich habt Ihr ja immerhin eine Blaskapelle organisiert.
Bravo, Herr H., Fußball als Event, als Entertainment und Geldmacherei. Vielen Dank, dass Sie, lieber Herr H., dies noch einmal so deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Da kann man schon mal vergessen, dass es Vereine gibt, die um ihre sportliche Existenz kämpfen und jeden Punkt gegen den Nicht-Abstieg bitter benötigen – egal, ob er ermauert wurde oder nicht.
Von daher, lieber Club, meinen Glückwunsch. Auch wenn am Ende nichts Zählbares dabei herauskam, dem Herrn H. die Zornesröte ins Gesicht zu treiben, war es wert. Getreu dem alten Rolf Rüssmann-Zitat „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt“, habt Ihr ganze Arbeit geleistet. Und vielleicht denkt ja auch ein Herr H. in einer ruhigen Minute mal darüber nach, dass Fußball in Deutschland eben nicht nur FC Bauern München heißt und dass es viele Fußballfans in der Republik gibt, die auch heilfroh darüber sind.