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Fußball-Bundesliga 2009/2010, 6. Spieltag
[Samstag, 19.09.09] FC Bayern München – 1.FC Nürnberg 2:1 (0:0)

Die Erleichterung stand ihnen ins Gesicht geschrieben, den Herren Rummenigge und Hoeneß, die den Schlußpfiff von Schiedsrichter Florian Meyer – und damit den knappen 2:1-Sieg ihrer Bauern-Millionarios – mit einem tiefen Durchpusten quittierten. Zu sehr hatte der Underdog aus Franken die Kommerztruppe aus der Besatzerhauptstadt gefordert, als dass man von einem standesgemäßen Sieg der Bauern sprechen könnte.
In der ausverkauften Arroganz-Arena wäre stimmungstechnisch ohne die zahlreichen Gäste aus Franken mal wieder nichts los gewesen und erstaunlicherweise passte sich das Spiel in den ersten zwanzig Minuten der Langeweile im Bauern-Fanblock an. Mit ersten harmlosen Schussversuchen der Telekom-Kicker hatte Raphael Schäfer in der achten und 16. Minute keine Mühe. Dem Aufsteiger aus Nürnberg war eine gewisse Nervosität anzumerken, die sie mit zunehmender Spieldauer jedoch mehr und mehr ablegten. Bezeichnend: Die erste große Torchance des Spiels hatte der Club. Christian Eigler hatte in der 27. Minute Marcel Risse mit einem öffnenden Pass in Richtung Bauern-Tor geschickt. Risse kam aus halbrechter Position rund 16 Meter vor dem Tor frei zum Schuss, scheiterte jedoch an Hans-Jörg Butt.
Drei Minuten später dann das erste Mal echte Aufregung im Club-Strafraum. Mario Gomez hatte in der 30. Minute das Leder unter die Latte des Club-Gehäuses geballert. Von dort sprang der Ball auf die Linie und wieder zurück ins Spiel. Die Mannschaft mit dem Wurstfabrikanten-Manager jubelte schon, musste am Ende jedoch einsehen, dass sie sich zu früh gefreut hatte (vgl.: Edmund Stoiber 2002: „Wir haben die Wahl gewonnen“)
In den letzten Minuten vor der Pause erhöhten die Gastgeber dann noch einmal das Tempo, doch außer einem Schuss von Arjen Robben, der das Clubtor kilometerweit verfehlte, kam nichts dabei raus. Es ging also torlos in die Kabinen und der Club hatte in den ersten 45 Minuten mit einer dicht gestaffelten Hintermannschaft durchaus zu überzeugen gewusst.
Dementsprechend reagierte der Tulpen-General auf der Oktoberfestbank und brachte zur zweiten Halbzeit Frank Ribery für Mario Gomez. Der Franzose konnte jedoch wenig Akzente setzen und so musste Ivica Olic auf ein Anspiel von Youngster Thomas Müller in der 55. Minute warten. Der Kroate startete steil und ließ sich die Chance zur Führung nicht entgehen – obwohl er vom Pech Raphael Schäfers profitierte, der beinahe noch die Hand an den Ball bekommen hätte.
Beflügelt durch die Führung schalteten die Gastgeber nun zwei Gänge hoch und fast wäre Arjen Robben in der 61. Minute das 2:0 gelungen. Der stramme Schuss des Holländers strich jedoch am Pfosten des Nürnberger Gehäuses vorbei.
In der 65. Minute reagiert FCN-Trainer Michael Oenning und bringt Eric-Maxim Choupo-Moting für Marcel Risse. Der Jugendnationalspieler soll noch einmal für Druck in Richtung Bayerntor sorgen und macht seine Sache in der 73. Minute exzellent. Ilkay Gündogan hatte im Mittelfeld drei Bauern auf sich gezogen und spielt den verdutzten Vize-Meistern einen Traumpass durch die Hosenträger. Choupo-Moting startet allein in Richtung Bauernhaus und nutzt seine Chance mit einem halbhohen Schuss aus rund 14 Metern zum 1:1-Ausgleich.
Der Jubel im bis auf den letzten Platz gefüllten Bumerang in Berlin kennt zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Grenzen. Eine Viertelstunde heißt es nun: Zittern und das Ergebnis über die Zeit bringen. Dies gelingt in den ersten Minuten nach dem Ausgleich auch durchaus gefällig. Zwar muss Raphael „Magneto“ Schäfer ein paar Mal eingreifen, doch außer Fernschüssen fällt der Mannschaft von Ex-Alkmaar-da-war-doch-was-Trainer van Gaal nicht ein.
Letztlich muss dann in der 82. Minute der baumlange Abwehspieler Daniel van Buyten seinen Kopf hinhalten. Arjen Robben hatte von halbrechts in den Strafraum geflankt und in der Mitte brachte der belgische Catchersohn seinen Kopfball im langen Eck unter. Keine Abwehrchance für Raphael Schäfer und leider war das Spiel damit gelaufen. Der Club verpasste nach guter Leistung die Überraschung, bleibt jedoch vorerst auf Rang 13 der Tabelle. Am Sonntag können Freibug oder Hertha BSC (die Schande von der Spree) noch am Club vorbeizehen. Trennen sich die Teams unentschieden, bleibt es für Nürnberg bei Platz 13.
Am Dienstag kommt in der zweiten Runde des DFB-Pokals nun die TSG Hoffenheim nach Nürnberg. Und bereits am Freitag heißt es dann in der Bundesliga wieder Punkte sammeln, wenn der VfL Bochum ins Max-Morlock-Stadion kommt.