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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Hoppla, was war denn? Da überschreibt DER DISORDER letzte Woche seinen Kommentar mit den Worten „Lobenswert“ und schon fällt der Club in alte Denkmuster zurück, die man längst überwunden glaubte. Da hat doch wohl hoffentlich nicht einer der Clubprofis die Montagsrubrik gelesen und geglaubt, er könne sich auf den Lorbeeren ausruhen? Keine Angst, so vermessen ist DER DISORDER nicht und wenn man sich die kollektive Arbeitsverweigerung am Samstag angesehen hat, müsste ja schon eher der Eindruck entstehen, die gesamte Mannschaft habe den Artikel gelesen… und ihn falsch verstanden.
Denn schließlich war ja letzten Montag lediglich die Rede davon, dass mit dem ersten Punkt in der neuen Saison die erste Hürde überwunden sei. Davon, dass man bereits im Ziel sei, war keine Rede – auch, wenn man bei dem Gekicke am Samstag gegen Hannover den Eindruck gewinnen konnte, dass genau dies in den Köpfen der Clubspieler herumspukte. Einen Punkt in Frankfurt geholt, was soll da zu Hause gegen Hannover schon passieren? Die Männer in rot-schwarz haben sich den Schneid abkaufen lassen, als ginge es bei schönstem Sommerwetter nur noch darum, eine erfolgreiche Saison ohne großen Schaden austropfen zu lassen. Für einen Fan mit FCN-Wappen auf der Brust war dieser Alibi-Fußball jedenfalls unverständlich – und zwar mindestens so unverständlich wie die Pfiffe von den Zuschauerrängen zur Halbzeit.
Fast konnte man den Eindruck gewinnen, als seien am Samstag sowohl die elf Spieler auf dem grünen Rasen als auch die rund 30.000 Menschen im Max-Morlock-Stadion der Realität inzwischen weit entrückt. Die Fußballer versuchten mit Schönspielerei und ohne jeden Kampf einen Gegner an die Wand zu spielen, mit dem man sich höchstens an guten Tagen (und auch nur, wenn man den Kampf aufnimmt) auf Augenhöhe befindet. Die Leute auf den Rängen schienen dagegen der Meinung, dass eine Heimserie, die sich nach langem Suchen und Finden in der Rückrunde der zweiten Liga einstellt, in der ersten Bundesliga ohne Probleme weiter geführt werden kann.
DER DISORDER kann dazu nur sagen: Hallo Leute, aufwachen!!! Und zwar alle!!! Ihr Fußballer mit den roten Trikots und den schwarzen Hosen, weil ohne eine gehörige Leistungssteigerung jede Hoffnung auf den Klassenerhalt zum Wunschdenken verkommt. Und Ihr Leute auf den Rängen, weil der Club zwar die beste Rückrundenmannschaft der zweiten Liga war, in der Belle Etage des deutschen Fußballs aber noch lange nicht zu den Vereinen gehört, die mit Siegesserien direkt in den Europapokal stürmen.
Natürlich war es erschreckend, wie unterlegen der Club am Samstag in allen Belangen war. Und natürlich ist es umso erschreckender, wenn man bedenkt, dass Hannover 96 nun auch nicht gerade zur Creme de la Creme im deutschen Oberhaus zählt. Doch seien wir nur einfach mal ehrlich: Irgendwann musste doch der Tag wieder mal kommen, an dem der Club wie der Club spielt. Oder kann mir hier jemand auf Anhieb noch das Datum des Spiels beim Alemannia Aachen sagen, als man das letzte Mal das Gefühl hatte, dass diese Mannschaft nicht zu Höherem berufen ist? Seht Ihr: Ist schon ganz schön lange her… (es war der 15.02.09).
Es bleibt also zu hoffen, dass das Spiel am Wochenende der letzte Ausrutscher nach unten für längere Zeit gewesen ist. Realistisch gesehen wird nun keineswegs eine Serie von acht Spielen ohne Niederlage folgen (wie nach dem Aachen-Spiel), doch realistisch gesehen, kann eben auch niemand damit rechnen, dass wir diese Saison mit ähnlich wenigen Niederlagen überstehen wie die letzte Spielzeit.
Trotzdem – und auch das sei an dieser Stelle angemerkt – darf sich ein Michael Oenning natürlich nicht mehr allzu lange an Thesen wie „Wir können doch mithalten“ oder „Solange wir noch Chancen haben, ist mir nicht bange“ festhalten. Der Kredit des Aufstiegs ist eben nur ein Kredit und jeder Vorschuss ist irgendwann einmal aufgebraucht. Da ich mir sicher bin, dass auch der Trainer und die Mannschaft dies wissen, hält sich die Angst vor einem erneuten Abstieg im Moment noch in Grenzen. Eines weiß ich jedoch auch ganz genau: Ich werde diese Angst nicht wieder so lange im Zaum halten können, wie in der Nach-Pokalsieger-Saison, als selbst am letzten Spieltag ein letzter Funken Überzeugung noch da war, dass es mit dem Klassenerhalt noch funktioniert. Ein Pokalsieg ist eben ein sehr viel größerer Kreditrahmen als ein Aufstieg und im Moment bin ich wirklich gespannt, wie lange das Guthaben letztlich reichen wird. Die nächsten Spiele werden es zeigen und eines weiß ich ganz genau: Pfeiffen werde ich erst, wenn auch der letzte Cent auf der Plusseite aufgebraucht ist.