Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Als Clubfan muss man wahrlich geduldig sein. Und als Clubfan hat man mit Sicherheit schon Vieles durchgemacht. Man muss leidensfähig sein und ein gewisser Hang zum Masochismus tut sicherlich auch gut, wenn die Spieler in rot-schwarz mal wieder einen Grottenkick auf den grünen Rasen legen, dass selbst die Maulwürfe im Max-Morlock-Stadion sich Schutz suchend drei Meter tiefer einbuddeln.
Betrachtet man dies und zieht die Tabelle der Hinrunde hinzu, ist der dritte Platz in der Endabrechnung sicherlich noch ein akzeptables Ergebnis. Der Club hat in zwei Spielen nun noch die Möglichkeit, eine bereits als völlig verkorkst verschriene Saison noch zu einem guten Ende zu führen. So manch anderer Zweitligist wäre froh um diese Möglichkeit und DER DISORDER will nun auch nicht schon wieder auf Sinn und Unsinn der Relegation rumreiten. Er freut sich jetzt einfach mal, dass der Club die Chance noch hat, im nächsten Jahr wieder erstklassig zu spielen (zumindest von der Spielklasse her). Oder sagen wir so: Er würde sich gerne freuen….
Denn erwähnte ich gerade etwas von Erstklassigkeit? Das mag für die inzwischen (fast) gefestigte Mannschaft von Michael Oenning wohl stimmen. Was die Organisation der Kartenvergabe für die entscheidenden beiden Spiele der Saison angeht, hat der Club sich binnen weniger Tage (wiederholt) in die Tiefen der dritten Liga gespielt. Bei allem Verständnis, dass es mit Sicherheit schwer ist, eine Kartenvergabe binnen weniger Tage zu organisieren, doch in den letzten Tagen hat man als geneigter Clubfan den Eindruck gewinnen können, die gesamte Relegation sei überraschend und von heute auf morgen wieder eingeführt worden.
Doch der Reihe nach: Nachdem durch die Ergebnisse des 33. Spieltages klar wurde, dass der Club wohl in die Relegation wird müssen, sind – soweit noch vorbildlich – Informationsschreiben an alle offiziellen Fanclubs des FCN rausgegangen. Dort heißt es wörtlich: „Ihr könnt daher ab sofort Karten sowohl für das Auswärts-, als auch unser Heimspiel mit den beigefügten, bekannten OFCN-Bestellscheinen im Fan-Shop Valznerweiher vorbestellen.“ Weiter hieß es in einer noch am selben Tag verschickten Mail: „Bitte beachtet, dass ein Versand der Karten nicht möglich ist.“ (Die Fettung stammt vom FCN selbst).
Durchaus verständlich bei der kurzen Zeit und schließlich hieß es von Clubseite auch: „Dauerkartenbesitzer haben bis zum 26.05.09 Vorkaufsrecht auf ihren Stammplatz. Der Verkauf beginnt ggf. unmittelbar nach dem Heimspiel des 1. FCN gegen den TSV 1860 München.“
Was macht man also als Berliner Clubfan, der eben nicht die Möglichkeit hat, mal eben nach Nürnberg zum Fan-Shop zu fahren? Man stellt sich an – nach dem Spiel gegen 1860 München – zusammen mit gefühlten anderen 10.000 Clubfans, die aus der Region kommen und für die es ebenfalls nicht mal eben möglich ist, kurz am Valznerweiher vorbei zu fahren. Man stellt sich mit 10.000 Clubfans an – bei gerade vier geöffneten Kartenschaltern.
DER DISORDER muss hier einräumen, dass er das Prozedere nicht mit bis zum Ende miterlebt hat. Zwar hat er durchaus noch mitbekommen, dass letztlich per Megafon sowohl von Polizei als auch Stadion-Security noch einmal auf die Möglichkeit der Online-Reservierung in den nächsten Tagen hingewiesen wurde, erntete jedoch bei Nachfragen, ob man die Tickets dann notfalls auch direkt vor dem Heimspiel noch abholen könne, lediglich ein Achselzucken der Ahnungslosigkeit. DER DISORDER hat auch mitbekommen, dass nach einer guten Stunde des Anstehens der Club sich wenigstens erbarmt hat und dringend notwendige Freigetränke verteilt wurden. Was DER DISORDER dann jedoch nur noch telefonisch mitbekommen hat: Die letzten Clubfans hielten ihr Ticket letztlich gegen halb neun Uhr am Abend in Händen. Zu dieser Zeit war DER DISORDER schon eine Stunde wieder in Richtung Berlin unterwegs, ganz einfach, weil der letzte Zug von Nürnberg nach Berlin sonntags um 19.37 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof abfährt. Lediglich dem unerschütterlichen Durchhaltevermögen einer Allesfahrerin hat es DER DISORDER also zu verdanken, dass er sich nun für 100,- Euro auch für den nächsten Sonntag wieder ein Bahnticket kaufen konnte und in der Hoffnung auf den Aufstieg (und die damit verbundene Feier) auch gleich noch ein Hotelzimmer für eine Nacht gebucht hat.
Ende gut, alles gut – mag man meinen, doch der Affront kam am nächsten Morgen. Völlig unschuldig stand dort auf der FCN-Homepage plötzlich: „Alle Dauerkartenbesitzer, die ihre Tickets für die Begegnung gegen Energie Cottbus im Online-Ticket-Shop oder über die Telefon-Hotline buchen, erhalten die Eintrittskarten auf postalischem Weg zugesandt.“
Vielen Dank auch, lieber Club – geht die Problematik mit den Auswärtskarten doch nahtlos weiter: Es ist Dienstag Abend – zwei Tage vor dem Spiel und noch immer wissen die offiziellen Fanclubs des FCN nicht, wie viele Karten sie für das Auswärtsspiel in Cottbus zugeteilt bekommen. Die Planung einer gemeinsamen Fahrt nach Cottbus? Unmöglich!
Stattdessen heißt es auf der Homepage des Clubs und auch auf persönliche Nachfrage im Fanshop lapidar: „Der 1. FC Nürnberg hat für die Begegnung im Stadion der Freundschaft […] das ihm zu stehende Kontingent von 2.200 Eintrittskarten erhalten. Dieses Kontingent geht an die Fans und Offiziellen Fan-Clubs des 1. FCN, die den Club regelmäßig bei Auswärtsspielen unterstützt haben; selbst dabei können nicht alle vorliegenden Anfragen positiv beantwortet werden.“
Seit Samstag steht der Gegner der Relegation nun fest – und damit auch die Größe des Stadions und die Anzahl der Eintrittskarten, die dem Club laut Kontingent zustehen. Seit Sonntag weiß der Club, dass er in die Relegation muss… zugegeben: Die Cottbusser müssen diese Karten auch erst einmal nach Nürnberg verschicken, ehe die Tickets letztlich ausgegeben werden können. Trotzdem bleibt das große Fragezeichen: Warum kann man nicht spätestens bei Bekanntgabe des endgültigen Kontingents beginnen, die Tickets zumindest virtuell schon auf die Fanclubs zu verteilen? Wäre das nicht ein Sevice am Kunden (die Formulierung ist bewusst gewählt), wenn man den Fanclubs bereits am Montag oder zumindest am Dienstag mitteilen könnte, wie viele Karten der Bestellung nun letztlich wirklich zugeteilt werden?
Wäre doch mal ein feiner Zug – man könnte zumindest die Fahrten, den Urlaub (in Berlin ist kein Feiertag) und das ganze Drumherum schon einmal planen. Statt dessen hüllt man sich selbst auf Nachfrage in Schweigen und kommt mit der Antwort letztlich genau einen Tag vor dem Spiel raus. Vielen Dank auch, lieber Club !!!
Insgesamt sei an dieser Stelle jedoch auch zugegeben, dass dieses Chaos vielleicht auch mehr als nur einen Schuss Cleverness beinhaltet: Bei all dem Hick-Hack und Hin und Her fällt es dann nämlich am Ende schon schwer, sich noch über die überteuerten Tickets für das Heimspiel aufzuregen. Stadionmiete hin und her, bla bla bla, fehlende Werbeeinnahmen, kein Fernsehgeld und und und. Wer bitte schön soll denn das noch glauben? Wie zahlt der Club denn seine Stadionmiete bei den üblichen Heimspielen? Ach ja, und bei der Übertragung eines gewöhnlichen Zweitligaspiels kommt mit Sicherheit auch mehr Fernsehgeld rein als bei zwei entscheidenden Relegationsspielen… Ohne weiter darauf eingehen zu wollen (Glückwunsch, Club, Ziel erreicht) sei hier an dieser Stelle also nur mal erwähnt, dass der Club vor der Saison in der Abstimmung der Gremien für die Wiedereinführung der Relegation gestimmt hat. Die Frage sei also erlaubt: Wenn sich das Ganze nicht rechnet, wer genau hat denn da eigentlich den Arm gehoben?