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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Auch knappe vierundzwanzig Stunden danach sitzt der Stachel noch tief. Ein unsagbar dämliches Gegentor in der Nachspielzeit reißt ein schwarzes Loch auf, welches kurz vorher noch – in rosaroten Farben leuchtend – wie der direkte Aufzug in die Bundesliga aussah. Die Skeptiker haben leider wieder einmal Recht behalten und der Club tritt im Kampf um einen der ersten drei Plätze in Liga zwei auf der Stelle.
Die Brutalität, mit der es unser geliebter Club mal wieder geschafft hat, die masochistische Ader all seiner Fans zu befriedigen, grenzt schon an Körperverletzung. Wäre es beim 1:1 in Duisburg geblieben, kein Mensch hätte etwas gesagt. Man wäre vielleicht noch froh gewesen, dass Isaac Boakye wenigstens den Ausgleich noch erzielt hatte und wäre mit der Erkenntnis nach Hause gefahren, dass es dieses Jahr eben nicht für den Aufstieg reicht.
So gesehen war das späte Führungstor durch Albert Bunjaku eigentlich eine Frechheit, fast eine Verarschung. Ätsch, ihr depperten Clubfans, wir machen Euch jetzt kurz einmal Hoffnung und reißen das vorsichtig aufgebaute Porzellan hinten rum mit dem Arsch wieder ein.
Und während ich nun also hier an meinem Schreibtisch sitze und mir aus Frust eine ganze Tüte Gummibärchen in den Mund schiebe, sehe ich sie vor meinem inneren Auge höhnisch grinsend sich ins Fäustchen lachend durch die Straßen Nürnbergs laufen: Die Clubfans, die es von Anfang an gewusst haben, die den Aufstieg schon nach den ersten Spielen der Vorrunde begraben haben und nun mit stolz geschwellter Brust die drei bereits feststehenden Aufsteiger in die Bundesliga heraus posaunen.
Leute, was bin ich froh, dass Ihr das Clubtrikot über Eure dicken Bäuche nur als Fan tragt. Ich würde mir einen anderen Verein suchen, müsste ich Euch als Clubspieler auf dem Platz ertragen und mit ansehen, wie Ihr elf Spieltage vor Saisonschluss den Kopf bereits in den Sand steckt. Und wenn ich weiter oben das Mördertor von Albert Bunjaku als Frechheit bezeichne, ist dies bitte schön mit der selben Ironie zu verstehen, wie ich Euch noch immer Clubfan nenne.
Ja, ja, ich weiß…. realistisch betrachtet sind es sieben Punkte zum dritten Platz und der Club hat mit nur einem Auswärtssieg nichts in der Bundesliga verloren. Doch wenn ich an ein Fußballspiel des Clubs realistisch rangehen möchte, dann besorge ich mir eine Akkreditierung und schaue mir das Geschehen von der Pressetribüne an.
Soll heißen: So tief der Stachel um das späte Gegentor auch sitzt, so sehr mir die Tabelle der zweiten Liga auch immer wieder zeigt, dass der Rückstand immens ist, so sehr weigere ich mich, die Hoffnung aufzugeben, dass am Ende der Saison doch noch eine Aufstiegsfeier ansteht. Und die Hoffnung darauf werde ich erst aufgeben, wenn auch rein rechnerisch nichts mehr geht, denn Realismus und das Dasein als Fußballfan haben für mich so viel miteinander zu tun wie die DFL mit fanfreundlichen Anstoßzeiten.