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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Wenn man einen Grottenkick durch ein Abseitstor mit 1:0 gewinnt, sollte man eigentlich einfach mal den Mund halten, sich über die drei Punkte im stillen Kämmerlein freuen und sich auf kommende Aufgaben konzentrieren.
Doch wären wir wahre Fußballfans, wenn es uns dies so einfach gelänge? Wären wir wirklich mit dem Herzen dabei, wenn uns das Wie und Warum egal wäre und wir nur auf das Ergebnis schauen würden? Die Antwort lautet: Nein! Wer nur auf das Ergebnis schaut, ist Bauern-Anhänger oder Sportjournalist.
Und so dauert es in der Tat ein paar Stunden, evtl. sogar ein paar Tage, ehe man ein Spiel wie gegen Wehen-Wiesbaden richtig einordnen kann. Man liest in den diversen, einschlägigen Foren über die Meinung anderer, sucht nach Spielberichten auf den hunderten und tausenden Sportanbietern im Internet und versucht, die unterschiedlichsten Aspekte mit der eigenen Meinung abzugleichen.
Wer hat denn nun Recht? Die Leute, die den Club schon wieder in einer tiefen Krise sehen, die Abkehr vom Jugendstil und laut und unüberhörbar die Meinung vertreten, der Club habe keine Chance mehr auf den Aufstieg und überhaupt in der Bundesliga nichts zu suchen? Oder haben die Leute recht, die schon vor dem Spiel gegen Wehen-Wiesbaden prophezeit hatten, dass ein Spiel gegen den Tabellenletzten immer schwierig sei und man nur mit Geduld zum Erfolg kommen könne?
Vielleicht haben ja auch die Leute recht, die das Aachener Spiel als einmaligen Ausrutscher ansehen und nach dem 1:0 am Sonntag tröteten: „Solche Spiele muss man erst einmal gewinnen. Und wer solche Spiele gewinnt, ist auch eine echte Spitzenmannschaft und wird am Ende den Aufstieg in die Bundesliga feiern.“
Das Problem und seien wir doch ehrlich: Sie alle haben irgendwo Recht. Der Club hat am Sonntag kein gutes Spiel abgeliefert. So wenig druckvoll agierte man in Richtung gegnerisches Tor und zu unsicher wirkten die Aktionen auf dem grünen Rasen. Doch wer will es der Mannschaft verdenken? Mannschaften, die nach einem Spiel wie in Aachen auf den Platz gehen und von der ersten Minute vor Selbstbewusstsein strotzen, spielen unter Woche in der Champions League – und nicht in der zweiten Liga. Und hätte, wäre, wenn dem Club in den ersten Minuten ein Tor gelungen wäre, das Spiel am Sonntag hätte, wäre, wenn anders ausgesehen.
So aber sollten sich die zurückhalten, die noch immer vom Aufstieg als Selbstverständlichkeit ausgehen. Denn Spiele wie gegen Aachen oder auch gegen Wehen-Wiesbaden wird es immer wieder geben und gerade beim Club sind glückliche Siege wie am Sonntag eben keine Selbstverständlichkeit.
Es bleibt einem als Fan also mal wieder nur das, was einem immer bleibt: Man muss auf das nächste Wochenende hoffen. Drei Punkte gegen Mainz sind Pflicht, sonst steht der Aufstiegszug eher in F**** als am Nürnberger Hauptbahnhof.
Doch selbst wenn die drei Punkte gegen die Karnevalisten eingefahren werden: Endgültig sicher ist im Fußball nur etwas, das rein rechnerisch nicht mehr anders geht. Und so steckt man als Fan nach Spielen wie am Sonntag in der ewigen Zwickmühle: Genauso wenig, wie man weiß, ob man mit einem Grotten-1:0-Sieg zufrieden sein soll, genauso sehr steckt man eben zwischen dem Herzrasen als Fan und dem Wunsch, dass das Herz nun doch bitte nur noch von Spiel zu Spiel denke und die Geduld aufbringe, zu sehen, was am Saisonende letztlich heraus gesprungen ist.
Nun ja, ich lese den letzten Satz und sehe es auch: Herz und denken passt irgendwie nicht zusammen. Und da ich lieber Clubfan als Bauern-Anhänger bin, werde ich mich wohl bis Mitte Mai dem Herzrasen unterwerfen müssen.