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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Es gibt Tage, an denen geht einfach alles schief. Und natürlich folgt auf wochenlangen Sonnenschein auch irgendwann wieder ein Regentag. Genauso wie auf jede Finanzkrise auch wieder Wirtschaftswachstum folgt und im Fussball eben auf jede Siegesserie auch mal wieder eine Niederlage.
Letzte Woche – noch leicht euphorisiert von einem rauschenden Fussballfest am Abend zuvor – habe ich den Club gebeten, einfach bis zum Ende der Saison so weiter zu machen: Die Serie von nicht verlorenen Spielen doch am besten bis zum Saisonende auszuweiten und am Ende mit Pauken und Trompeten in die erste Liga zurückzukehren.
Nun, so brutal kann Fussball sein und beim Club eben immer noch ein wenig brutaler als bei all den anderen Vereinen dieser Welt. Mit ordentlich Selbstbewusstsein und doch zumindest der Hoffnung auf einen Auswärtspunkt hatte ich mich am Sonntag früh um kurz vor sieben aus der Hauptstadt auf den Weg nach Aachen gemacht. Das ein oder andere Auswärtsspiel auch schon auf dem Buckel, war ich bis Sonntag um ca. 14.15 Uhr auch noch der Meinung, ich hätte beim Club schon alles erlebt. Schließlich trage ich ja auch den Pokalsiegerabstieg noch wie ein Damokles-Schwert über mir herum.
Um ca. 14.15 Uhr an diesem Sonntag stand es plötzlich 2:0 für Aachen. Die jungen Hüpfer in der Nürnberger Hintermannschaft hatten bis dato dem Spiel genauso zugeschaut wie ich es im Block tat und die Biene Majas dort unten auf dem Rasen hatten mit zwei Torschüssen bereits zwei Mal ins Schwarze getroffen.
Ok, ok – nicht so optimal der Start, aber noch waren ja 75 Minuten zu spielen und unsere Jungs dort unten hatten mich noch vor weniger als einer Woche mit wahren Kabinettstückchen verwöhnt. Also: Auf geht’s, Nürnberg und schieß ein Tor – und tatsächlich hörten sie auf ihren Block und man wähnte sich bereits wieder im Hinspiel, als der Club ebenfalls ein 0:2 gegen Aachen aufholen musste.
Zumindest bis zur 40. Minute und dem dritten Gegentor wähnte man sich in einer Wiederholung der Ereignisse des dritten Spieltages. Dann jedoch fielen zwei weitere Tore und DER DISORDER war das erste Mal in seiner langen Fan-Karriere versucht, das Stadion zur Halbzeit zu verlassen. Wie sagte norman.bates in der Pause so treffend: „Jetzt fehlt nur noch ein kräftiger Hagel- und Regenschauer.“
Der Rest des Sonntags ist bekannt. Unsere jungen Wilden bekamen die eigenen Nerven wenigstens halbwegs in den Griff (was jedoch auch an der Aachener Einstellung des letztes Bisses gelegen haben könnte) und verloren die zweite Halbzeit nur noch 1:2. Am Ende standen mit sechs Toren so viele Gegentreffer zu Buche, wie in den letzten elf Spielen davor zusammen.
Doch gerade diese Bilanz verdeutlicht den einzig positiven Aspekt der Niederlage in Aachen. Lieber einmal eine Packung bekommen, als sechs Spiele hintereinander mit 0:1 zu verlieren.
Das Spiel auf dem Tivoli hat deutlich gezeigt, woran es dem Club momentan einfach aus der Natur der Sache noch fehlt: An Erfahrung. An Erfahrung, vor allem mit einem frühen 0:2-Rückstand umzugehen. Nein, sagen wir es anders; bleiben wir bei der Wahrheit: Den Jungs fehlt es an Erfahrung, überhaupt mit einem 0:2-Rückstand umzugehen, denn das letzte Mal 2:0 zurückgelegen hatte der Club am fünften Spieltag der Saison und die Abwehr des Spiels in Mainz kommt einem heute fast schon wie ein Relikt vergangener Tage vor… na, wer weiß es noch?…. Reinhardt, Mitreski, Goncalves und Pinola stelzten damals wie Anfänger durch den eigenen Strafraum.
Zugegeben, auch Bieler, Maroh, Reinartz und Diekmeier stellten sich am Sonntag wie blutjunge Anfänger an – mit dem entscheidenen Unterschied, dass sie genau dies sind: Blutjunge Anfänger, die mit jedem Spiel dazu lernen und zum Glück für sämtliche Clubfans erst seit Sonntag wissen, was eine derbe Niederlage ist.
Nimmt man unseren jungen, unerfahrenen Trainer dazu, werden die Verantwortlichen ihre Lehren aus dem Debakel ziehen und am nächsten Sonntag gegen Wehen-Wiesbaden ein wenig verkrampft beginnen. Doch spätestens nach dem Führungstor gegen den Tabellenletzten, werden weitere Tore folgen. Denn wie die jungen Wilden mit einem Vorsprung umgehen, haben wir in den letzten beiden Heimspielen gegen Hansa Rostock und den FCK zum Glück schon erlebt.
Ob diese Lernphase indes am Ende der Saison zum Aufstieg reichen wird, möchte ich an dieser Stelle zumindest bezweifeln. Denn genauso, wie sie in Ingolstadt fast wie ein Phoenix aus der Asche entstiegen sind, sind die unsere jungen Spieler am Sonntag in Aachen auch wieder in der Asche gelandet. Ob es für eine nochmalige Wiedergeburt reicht, werden wir am Sonntag sehen.