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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Nun ging es also wieder los. In eisiger Kälte im Rosenaustadion, wie Anwesende berichteten, gegen eine Mannschaft, die in den letzten Spielen der Hinrunde richtiggehend für Furore gesorgt hatte und sich binnen weniger Spiele von einem Abstiegsplatz bis auf Rang sechs der Tabelle verbessert hatte.
Der Gastgeber stand vor dem Spiel also noch vor dem Club in der Tabelle und dass er es nach dem Spiel auch noch immer tut, hat er weniger der eigenen Klasse als viel mehr dem Unvermögen unserer Rot-Schwarzen zu verdanken. Denn auch, wenn dieser Kommentar alles andere als eine verfrühte Schwarzmalerei nach nur einem Spieltag in der Rückrunde werden soll, die Defizite in der Nürnberger Mannschaft scheinen sich in der Winterpause kaum geändert zu haben.
Die Hintermannschaft vor Torhüter Raphael Schäfer stand auch in Augsburg für Zweitligaverhältnisse richtig sicher und ließ nur wenige Chancen für den FC Augsburg zu. Dass gute Defensivarbeit spätestens bereits im Mittelfeld anfängt, ist kein Geheimnis, doch sicher trug auch Joe Mnari zu der sicheren Deckung bei.
Die Probleme indes beginnen beim Club im offensiven Mittelfeld. So sehr Marek Mintal auch ein Fussball-Gott ist – es zeigt sich leider immer wieder: Wenn bei dem Slowaken die ersten Pässe nicht so ankommen, wie er sich dies vorstellt, hat er Probleme, ins Spiel zu finden. So auch am Freitag: Der ehemalige Torschützenkönig der zweiten und ersten Liga versank größtenteils in der Versenkung und konnte kaum Akzente in die Spitze liefern.
Auch die alte Kampfsau Kluge blieb im ersten Spiel nach der Winterpause blass und so dauerte es keine zehn Minuten, ehe die ersten Stimmen wieder aufkamen, unsere Stürmer seien nicht Zweitliga tauglich. Doch egal, wer letztlich in der Sturmspitze beim Club auch seiner Arbeit nachgeht: Er ist auf Futter aus dem Mittelfeld angewiesen und wenn dieses nicht kommt, verhungert selbst ein Cristiano Ronaldo.
Auf der anderen Seite soll dies natürlich nicht heißen, dass unsere Stürmer ab sofort einen Freibrief haben und ihr Versagen ab sofort mit einem Freibrief der fehlenden Unterstützung kaschieren dürfen. Nein, liebe Stürmer, im Gegenteil: Gerade wenn die Unterstützung fehlt oder nur sehr rar ist, darf man auch aus zwei mikrigen Chancen mal mindestens ein Tor machen. Doch genau das ist das Problem unserer Stürmer: Chancenauswertung mangelhaft.
Da reicht es dann eben nicht, wenn ein Angelos Charisteas das ganze Spiel ackert und rackert und um jeden Ball kämpft. Stürmer – und diese fünf Euro ins Phrasenschwein zahle ich gerne – werden an ihren Toren gemessen. Und was die Tore angeht, haben sich unsere Stürmer weder in der Hinrunde noch in dem Spiel in Augsburg bisher auf aufstiegstauglich bewiesen.
Doch vielleicht ist genau dies der Grund, warum man beim Club kurz vor Ende der Transferperiode nun einmal fast hyperaktiv wurde. „Harry“ ist jedenfalls nun erst einmal Geschichte in Nürnberg. Weil ihn Niemand wirklich haben wollte, ist er eben an Bayer Leverkusen ausgeliehen worden. Hoffentlich lässt sich der Grieche dort vom Stefan Kießling mal erklären, wie man auch beim Club ein erfolgreicher Stürmer werden kann. Denn wenn wir Pech haben und der Ex-Europameister sich in Leverkusen nicht durchsetzen kann, ist er schneller zurück als er nun ausgeliegen wurde.
Für Charisteas kommt Albert Bunjaku von Rot-Weiß Erfurt. Klingt logisch: Ein Drittliga-Stürmer für einen Europameister.
Ehe nun jedoch die Wehgeschreie gleich wieder los gehen, ein kurzer Beruhigunstee für Zwischendurch. Albert Bunjaku ist ein Kämpfer, ein Mann der nicht aufgibt, auch wenn man gegen die großen Bauern zum dritten Mal hinten liegt. Der gebürtige Kroate, der einen Schweizer Pass besitzt, hat in der Vorrunde neun Mal getroffen. Mehr als doppelt so oft, wie der Schönspieler Charisteas. Zieht man den Unterschied von einer Liga einfach mal ab, kommt man noch immer auf sieben Treffer für Bunjaku – jetzt mal ganz einfach gerechnet.
Lassen wir dem 25-Jährigen also ein wenig Zeit zur Eingewöhung. Sagen wir: Eine Viertelstunde gegen Kaiserslautern und dann darf er gerne treffen. Denn schließlich würde sich Herr Bunjaku ordentlich darüber freuen, wenn er in der nächsten Saison statt in der dritten Liga plötzlich schon in der ersten Liga kicken würde.