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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Endlich ist es also zu Ende: Das Seuchenjahr 2008. Ein Jahr voller Mißverständnisse, falscher Konzepte und typischer Clubspiele nahm am Sonntag mit dem 1:1 bei 1860 München sein Ende. Schaut man auf das ganze Jahr, hätte das Spiel in München nicht anders enden dürfen.
Das Jahr 2008 hat sämtliche Clubfans nach der Euphorie des 2007er Pokalsiegs recht brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Einen Abstieg und zwei Trainer später steht der Club im vorderen Mittelfeld der Zweiten Bundesliga und hofft ähnlich wie zur Winterpause vor Jahresfrist auf die Rückrunde.
Betrachtet man das vergangene Jahr genauer, zieht sich vor allem ein Phänomen wie ein roter Faden durch die Clubspiele der letzten zwölf Monate: Das Phänomen der verspielten Vorsprünge. Ob nun bereits zu seligen Erstligazeiten zu Hause gegen Rostock, Cottbus oder die Bauern aus München (vom 2:0-Halbzeitvorsprung gegen Bielefeld ganz zu schweigen), lässt sich die Liste mit den Zweitligaspielen in Ahlen, Koblenz und Osnabrück bis hin zum letzten Auftritt am Sonntag bei den Löwen fast beliebig verlängern. Der Club schaffte es im Jahr 2008 zu selten, die Schäfchen der eigenen Arbeit letztlich auch ins Trockene zu bringen.
Dabei hatte man vor zwölf Monaten eben gerade in die Heimspiele gegen Rostock, Cottbus und Bielefeld die nicht einmal unberechtigt scheinende Hoffnung gesetzt, den Klassenerhalt in der Bundesliga in der Rückrunde doch noch zu schaffen.
Ein überforderter Jan Koller, ein konzeptloser Thomas von Heesen und eine völlig verunsicherte Mannschaft konnten das Jammertal jedoch nicht verhindern. Im Gegenteil – zwar trennten sich die Wege des Clubs und Jan Kollers, doch was zurückblieb, war ein an Arroganz nicht zu übertreffender Trainer sowie eine weiterhin verunsicherte Mannschaft, die an der Aufgabe des sofortigen Wiederaufstiegs schon schnell zu zerbrechen schien.
Zum Glück für alle Clubfans folgte noch im August die einzige gute Entscheidung, die Thomas von Heesen in seiner Zeit beim Club je getroffen hat. Mit seinem Rücktritt wirbelte der Ex-Armine das Umfeld des FCN noch einmal gehörig durcheinander, doch die momentanen Vorzeichen stehen eher auf reinigendes Gewitter denn auf endgültige Katastrophe.
Und so steht der Club nach einem Jahr nun also wieder mit der Hoffnung auf die Rückrunde vor der Winterpause. Die Vorzeichen indes haben sich geändert. Denn hat man im letzten Winter vor allem auf die Ballkünste und Kopfballstärke eines alternden Ex-Weltklassestürmers gehofft, scheint sich nun die Mischung in der Mannschaft nach langen Anlaufschwierigkeiten langsam wieder zu finden. Auch Michael Oenning entwickelt langsam, doch beständig eine eigene Handschrift und dass dem Ostwestfalen noch der ein oder andere Fehler unterläuft, liegt in der Natur der Sache einer ersten Cheftrainerposition.
Es soll an dieser Stelle nun keineswegs bereits auf eine goldene Zukunft angestossen werden. Die Mannschaft braucht in der Winterpause noch die ein oder andere Verstärkung, wenn sie in der ersten Jahreshälfte 2009 wirklich noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitreden will. Doch die Clubverantwortlichen machen zumindest im Moment den Eindruck als hätten sie aus den Fehlern der Post-Pokalsiegerzeit gelernt. Da werden keine große Namen mit verklärter Vergangenheit gehandelt, sondern nach ausbaufähigen Talenten gesucht. Europa-Ephorie und Träume von der zehnten deutschen Meisterschaft sind einer gesunden Nüchternheit gewichen, die dem Club letztlich nur gut tun kann.
Denn wie schnell der Club vor allem sein größtes Potenzial wieder abrufen kann, wenn die Erfolge stimmen, hat das Spiel bei den Löwen deutlich gezeigt. Nach zuletzt durchaus ansprechenden Leistungen haben sich 20.000 Clubfans nach München aufgemacht. Der Unterstützung seiner Fans kann sich der FCN also sicher sein. Und so lange Einsatzwillen und Leistung halbwegs stimmen, wird dann auch der ein oder andere verspielte Vorsprung sogar verziehen. Noch schöner wäre es natürlich, wenn der Club im neuen Jahr diesen roten Faden endlich durchschneiden könnte.