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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Flutlichtspiele sind einfach immer noch am geilsten. Sie haben ihre ganz eigene Atmosphäre und nicht umsonst sagte selbst VfL-Osnabrück-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem 2:1-Sieg seiner Mannschaft am frühen Freitag-Abend gegen Rot-Weiß Oberhausen: „Am besten bauen wir ein schwarzes Dach über das Stadion und schalten das Flutlicht immer sofort ein.“
Der Mann hat Recht. Und auch der Club gibt dem Mann recht. Wer erinnert sich nicht an die grandiosen Abende der letzten Saison im UEFA-Cup? Egal, ob die Heimspiele gegen Everton, Alkmaar oder Benfica Lissabon. Oder die auswärtigen Auftritte in St. Petersburg oder Larissa. Allesamt Flutlichtspiele.
Oder wer schwelgt nicht gerne in Erinnerungen an das DFB-Pokal-Halbfinale gegen ein Eintracht Frankfurt? Ein Flutlichtspiel – genauso wie das spätere Pokalfinale.
Und nun also der Sieg gegen den SC Freiburg. Endlich wieder ein Sieg – nach unendlich scheinender Durststrecke in den Tiefen der zweiten Liga. Sicher, mit den großen Abenden vor ausverkauftem Haus was das Spiel gegen die Breisgauer nicht zu vergleichen und doch war es am Freitag-Abend nach langer, langer Zeit endlich mal wieder richtig schön beim Club.
Die Leistung hat (zumindest größtenteils) gestimmt, das Ergebnis sowieso und… es war eben ein Flutlichtspiel. Und umso dunkler der Himmel über dem Max-Morlock-Stadion sich färbte, desto besser wurden die Leistungen auf dem Spielfeld. Es wurde gerannt, geackert und gegrätscht, wie man es lange nicht gesehen hatte. Der dunkle Himmel schien den Clubprofis zu zeigen: Der Tag geht zu Ende – genau wie die Geduld der Fans. Nach dem Spiel folgt die Nacht und ob es eine Nacht der Trauer oder eine Nacht der Freude werden würde, lag ganz allein in den Händen (oder besser Füssen) der Spieler in Rot-Schwarz.
Der dunkle Himmel über den hell erleuchteten Flutlichtmasten schien den Männern von Michael Oenning jedoch eindeutig zu sagen: Ich habe heute nichts mehr vor. Nachher muss ich nur noch ins Bett fallen und kann mich bis morgen früh ausruhen. Es gibt also nicht den geringsten Grund, meine Kräfte zurückzuhalten, hauszuhalten mit meinen Reserven. Umso mehr ich mich nun verausgabe, desto besser werde ich nachher schlafen. Also: Ran an die Lederkugel und ein bißchen Fußball gespielt.
Und entsprechend groß war der Jubel am Ende im Stadion. Der Club hat gezeigt, dass er in der zweiten Liga doch mehr als einfach nur mithalten kann. Erstmals in der neuen Liga wurde nicht nur versucht, schön zu spielen und sich dabei möglichst nicht weh zu tun. Im Gegenteil: Die Schönspielerei wurde (ob bewusst oder unbewusst sei an diesem Punkt dahin gestellt) über Bord geworfen und gegen Kampf eingetauscht, der nicht immer schön aussah – letztlich jedoch endlich mal zum eigentlichen Ziel geführt hat.
Wie schnell eine solcher Schritt in die richtige Richtung jedoch auch nach hinten los gehen kann, hat am Sonntag die TuS aus Koblenz eindrucksvoll bewiesen. Einer wahren Glanzleistung beim 5:0-Heimsieg gegen Kaiserslautern, liessen die Rheinländer am Wochenende in Rostock die höchste Zweitliga-Niederlage der Historie folgen und kamen mit 0:9 unter die Räder. Ergebnisse, wie man sie sonst nur vom Eishockey kennt.
Der Club muss nun am Sonntag gegen eben jene Koblenzer beweisen, dass uns als Fans nicht wieder eine ähnliche Saison wie in der abgelaufenen Spielzeit bevor steht. Denn auch vor Jahresfrist bekamen es die Clubberer immer wieder hin, im richtigen Moment eine Prise Hoffnung zu streuen, um sie dann im nächsten Spiel wieder in alle Himmelsrichtungen zu zersteuben.
Hoffen wir also, dass der 2:0-Sieg gegen Freiburg nicht nur ein Stohfeuer kurzzeitiger Hoffnung auf Besserung war, sondern einfach mal wieder der Beginn einer Siegesserie. Denn solch eine Serie hatten wir als Clubfans schon lange nicht mehr – und ganz ehrlich: Eine Siegesserie ist mindestens genauso schön wie Flutlichtspiele.