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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

In der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung brachte es am letzten Wochenende ein Interview mit dem ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis auf den Punkt. Der Artikel trägt den kurzen und prägnanten
Titel: Verlieren lernen.
Zur Erinnerung: Michael Dukakis war 1988 mit großen Vorschusslorbeeren in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingezogen und musste sich letztlich doch ziemlich deutlich dem damaligen Vizepräsidenten George Bush Senior geschlagen geben.
Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung schildert Dukakis, wie er mit der unerwarteten Niederlage umgegangen ist und welche Fehler er damals begangen hat.
Wahrscheinlich wird man ein ähnliches Gespräch in vielen Jahren auch einmal mit jedem einzelnen Clubspieler der Saison 2008/2009 führen können.
Und auch vielen Clubfans sei der Artikel ans Herz gelegt – zumindest was den Aspekt des Umgangs mit Niederlagen angeht. Gelassenheit ist in diesem Zusammenhang ein großes und in eben in aller Gelassenheit ausgesprochenes Wort.
Der gemeine Clubfan muss mit Sicherheit auch nicht mehr lernen, mit Niederlagen umzugehen. Er wird sich jedoch offensichtlich wieder daran gewöhnen müssen.
Statt großer Fußballwelt mit 5000 Clubfans in Lissabon, gibt es nun wieder regnerische Sonntagnachmittage in der Provinz. Mit 400 Clubfans und insgesamt nicht einmal 5000 Zuschauern. Ein rasanter Abstieg, wenn man überlegt, dass es gerade acht Monate her ist, dass der Rossio in Lissabon fest in fränkischer Hand war.
Gewöhnen wir uns also wieder ans Verlieren? Was hat man als Fan für Alternativen? Welche Möglichkeiten hat der Einzelne?
Auf den Punkt gebracht bleiben eigentlich nur zwei Wege – und beide Wege sind steinig. Möglichkeit eins: Man bleibt weg, verstummt, tut sich das ewige Verlieren nicht mehr an. Möglichkeit zwei: Man fährt auch weiterhin zu jedem Spiel, brüllt sich die Seele aus dem Leib, um letztlich doch wieder mit gesenktem Kopf nach Hause zu fahren – wenn auch mit der Gewissheit, dass es irgendwann auch wieder Clubsiege geben wird.
Ein Gewöhnen an Niederlagen ist in zweitem Falle sehr empfehlenswert. Ansonsten kann es schnell passieren, dass die fehlenden Torschreie für das eigene Team aufs eigene Gemüt schlägt.
Welchen Weg er gehen will, muss sowieso jeder Fan für sich entscheiden. Irgendwann wird es wieder aufwärts gehen und egal für welche Möglichkeit man sich letztlich entschieden hat… am Ende wird man wieder Schulter an Schulter mit den alten Weggefährten in der Nordkurve stehen, sich an frühere Pokalsiegerzeiten erinnern und gleichzeitig über Clubtore auf dem Spielfeld jubeln.
Nach dem Spiel wird man sich dann vielleicht genüßlich bei einem Bier zurück lehnen und ähnlich wie Michael Dukakis darüber sinnieren, was man inzwischen aus den Niederlagen früherer Zeiten gelernt hat. Denn nicht umsonst hießt einer der Running Gags des 1988er US-Wahlkampfs, dass eigentlich nur ein deutschstämmiger Jude den Wahlkampf gewinnen könne. Die Amerikaner waren zur damaligen Zeit nach acht Jahren Präsidentschaft von Ronald Reagan politikmüde und machten sich selbst Hoffnung mit der Folge ihrer Präsidenten: Nach Carter folgte Reagan und nach Reagan folgt auch wieder Sonnenschein…