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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Eigentlich ist es doch jedes Wochenende dasselbe. Das Grummeln über die letzte Club-Niederlage vom letzten Wochenende ist noch da und trotzdem schluckt man es runter, weil man ja schließlich Clubfan ist und eigentlich guter Dinge, dass es nun endlich wieder aufwärts geht und der Knoten endlich platzt. Schließlich ist die Mannschaft ja viel besser als es der Tabellenplatz aussagt….
Doch kaum guckt man sich das Gegurke auf dem grünen Rasen ein paar Minuten an, kommt die Frage wieder hoch: Warum tue ich mir das eigentlich noch an? Ende September 2008 ist der Pokalsieger von 2007 ein Trümmerhaufen. Eine Anti-Fußballer-Rumpeltruppe, die den Gedanken, es könne ja nun bald nicht mehr schlimmer kommen, jedes Wochenende aufs Neue lügen straft. Irgendeine Steigerung des Schlechten fällt den Männern von Trainer Michael Oenning immer wieder ein.
Die Leistung vom Montag Abend gegen den MSV Duisburg verdeutlicht mal wieder die Ausnahmestellung von Fussballern in unserem täglichen Leben. Jeder andere Arbeitnehmer auf dieser Welt wäre nach einer derartigen Leistung wegen Unfähigkeit und Arbeitsverweigerung entlassen worden.
Wie hieß es so schön nach der Kapitulation von Thomas von Heesen? Jetzt steht die Mannschaft in der Pflicht. Bisher ist sie diese Pflicht in allen Belangen schuldig geblieben und sarkastisch gesehen, könnte man sich sogar fragen, ob nicht Thomas von Heesen doch ein Fußball-Experte ist und gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen hat, ehe es zu ernsthaften Rufschädigungen gekommen ist. Der Club liegt am Boden und allein die Mannschaft kann ihn nun wieder aufrichten.
Denn traurig, aber wahr: Die einzige gelungene Aktion an diesem Montag Abend war der Fanprotest auf beiden Seiten. Trotz 25.000 Zuschauern herrschte im Max-Morlock-Stadion in den ersten zwanzig Minuten eine Stimmung wie bei einem Geisterspiel. Beide Fankurven hatten sich auf einen Stimmungsboykott geeinigt, um gegen die für die nächste Spielzeit geplanten Anstoßzeiten zu protestieren. Eine Aktion, die rundrum gelungen ist, konnten doch auch die Reporter von DSF und Premiere die seltsame Ruhe im Max-Morlock-Stadion nicht unkommentiert lassen.
Auch ein Raphael Schäfer konnte sich nach dem Spiel eine Bemerkung nicht verkneifen und kritisierte die Fans für den fehlenden Support der ersten zwanzig Minuten. Allein: Das Gegentor fiel erst nach Boykott-Ende und der MSV Duisburg musste in dieser Zeit ebenso ohne Unterstützung auskommen wie der Club. Und selbst nach dem Gegentor waren es letztlich noch mehr als 60 Minuten mit der gewohnt guten Stimmung aus der Nordkurve.
Also, Herr Schäfer, es ehrt uns Fans natürlich ungemein, wenn Sie eine Niederlage zuerst mit der fehlenden Unterstützung der eigenen Anhänger begründen. Dies würde nämlich im Umkehrschluss immerhin heißen, dass wir als Fans mit unseren Gesängen doch auch etwas zum Sieg beitragen können. Trotzdem würden wir viel lieber endlich wieder eine Mannschaft sehen, die eventuell auch aus eigener Kraft mal wieder ein Spiel gewinnt. Denn die Duisburger waren keineswegs eine gute Mannschaft am gestrigen Abend.
Und sollte sich die Teamleistung des Clubs nicht langsam ändern, wird sich unser torhütende Mannschaftskapitän mit seinen Kameraden vielleicht sehr viel schneller an Geisterspiele gewöhnen müssen als es der DFL überhaupt möglich ist, die Anstoßzeiten zu verschieben.