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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Es ist Dienstag Nachmittag. Das Spiel des Clubs in Wehen ist inzwischen seit über 48 Stunden abgepfiffen und trotzdem weiß der Autor dieser Zeilen noch immer nicht so recht, was er von der Punkteteilung am vergangenen Sonntag halten soll.
Natürlich überwog in der 90. Minute und auch die paar Minuten nach dem Spiel die Freude über das Tor von Angelos Charisteas und dem damit gewonnenen Punkt. Natürlich gab es die Gedanken von den zwei blauen Augen und der Wichtigkeit, das Spiel nicht verloren zu haben. Und natürlich gab es auch den Respekt vor der zweiten Halbzeit des Clubs und der Tatsache, dass man auch nach verschossenem Elfmeter stets an sich und den Ausgleich geglaubt hat.
Gleichzeitig dämmerte irgendwo im Hinterkopf das Gefühl, all das schon einmal gesehen zu haben. Ja klar, bekomme ich da ganz schnell als Antwort – vor zwei Wochen gegen Aachen. Da haben wir auch zur Halbzeit zurückgelegen.
Das meine ich nicht, sage ich dann, und überlege, wie ich es ausdrücken soll. Was ich meine, ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim Club. Ohne Frage, die Mannschaft von Neu-Trainer Michael Oenning hat Potenzial, besteht aus einer gesunden Mischung aus jungen, hungrigen und erfahrenen, abgeklärten Spielern. Und natürlich muss sich diese Mannschaft erst einmal finden, ist sie doch größtenteils nach dem Abstieg neu zusammen gestellt wollen. Ja, auch das rauhe Klima in der zweiten Bundesliga kommt dazu – sieht man schließlich an den Tabellenständen der Mitabsteiger. Darüberhinaus hat Duisburg gestern gegen die bis dahin punktlosen 59er aus München verloren.
Ja, sage ich, stimmt alles. Trotzdem: Was die anderen machen, interessiert mich nicht. Mich interessiert, was der Club macht und neben der Tatsache, dass wir unser zweites Saisonspiel gegen einen Fastabsteiger der letzten Saison verloren haben, ist vor allem die verschlafene erste Halbzeit in den letzten drei Spielen auffällig. Ich betone es noch einmal: In den letzten drei Spielen. Nicht im letzten, nicht im vorletzten, sondern in drei Spielen nacheinander.
Nun gut, man könnte nun hingehen und dem Trainer raten, er solle doch seine Halbzeitansprache in Mainz gleich vor dem Spiel halten und schon würde alles gut.
Und auch gut – niemand (außer den wahren Fans und Fussballexperten) hatte behauptet, dass das Ziel direkter Wiederaufstieg ohne jedes Problem zu erreichen sei.
Trotzdem drängt sich beim Autor dieser Zeilen vor allem eine Frage auf: Was ist, wenn die zweite Liga wirklich so stark ist, wie sie vom DSF gemacht wird? Wenn die ersten sechs, sieben Mannschaften über die Saison verteilt keinerlei Probleme hätten, mit den letzten sieben Teams der ersten Liga mitzuhalten? Wenn einfach Freiburg, Mainz, Aachen und selbst das Kräuter Fett stärker sind als Bielefeld, Cottbus, Bochum oder sogar Frankfurt? Wenn also der Club in der Tat einfach auf Rang sechs oder sieben der zweiten Liga gehört, weil ein sechszehnter Platz der Bundesliga nun mal einfach nicht mehr wert ist?
Theoretische Spielerei – ich weiß. Und geteilte Meinungen wird es darüber auch geben. Letztlich muss jedoch jedes Mittel recht sein, die Clubspieler endlich aufzuwecken und ihnen zu zeigen, dass fünf Punkte nach vier Spielen in der Bundesliga zwar eine durchaus gute Ausbeute ist, in Sachen Zweitligameisterschaft jedoch nicht einmal zehn Cent wert ist.
Das Spiel in Mainz wird sicherlich noch keine Entscheidung in Sachen Meisterschaft bringen. Doch zumindest richtungsweisend für die nächsten Aufgaben wird es sein. Wünschen wir uns also, dass die Männer um Marek Mintal am Freitag nicht erst zur zweiten Halbzeit wach werden, sondern von Anfang an gegen den späteren Mitaufsteiger mithalten. Vielleicht hilft es ja ganz einfach, am Freitag früh den Wecker eine Dreiviertelstunde früher zu stellen.
Denn allen Unkenrufen zum Trotz: Auch in der letzten Saison hat man die Mannschaft mit fast gnadenloser Sturköpfigkeit gut geredet und stand am Ende auf einem Abstiegsplatz. Trotzdem gibt es einen Unterschied, der durchaus Mut machen kann: Spiele wie gegen Aachen oder eben auch das Spiel in Wehen – in der letzten Saison wären diese beiden Duelle sang- und klanglos verloren gegangen.