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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Vor knapper Wochenfrist wurde es dann also endlich beendet, eines der größten Mißverständnisse der jüngeren Clubgeschichte. Das Kapitel Thomas von Heesen als Cheftrainer ist beendet und das kollektive Aufatmen aus Franken war bis nach Berlin zu hören. Der Mann mit dem Bielefelder Friseur hat hingeworfen und ist mit seinem Rücktritt der eigenen Entlassung somit ein paar Stunden zuvor gekommen.
Aus den üblichen, gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen war zu hören, dass es ein Ultimatum aus der Mannschaft gegeben habe und als gewöhnlich schlecht unterrichteter Fan hatte man am letzten Donnerstag ein wenig den Eindruck, man sei beim Club wieder in den achtziger Jahren angekommen. Die spielerische Darbietung in Kaiserslautern wäre der Null-Punkte-Auswärtssaison von 1983/1984 aller Ehren gerecht geworden. Die anschließenden Aussagen des Spielleiters zeugten von mehr als einer gewissen Ratlosigkeit und Präsident Michael A. Roth sprach aus seinem Italienurlaub ein Machtwort, was eventuelle Nachverpflichtungen anging.
Aus dem selbsternannten Aufstiegsfavoriten war nur innerhalb von zwei Spieltagen ein potentieller Abstiegskandidat geworden. Für den kummererprobten Clubfan nichts Neues.
Erstaunlich war dann jedoch, was am Sonntag gegen Aachen passierte. Die Mannschaft stand in der Pflicht – da waren sich alle einig. Wer als Spieler schlechte Leistungen auf den Trainer schiebt, muss spätestens mit Wegfall des ungeliebten Übungsleiters eine erhebliche Leistungssteigerung zeigen.
Am Sonntag warteten die Zuschauer in den ersten 45 Minuten vergeblich. Zwar sah das Ballgeschiebe der Herren in den FCN-Trikots nicht ganz so schlimm aus wie noch in Kaiserslautern. Eine Offenbarung waren jedoch allenfalls die beiden Gegentore von Alemannia Aachen.
Man wird sich im Falle des (immernoch immer möglichen) Aufstiegs am Ende der Saison bei der Alemannia bedanken müssen. Wäre es torlos in die Halbzeit gegangen – Nichts wäre passiert. Man hätte sich weiter ein wenig den Ball zugeschoben, auf die ein oder andere Torchance gehofft und am Ende vielleicht unglücklich durch ein Glückstor des Gegners doch noch verloren. Hat man als Clubfan in der letzten Saison schließlich oft genug so gesehen.
Was man als Clubfan jedoch schon lange nicht mehr so gesehen hat, war die Art und Weise, wie sich das Team von Interims- und vielleicht bald Chefcoach Michael Oeninng an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat. Plötzlich wurde geackert, gerannt, gelaufen und am Ende wurde man sogar belohnt. Zwar nur mit einem Punkt, der vor dem Spiel sicherlich nicht als Erfolg gewertet worden wäre, doch letztlich ist auch hier einmal mehr der Weg das Ziel.
Die Clubspieler haben es nach einer Halbzeit Anlaufszeit am Sonntag geschafft, den Hebel umzulegen. Das Vergangene war vergangen – man schaute nur in Richtung Ziel. Am Sonntag hieß dieses Ziel zunächst, den Ausgleich noch zu schaffen. Auf die Saison betrachtet muss dieses Ziel auch weiterhin Aufstieg heißen.
Ein allererster Schritt in Richtung dieses Ziels ist getan. Der Schalter ist gefunden. Nun müssen weitere Schritte folgen, damit der Schalter nicht zurückklickt.
Wollen wir also hoffen, dass die Mannschaft dies hinbekommt und am Ende der Saison einen weiteren Rekordtitel für sich beanspruchen kann: Nämlich den des Rekordaufsteigers. Schließlich hat man den Rekord der schnellsten Trainerentlassung im deutschen Profifussball durch den Rücktritt von Thomas von Heesen am Donnerstag knapp verpasst. Der Ex-Bielefelder bleibt also auch diesbezüglich ein Spielverderber.