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Zweite Fußball-Bundesliga, 2. Spieltag
[Montag, 25.08.2008 – 20.15 Uhr] 1.FC Kaiserslautern – 1.FC Nürnberg 2:1 (2:0)

1:0 (22.) Florian Dick
2:0 (36.) Erik Jendrisek
2:1 (47.) Isaac Boakye

Der selbsterklärte Aufstiegsfavorit 1. FC Nürnberg ist am Boden der Zweitliga-Tatsachen angekommen und hat in Kaiserslautern auf dem Betzenberg mit 2:1 (2:0) verloren. Dabei war es nicht einmal die Tatsache, dass man verloren hatte, welche die mitgereisten FCN-Fans wütend und sauer machte, sondern allein die Art und Weise, wie man die Gegentore hatte hinnehmen müssen. Kaiserslautern ergriff im eigenen Stadion von Anfang an die Initiative und hätte bereits nach wenigen Minuten in Führung gehen können. Letztlich merkte man jedoch auch schnell, dass es sich bei dem Duell der Altmeister um ein Zweitligaspiel handelte. Stoppfehler und ungenaue Pässe waren an der Tagesordnung.
Trotzdem schien der Gast aus Franken zunächst nicht zu wissen, wie ihm geschah. Kaiserslautern trug Angriff um Angriff in Richtung Gehäuse von Raphael Schäfer vor und wurde in der 23. Minute folgerichtig belohnt. Nach einem Freistoß von Anel Dzaka aus etwa 22 Metern konnte die Nürnberger Hintermannschaft zunächst abwehren. Javier Pinola ließ den Ball dann jedoch direkt vor die Füße von Florian Dick prallen, der Ex-Karlsruher bedankte sich und schob zur 1:0-Führung ein.

Pomadig und einfallslos

Doch auch nach dem Rückstand wirkte das Team von Thomas von Heesen pomadig und einfallslos. Der von den Fans erhoffte Ruck durch die Mannschaft blieb aus und Kaiserslautern nutzte die erste Halbzeit noch, um die Führung auszubauen. Dieses Mal verschlief José Goncalves den eigenen Abwehrversuch und so konnte Erik Jendrisek herrlich steil geschickt werden. FCN-Keeper Schäfer hatte im Mann-gegen-Mann-Duell keine Chance und nach 36 Minuten stand es 2:0 für die roten Teufel.
Die Pfälzer versäumten es in den verbleibenden Minuten dann, die Führung noch auszubauen. Dzaka, Moussa Ouattara (beide 37.), Jendrisek (40.) und erneut Dzaka (45.+1) scheiterten jedoch entweder an den eigenen Nerven oder an Raphael Schäfer.

Boakye trifft

Zu einer echten Torchance für den Club hatte es in der ersten Halbzeit nicht gereicht, dafür nutzte Neuzugang Isaac Boakye kurz nach Wiederanpfiff etwas überraschend gleich die erste Gelegenheit zum Anschlusstreffer. Robert Vittek hatte in der 47. Minute geflankt. Boakye nahm den Ball am langen Pfosten volley und ließ die Hoffnung aufkeimen, in Kaiserslautern wenigstens einen Punkt zu entführen.
Kaiserslautern zeigte sich nach dem Treffer zunächst auch durchaus beeindruckt und ließ den FCN nun ein wenig mehr kommen. Dennoch blieb es auch in der zweiten Halbzeit dabei: Echte Torchancen für den Club gab es nicht.
Zumindest bis kurz vor Schluß. Marek Mintal war in der 83. Minute für Peer Kluge gekommen und hatte drei Minuten später die große Möglichkeit zum Ausgleich auf dem Fuß. Der Schuss des Slowaken aus kurzer Distanz landete jedoch am Außennetz und so verlor der Club sein erstes Auswärtsspiel mit einer insgesamt erschreckend schwachen Leistung hochverdient mit 1:2. Während Kaiserslautern zusammen mit dem FSV Mainz 05 nun an der Tabellenspitze der zweiten Fußball-Bundesliga steht, dümpelt der Club im Mittelfeld und Niemandsland der Liga herum.

DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Wie Amateure

Denke ich dieser Tage an den Club und das selbst erklärte Ziel, am Ende der Saison den neuen Meisterschaftspokal der zweiten Liga in Händen zu halten, kommt mir unweigerlich und immer wieder eine gewisse Fernsehwerbung für Bier in den Sinn: »Nur gucken, nicht anfassen.«
Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim Club mal wieder meilenweit auseinander und mit einer gewissen Schärfe betrachtet, könnte man sagen: Es hat sich im Gegensatz zur letzten Saison nichts geändert. Der Trainer spricht von einem Konzept, der Manager von Zielen und die Mannschaft lässt auf dem grünen Rasen jedes Zusammenspiel, jeden Kampfgeist vermissen.

Eine Offenbarung

Die Leistung des Clubs in Kaiserslautern war diesbezüglich eine Offenbarung. Die roten Teufel – beileibe keine Übermannschaft – waren der Mannschaft von Thomas von Heesen über 90 Minuten in vielen Belangen überlegen. Entscheidend jedoch war nicht, dass die Pässe ankamen oder die Chancen auch verwertet wurden. Entscheidend auf dem Betzenberg war etwas, was man beim Club seit dem gewonnenen Pokalfinale nicht mehr gesehen hat: Wille! Der Wille zum Sieg, der Wille, die Lederkugel ins Netz zu hauen, der Wille, dem Gegenspieler den Ball sofort wieder abzunehmen.
Denn während auf den Rängen gejubelt, gezittert, geschrien und angefeuert wird, hat man den Eindruck, auf dem Rasen ein blutleeres Gebilde von elf Berufsfußballern zu sehen, die keine Ahnung haben, wie sie das viel zitierte Konzept des intellektuell scheinbar haushoch überlegenden Trainers in die Tat umsetzen sollen. Einzig einem Raphael Schäfer nimmt man im Moment noch halbwegs ab, dass ihn die Gegentore wirklich noch wurmen.
Ok, ok, mag man sagen – es ist gerade mal der zweite Spieltag und wir haben schließlich in Kaiserslautern verloren und nicht in Ingolstadt. Ich kann dazu nur sagen: Wenn der Club so weiter macht, werden wir nicht nur in Ingolstadt, sondern auch in Wehen, Oberhausen und beim FSV Frankfurt untergehen.

Schöne Worte

Messen wir die Akteure am nächsten Sonntag also an ihren eigenen Aussagen. »So können wir nicht auftreten, wenn wir in die Bundesliga zurück wollen«, hat es zumindest Javier Pinola nach dem Spiel in Kaiserslautern richtig erkannt. Auch ein Thomas von Heesen verlautete, dass er über die erste Halbzeit nicht nur enttäuscht, sondern sogar erbost gewesen sei. Schöne Worte – ohne Ausnahme. Allein: Schöne Worte haben eine Fußballmannschaft noch nie nach vorne gebracht. Was folgen muss, sind Taten. Und das wissen auch die Akteure.
Nach dem Spiel in Kaiserslautern hat der Großteil der Kurve der Mannschaft noch zugejubelt und zumindest für die Bemühungen der zweiten Halbzeit höflich Applaus gespendet. Bei ausbleibendem Erfolg wird dies nicht mehr lange so sein und so reicht am Sonntag gegen Aachen eben nicht mehr einfach nur ein Sieg mit Mund-abwischen-Mentalität.
Die Clubfans wollen endlich mal wieder überzeugenden und erfolgreichen Fußball ihrer Mannschaft sehen. Sie wollen den Willen zum Sieg sehen, den Willen zum Aufstieg. Sie wollen sich endlich mal wieder über drei Punkte UND ein schönes Spiel ihrer Mannschaft freuen können. Verdient haben sie es sich, denn Geduld haben die Clubfans in den letzten Wochen und Monaten genug gezeigt.