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DFB-Pokal 2008/2009, 1. Hauptrunde
[Sonntag, 10.08.2008 – 17.30 Uhr] Rot-Weiß Ahlen – 1.FC Nürnberg 3:4 (0:0, 0:0) n.E.

Nur ein nervenstarker Raphael Schäfer konnte das frühe Ausscheiden des Pokalsiegers von 2007 verhindern. Der Rückkehrer vom VfB Stuttgart hielt im Elfmeterschießen zwei Bälle und ebnete dem Club so den Weg in Runde zwei.
Vor der Entscheidung im Elfmeterkrimi hatte ein ereignisarmes Spiel die Zuschauer zeitweise auf eine harte Probe gestellt. Vom erhofften Feuerwerk des selbsterklärten Aufstiegsfavoriten war nichts zu sehen. Zu pomadig und lauffaul präsentierten sich die Männer von Trainer Thomas von Heesen. Zwar stand die Abwehr meist sicher, doch kamen schon aus dem Mittelfeld zu wenig Impulse nach vorne, um eine tief stehende Ahlener Mannschaft wirklich in Bedrängnis zu bringen. Der Club übernahm im Werse-Stadion von der ersten Minute die Kontrolle – was jedoch vor allem an Rot-Weiß Ahlen lag. Der Aufsteiger, der vom ehemaligen Club-Profi Christian Wück trainiert wird, zog sich von Anfang an weit in die eigene Spielfeldhälfte zurück und ließ den Favoriten kommen. Den Franken fehlte es jedoch an Ideen und Kreativität, das Bollwerk zu knacken. Marco Engelhardt konnte ebenso wenig Akzente setzen wie Marek Mintal. Einzig Neuzugang Juri Judt fiel durch Agilität auf, wirkte in vielen Aktionen jedoch auch glücklos.

Schwaches Spiel

Ganze drei halbe Chancen standen am Ende der ersten Halbzeit auf der Guthabenseite beim Club. Angelos Charisteas mit einem Kopfball, Mario Breska mit einem Freistoß und Juri Judt mit einem Fernschuss – mehr war nicht.
Mit etwas mehr Elan ging es dann in der zweiten Halbzeit zur Sache. Ahlen wurde mutiger und merkte, dass gegen die ideenlosen Nürnberger durchaus was drin war. Trotzdem hatte der Bundesliga-Absteiger in der 53. Minute zunächst die größte Chance des Spiels. Marek Mintal setzte seinen Schuss aus kurzer Distanz jedoch ans Außennetz. Sieben Minuten später zeigten dann auch die Ahlener endlich, dass sie torgefährlich sein können. Kevin Großkreutz köpfte in der 60. Minute an die Nürnberger Querlatte.

Verlängerung und Elfmeterschießen

Schließlich ging es nach dreißig weiteren ereignis- und torlosen Minuten in die Verlängerung. Doch auch hier ein unverändertes Bild. Die beiden Zweitligisten egalisierten sich im Mittelfeld und Torchancen blieben Mangelware. Allein der eingewechselte Daniel Gygax sorgte mit einem Lattenschuss in der 116. Minute für Aufregung.
Im folgenden Elfmeterschießen behielten die Club-Profis dann jedoch die Nerven. Raphael Schäfer hielt bereits den ersten Elfmeter von Philipp Heithölter. Joe Mnari, Javier Pinola, Ioannis Masmanidis und Daniel Gygax verwandelten danach sicher. Als Schäfer dann den Elfmeter von Baldassare di Gregorino hielt, war die zweite Runde im DFB-Pokal mit einem tiefen Durchatmen erreicht.

DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Vor einer schwierigen Saison

Endlich, endlich, endlich wieder Club. Die Zeit ohne Fußball endlich vorbei – und dann sowas. Ein Spiel zum Einschlafen. Langweilig, weil die Einen nicht können und die Anderen nicht wollen. Ahlen hat sich in den eigenen Strafraum verkrochen und unsere Leute finden keinen Weg, das Bollwerk zu knacken. Die Suche nach der Lücke blieb erfolglos und als die Ahlener in der zweiten Halbzeit dann plötzlich sogar konterten und das Gebälk trafen, fühlte man sich schon wieder an die letzte Saison erinnert. Der Club dominiert, hat viel Ballbesitz und kriegt am Ende doch das eine dumme Tor mehr hinten rein als sie vorne schießen.
Aber was schreibe ich? Wenn sie doch wenigstens mal ein Tor schießen würden, die Herren Vittek und/oder Charisteas. Es jetzt jedoch allein an den Beiden unschlüssig wechselwilligen Stürmern festzumachen, wäre zu einfach. Wenn aus dem Mittelfeld kein gescheiter Ball kommt, verhungerst du als Stürmer eben. Und es war schon erschreckend wenig, was Marco Engelhardt und Marek Mintal in Richtung gegnerisches Tor zustande brachten.

Die eigenen Ansprüche

Alles in allem war die Leistung in Ahlen jedenfalls noch meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Ein Fußballspiel sieht jedenfalls definitiv anders aus und das Einzige, was wirklich Hoffnung macht, ist die Tatsache, dass der Club solch ein Spiel letztes Jahr definitiv verloren hätte. Ich erinnere nur an den Auftritt in Jena.
Also heißt es nun einfach erst einmal: Mund abwischen und seine Lehren aus dem Spiel in Westfalen ziehen. Denn über eine – wenn auch unschöne – Tatsache muss sich der geneigte Clubfan im Klaren sein. Das Spiel in Ahlen wird am Ende der Saison kein Einzelfall gewesen sein. Achtzig Prozent der Mannschaften in der Liga, in der wir nun spielen, werden sich gegen den selbsterklärten Aufstiegsfavoriten hinten rein stellen und in erster Linie versuchen, Gegentore zu verhindern. Zumal sich rumgesprochen haben dürfte, dass die Verteidigung nicht unbedingt die Problemzone des Nürnberger Spiels ist. Wird also schwer, gegen diese Nürnberger Mannschaft selbst ein Tor zu machen und wenn man schon keins schießen kann, will man sich wenigstens zum torlosen Remis retten.

Schwierige Mission

Einen ersten Vorgeschmack, wie schwierig die Mission Aufstieg also werden wird, haben die Männer von Thomas von Heesen gestern bekommen. Denn schließlich ist Rot-Weiß Ahlen alles andere als ein Spitzenteam der zweiten Bundesliga. Bleibt zu wünschen, dass unsere Mannschaft die Schwierigkeiten diese Saison früher erkennt und vor allem abstellt als in der letzten Spielzeit. Denn sonst kann das Ganze ein richtig unangenehmes Jahr werden – zumal mit einem Trainer, der bei den Fans nicht den geringsten Kredit hat.