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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 33. Spieltag
[Samstag, 10.05.2008 – 15.30 Uhr] Hertha BSC Berlin – 1.FC Nürnberg 1:0 (0:0)

1:0 (75.) Raffael

Das Zittern für den Club geht weiter. In Berlin verpasste es die Mannschaft von Thomas von Heesen, sich für den letzten Spieltag eine bessere Ausgangslage zu schaffen und ist letztlich nur aufgrund fremder Hilfe noch nicht endgültig abgestiegen. Zwischen der 74. und der 83. Minute stand der FCN bereits mit beiden Beinen in der zweiten Liga. Allein der späte Ausgleich von Borussia Dortmund in Bielefeld hält die Tür des Klassenerhalts einen Spalt weit offen.
Dabei begann der Club, wie es sich für eine Mannschaft am Abgrund gehört: Das Hertha-Tor wurde betürmt und schon in der zweiten Minute hatte Marek Mintal nach Pass von Ivan Saenko die erste große Chance. Seine Direktabnahme verfehlte den Hauptstadt-Kasten jedoch um wenige Zentimeter. Vier Minuten später verpasste Angelos Charisteas mit einem Kopfball nach Flanke von Javier Pinola das Gehäuse nur knapp. Der Club hatte das Heft früh in die Hand genommen und blieb auch in der Folgezeit das spielbestimmende Team. Es fehlte jedoch der klare Zug zum Tor und so blieben echte Tormöglichkeiten im Rest der ersten Halbzeit Mangelware.
Allerdings hätte es in der 25. Minute einen Elfmeter für den Club geben müssen. Josip Simunic hatte bei einem Abwehrversuch im eigenen Strafraum die Hand zu Hilfe genommen. Der Pfiff von Schiedsrichter Babak Rafati blieb jedoch aus und so ging es torlos in die Pause.
Auch in der zweiten Hälfte übernahm der Club zunächst das Kommando. In der 50. Minute kam Zvjezdan Misimovic für Marek Mintal, doch die Nürnberger Offensive blieb in letzter Konsequenz harmlos. Ivan Saenko schloss in der 53. Minute einen Angriff mit einem harmlosen Schuß ab. In der 58. Minute drang Jan Koller in den Hertha-Strafraum ein, doch seine Hereingabe fand im Sturmzentrum keinen Abnehmer. Zvjezdan Misimovic schickte dann in der 65. Minute Ivan Saenko steil und der Russe hatte Hertha-Torhüter Jaroslav Drobny schon überwunden, ehe Steve von Bergen doch noch klären konnte.
Bis zur ersten echten Hertha-Chance dauerte es 73 Minuten. Raffael scheiterte jedoch noch an Daniel Klewer. Auf der anderen Spielfeldseite scheiterte Thomas Galasek eine Minute später und setzte seinen präzisen Schuss ans Außennetz. Im erneuten Gegenzug dann der Genickschlag: Nach langem Abschlag von Drobny, verlängerte Lukasz Piszczek per Kopf auf Raffael. Der Brasilianer hängte Javier Pinola ab und ließ schließlich Daniel Klewer keine Abwehrmöglichkeit. Da zur selben Zeit Arminia Bielefeld gegen Borussia Dortmund noch 2:1 führte, war der Club mit dem Gegentreffer nun vorrübergehend abgestiegen.
Thomas von Heesen brachte nun in der 76. Minute noch Robert Vittek für Marco Engelhardt und verstärkte die Offensive. Der Slowake scheiterte jedoch in der 80. Minute mit seinem Schussversuch. Eine Minute später hätte es erneut Elfmeter für den Club geben müssen. Angelos Charisteas wurde von Josip Simunic zu Fall gebracht, doch wieder blieb die Pfeife von Schiedsrichter Rafati stumm.
So blieb es schließlich beim 0:1 aus Sicht des Clubs und hätte Borussia Dortmund in der 83. Minute in Bielefeld nicht noch den Ausgleich erzielt, wäre das Kapitel Bundesliga für den FCN mit dem Abpfiff des Spiels beendet gewesen. So bleibt der kleine Funken Hoffnung, den Klassenerhalt durch ein Sieg im letzten Heimspiel gegen Schalke doch noch zu schaffen. Ein Dreier gegen Schalke hilft jedoch auch nur dann, wenn Bielefeld gleichzeitig in Stuttgart nicht gewinnt.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Schlaflos in Berlin

Lieber Club, ich kann nicht mehr. Seit Wochen ohne Schlaf und nun soll ich nochmal fünf Tage dran hängen? Fünf Tage bis zum Endspiel, fünf Tage bis zur Gewissheit, fünf Tage, die komplett verschenkt sein werden, weil ich rund um die Uhr daran denken muss, was wohl am nächsten Samstag um 17.15 Uhr sein wird.
Lieber Club, Du quälst mich also bis zum Schluss, lässt mich für neun Minuten schon einmal spüren, dass sich auch der siebte Abstieg nicht besser anfühlt als die anderen sechs. Überall traurige Gesichter, überall erwachsene Menschen, die an Fingernägeln kauen.
Und auf dem Platz? Sommerfußball und schwere Beine. Ein Gekicke, das mich an meinem Verstand zweifeln lässt – ist es nicht so, dass die Mannschaft in den weinroten Trikots gegen den Abstieg kämpft, dass die Mannschaft in den weinroten Trikots gewinnen muss, um die Klasse zu erhalten?
„Aufgrund der Spielstände in den anderen Stadien, die immer angezeigt wurden, war es für meine Spieler nicht leicht, sich auf unser Spiel zu fokussieren.“
Wenn ich so etwas höre, Herr von Heesen, kommt mir die Galle hoch. Wer ordentlich kämpft und in Führung geht, braucht sich um die anderen Spielstände gar nicht zu kümmern. Ein Sieg gegen Hertha und Bielefeld hätte mit zehn Toren Unterschied gewinnen können.
Statt dessen lässt man sich hinten einen einschenken und ohne den Glückstreffer von Borussia Dortmund wäre man inzwischen weg vom Fenster. Kommt mir also hinterher niemand und sagt, wir hätten das aus eigener Kraft geschafft. Aus eigener Kraft hätte man an diesem sonnigen Pfingstsamstag eine Hertha schlagen müssen, für die es um nichts mehr ging. Aus eigener Kraft darf man nach dem Spiel nicht hingehen und den Schiedsrichter beschimpfen.
Natürlich sind das die altbekannten Mechanismen, die nun greifen. „Jetzt erst recht“ und „Wir schaffen das“ – seit Wochen die selben Durchhalteparolen. Ich kann sie genauso nicht mehr hören, wie irgendwelche Erklärungsversuche, in denen das Wort „Pech“ vorkommt. Glück muss man sich erarbeiten und arbeiten heißt eben nicht, an einem sonnigen Tag mal eben ein wenig dem Gegner hinterher zu rennen und auf ein 0:0 zu spielen.
Nur damit mich nun keiner falsch versteht: Ich werde diese Woche nicht schlafen können, weil ich noch immer hoffe. Nein, die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben und wenn der Club am Samstag die Leistung der letzten Heimspiele wieder abrufen kann, bin ich sogar durchaus der Meinung, dass das Schneckenrennen am Ende durchaus noch einen guten Ausgang für uns haben kann. Was mich nur irritiert ist eine Frage, die sich mir während des Hertha-Spiels irgendwann aufdrängte: Haben wir es überhaupt verdient, in Bundesliga zu bleiben?
Möge sich ein Jeder diese Frage selbst stellen und den Faden weiter spinnen zur Konsequenz aus all den Zweifeln einer verkorksten Saison. Bitte nicht mit Konzept in die zweite Liga, sondern lieber drin bleiben und dann mit Konzept jede weitere Horrorsaison vermeiden.
Wir haben am Samstag ein Endspiel und für alle Clubspieler sind dies noch einmal neunzig Minuten, in denen sie beweisen können, dass sie den Klassenerhalt verdient haben. Und diejenigen, die diese neunzig Minuten nicht nutzen, will ich nie wieder in einem FCN-Trikot sehen.

Galerie

Hoher Besuch im Frankenstüble

Der Spielplangestalter wollte es so, dass der Glubb am vorletzten Spieltag noch in Berlin vorbeischaut und eine der letzten Chancen auf den Klassenerhalt ausgerechnet in dem Stadion bekommt, in dem er vor gerade mal etwas weniger als einem Jahr den größten Triumph der jüngeren Vereinsgeschichte feierte. Mit dem Sieg wurde es dieses Mal nichts – im Gegenteil: Bei widrigem Verlauf wäre der Abstieg an diesem Wochenende bereits besiegelt gewesen. So aber bleibt die große Hoffnung auf das letzte Heimspiel der Saison gegen Schalke – und dementsprechend glichen die Feierlichkeiten nach dem Spiel inklusive hohem Besuch aus Nürnberg ein wenig dem berühmten Tanz auf dem heißen Vulkan…