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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 31. Spieltag
[Freitag, 02.05.2008 – 20.30 Uhr] Borussia Dortmund – 1.FC Nürnberg 0:0 (0:0)

Der 1. FC Nürnberg hat mit einem 0:0 auch in Dortmund den großen Schritt in Richtung Klassenerhalt nicht gemacht und kann bei einem Bielefelder Sieg am Samstag den Anschluss verlieren. Dabei begann das Spiel durchaus verheißungsvoll. Robert Vittek setzte sich in der vierten Minute im Mittelfeld schön durch und flankte in die Mitte. Dort köpfte Jan Koller in Richtung Borussen-Tor, hatte jedoch Pech: Der Ball landete auf der Latte und ging von dort ins Aus.
Die Clubberer, die zum dritten Mal in Folge mit der selben Aufstellung ins Spiel gingen, waren von Anfang an bemüht, Spiel und Gegner in den Griff zu bekommen und hätten in der fünfzehnten Minute eigentlich mit einem Elfmeterpfiff belohnt werden müssen. Im Duell der beiden Roberts hatte Robert Kovac Robert Vittek im Strafraum gehalten, doch Schiedsrichter Dr. Jochen Drees verweigerte den Pfiff. In der 25. Minute konnte sich der Club dann beim eigenen Schlussmann bedanken, dass es trotz Feldüberlegenheit nicht plötzlich 0:1 stand. Nach Klassepass von Tinga tauchte Alexander Frei plötzlich allein vor Daniel Klewer auf. Der FCN-Torhüter behielt jedoch die Nerven und entschied das Mann gegen Mann-Duell für sich.
Das Spiel vor 70.000 Zuschauern verflachte dann zusehends und lediglich in der 38. Minute kam noch einmal so etwas wie Torgefahr auf. Dieses Mal hatte Ivan Saenko auf Jan Koller geflankt, doch BVB-Ersatzkeeper Marcel Höttecke konnte dessen Kopfball parieren.
Mit dem torlosen Unentschieden ging es in die Pause und in der zweiten Hälfte waren es zunächst die Gelb-Schwarzen Borussen, die den Ton angaben. Nach zehn Minuten im zweiten Durchgang konnten die Männer von Thomas Doll bereits drei hochkarätige Chancen verbuchen. Jakub Blaszczykowski, Florian Kringe und Alexander Frei konnten ihre Möglichkeiten jedoch nicht in Zählbares ummünzen. Der Club antwortete mit einer Großchance in der 55. Minute. Jan Koller setzte sich gegen Kovac und Dede durch, legte den Ball mustergültig in die Mitte, wo Robert Vittek jedoch verstolperte. Drei Minuten später tauchte Marek Mintal im Strafraum des BVB auf und bei seinem Abwehrversuch wäre Robert Kovac fast ein Eigentor unterlaufen. Die Latte rettete die Dortmunder erneut. Mit der Einwechselung von Zvjezdan Misimovic in der 63. Minute gewann das Clubspiel noch ein wenig mehr an Struktur. Der Bosnier trieb seine Kollegen weiter nach vorne, während sich Dortmund im eigenen Stadion aufs Kontern verlegte. Und so wäre es in der 72. Minute erneut fast um den Club geschehen. Delron Buckley schickte mit seinem Pass Alexander Frei auf die Reise. Doch wieder hatte Daniel Klewer gut aufgepasst und kam den entscheidenden Tick früher an den Ball als der Schweizer im Borussen-Trikot.
In der 82. Minute dann noch einmal der Club: Misimovic hatte einen Freistoß in die Mitte gegeben, wo Thomas Galasek an den Ball kam. Die Lederkugel wurde länger und länger, doch leider auch Borussen-Torhüter Höttecke. Der Mann, der normalerweise bei den BVB-Amateuren den Kasten hütet, bekam gerade noch die Fingerspitzen an den Ball und verhinderte so den entscheidenden – und zu diesem Zeitpunkt durchaus verdienten – Treffer.
Am Ende reichte es also wieder nicht zum Sieg für die Franken. Mit dem torlosen Unentschieden hat man zwar wieder nicht verloren, entscheidenden Boden konnte man jedoch ebenfalls nicht gut machen. Abzuwarten bleibt das Heimspiel der Bielefelder am Samstag gegen den VfL Bochum. Erst dann wird man sehen, was das Remis in Dortmund wirklich wert ist.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Mund abwischen

Es ist schon traurig: Wieder die bessere Mannschaft gewesen, wieder genug Torchancen für zwei Spiele gehabt und doch am Ende wieder nur ein Punkt.
Ein Unentschieden in Dortmund, welches bei normalem Saisonverlauf und halbwegs gesichertem Tabellenplatz sicherlich unter Punktgewinn abgehakt worden wäre. Mund abwischen und weiter geht’s. Wie schön wäre das… und ist es eben leider doch nicht. Die Schlachtrufe der Biene-Maja-Fans klingen auch drei Tage später noch in meinen Ohren: »Zweite Liga, Nürnberg ist dabei…«
Spätestens nach dem Arminen-Sieg gegen den VfL Bochum mögen die Lüdenscheider durchaus recht haben. Von nun an kann es ganz schnell gehen: Der Club vergeigt das Endspiel gegen Duisburg, weil die Zebras eben auch noch ihre Chance sehen und Bielefeld gewinnt bei noch immer meisterschaftsfeierbesoffenen Münchenern. Wenn dann noch die kampfstarken Cottbusser in Karlsruhe einen glücklichen Dreier holen, ist der Club am Mittwoch-Abend gegen 21.45 Uhr abgestiegen. Das einzig Tröstliche an diesem Horrorszenario: Wer in einem echten Endspiel zu Hause gegen Duisburg verliert, hat es dann auch nicht besser verdient.
In der Hoffnung, dass die Mannschaft dies weiß, schauen wir doch im Umkehrschluss einmal auf das Restprogramm der Beteiligten. Bielefeld muss noch nach München und nach Stuttgart. Unter normalen Umständen wären das null Punkte – wenn die Bauern nicht am gestrigen Sonntag schon die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht hätten. Auch Cottbus hat noch zwei Auswärtsspiele – allerdings mit Karlsruhe und Hannover zwei Gastgeber, für die die Saison bereits abgehakt ist. Dafür kommt beim letzten Energie-Heimspiel der Hamburger SV in die Lausitz. Auch nicht unbedingt ein Punktelieferant.
Der MSV Duisburg schließlich muss nach seinem Auftritt in Franken zu Hause noch gegen Bayern München ran und wird sich dann wohl in Frankfurt aus der Liga verabschieden. Da hilft auch ein Last-Minute-Tor am gestrigen Sonntag gegen Leverkusen nicht. Hansa Rostock lassen wir doch einfach mal außen vor, denn wer nicht absteigen will, muss andere Mannschaften auch auf Distanz halten können.
Viel Rechnerei also und letztlich doch alles Spekulation. Abstiegskampf hat immer seine eigenen Gesetze und lässt auch gerne den Tabellenletzten mal beim Meister gewinnen. Diese Ungewissheit allein macht schon rasend und wer dann noch einen Thomas von Heesen und einen Jan Koller in den eigenen Reihen hat, kann rein adrenalintechnisch mit jedem Extremsportler mithalten.
Nicht einmal 365 Tage nach dem Pokalsieg ist unser Club endlich wieder der Club. Thomas von Heesen fährt die arrogante Schiene und Jan Koller stellt sich in der Ex-Heimat selbst ins Abseits. Wer solche Leute unter Vertrag hat, kommt überhaupt nicht mehr dazu, sich über die Ligazugehörigkeit der nächsten Saison Gedanken zu machen.
Oder wie war das am letzten Donnerstag, Herr von Heesen, auf der Pressekonferenz? Immerhin zwei Siege aus vierzehn Spielen hat der Mann geholt. Respekt, Herr von Heesen. Bei solch einer Erfolgsbilanz kann man schon mal den Boden unter den Füßen verlieren. Den Klassenerhalt auch drei Spieltage vor Ende der Saison noch nicht in trockenen Tüchern, darf man natürlich auch schon mal ausflippen, wenn ein Journalist dumme Fragen stellt. Und sie bringen es ja auf den Punkt und haben ja auch vollkommen recht: Keiner von uns hat bisher in seinem Leben eine Mannschaft auf solch hohem Niveau trainiert wie Sie. Einzig, und das ist das Problem: Wir sehen dieses hohe Niveau nicht.
Auch sprechen sie von einer funktionierenden Mannschaft, die nur leider – und das muss ich an dieser Stelle leider anmerken – auch nach ihrer Wutrede wieder nicht gewonnen hat. Also bitte, Herr von Heesen: Eine simple Frage sei also auch in Zukunft gestattet – auch wenn sie von einem ahnungslosen Journalisten oder gar Fan kommt.
Denn ganz egal, was der Abstiegskampf auch für Geschichten schreibt, ganz egal auch, wie sehr sich Jan Koller inzwischen selbst über seine Feierei in der falschen Kurve ärgert – das Letzte, was wir nun in den nächsten eineinhalb Wochen gebrauchen können, sind sogenannte Nebenkriegsschauplätze. Und damit wären wir dann doch wieder beim oben bereits angesprochenen Mund abwischen. Die Mannschaft braucht in den letzten drei Partien die Unterstützung ihrer Fans – und nicht etwa irgendwelche Pfeifkonzerte, aufgrund im Eifer des Gefechts gemachter Fehltritte. Thomas von Heesen wird die taktische Finesse schon finden, mit der wir die Duisburger punktlos nach Hause schicken und Jan Koller wird zwei Treffer dazu beitragen. Denn im Moment – und wenigstens das ist keine Spekulation – hilft dem Club wirklich nur eine einzige Sache: Siegen !!!