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Was drei Knallkörper nicht vermochten, schaffte Petrus mit Links: Die Bundesliga-Partie zwischen dem Club und dem VfL Wolfsburg ist am späten Freitag-Abend beim Stande von 1:0 wegen unbespielbarem Rasen abgebrochen worden. Schiedsrichter Dr. Jochen Drees pfiff die Partie nach der Halbzeit nicht wieder an. Sinnflutartige Regenfälle hatten es den Aktueren schon in der ersten Hälfte schwer gemacht, den Ball zu kontrollieren. Flache Pässe kamen meist nicht an, weil der Ball in tiefen Pfützen einfach liegen blieb. Auch der Einsatz vieler Helfer in der Pause konnte das Spiel nicht retten. Der Rasen im Nürnberger Max-Morlock-Stadion konnte die Wassermassen, die aus dem Himmel fielen nicht mehr aufnehmen.
Für den Club ist der Spielabbruch in der Hinsicht ärgerlich, da man zur Halbzeit mit 1:0 führte. Und dass, obwohl die Partie schon in der elften Minute eine erste Schrecksekunde bot: Andreas Wolf hatte den Wolfburger Edin Dzeko gefoult und Schiedsrichter Drees zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Marcelinho trat an, doch der immer stärker werdende Jaromir Blazek im Clubtor konnte halten.
Mit zunehmender Dauer und stärker werdendem Regen bekam der Club das Spiel jedoch mehr und mehr in den Griff – zumindest soweit es die Platzverhältnisse zuließen. So halfen die Wetterbedingungen sicherlich auch beim 1:0 durch Ivan Saenko in der 35. Minute. Der Russe war von Jan Kristiansen frei gespielt worden und hatte einfach mal abgezogen. VfL-Keeper Diego Benaglio ließ die glitschige Lederkugel durch die Handschuhe gleiten und verhalf Saenko so zum ersten Saisontreffer.
Während das Wetter beim 1:0 noch geholfen hatte, verhinderte es in der 44. Minute jedoch auch eine höhere Führung für den Club. Zvjezdan Misimovic war alleine auf das Wölfe-Tor gestürmt und konnte den Ball auch am herausstürmenden Benaglio vorbeilegen. Sein Schuss verhungerte jedoch auf halbem Weg ins leere Tor in einer Pfütze.
Nach mehrmaliger Prüfung der Platzverhältnisse in der Halbzeit entschied sich Schiedsrichter Dr. Jochen Drees dann gegen 22.15 Uhr, das Spiel nicht fortzustetzen. Am Montag hat die DFL die Wiederholung der Partie auf Sonntag, den 20.04.08 um 15.00 Uhr angesetzt. Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Statuten aus der Steinzeit

Spielabbrüche sind immer eine Katastrophe und auch nur als allerletzter Weg zu sehen. So, oder so ähnlich, formulierte es ein pudelnasser Dr. Jochen Drees am Freitag Abend, nachdem auch die letzte Platzbegehung keine neuen Erkenntnisse gebracht hatte. Es kübelte weiter wie aus Eimern und der ansonsten tadellose Rasen im Max-Morlock-Stadion wusste einfach nicht mehr, wohin mit den Wassermassen. Auch die zahlreichen Helfer hatten sich redlich, doch letztlich umsonst gemüht. Herr Dr. Drees weigerte sich, das Spiel zwischen dem Club und dem VfL Wolfsburg wieder anzupfeifen.
Und mag man ihm mit der Feststellung, dass Spielabbrüche immer nur die letzte aller Möglichkeiten seien noch recht geben, mit der Einschätzung, der Platz im Frankenstadion sei absolut unbespielbar, stand er zwar nicht unbedingt allein da, so aber doch einer Minderheit vor. Nun mag man dem Schiedsrichter sein junges Alter zu Gute rechnen: Spiele auf Schnee hat der arme Kerl wahrscheinlich nie erlebt. Trotzdem sei die Frage erlaubt: Wo liegt denn bei Regen genau die Grenze? Pfeift man ab, weil der Ball ein, zwei oder gar drei Mal in einer Pfütze liegen geblieben ist? Oder pfeift man gar irgendwann in der Zukunft ab, weil es überhaupt regnet und die Gesundheit der Spieler auf dem Spiel steht, denn sie könnten sich ja eine Erkältung holen.
„Eine Angsthasenentscheidung“, nannte Ivan Saenko den Spielabbruch. Und in der ersten Enttäuschung direkt nach dem Spiel mag der Russe noch gar nicht geahnt haben, wie sehr er mit seiner Aussage den Nagel auf den Kopf trifft. Die Bedingungen waren schließlich für beide Teams die selben. So ist der Anfang nun gemacht. Das erste Spiel wegen Regens ist abgebrochen worden. Und wenn man nun heute schon nicht mehr auf Schnee spielt, spielt man eben in Zukunft auch nicht mehr bei Regen und wenn man sich dem Tennis schon so sehr anpasst, könnte man eigentlich die Stadionsprecher vor jedem Spielzug auch gleich „Quiet please !“ ausrufen lassen.
Doch während Dr. Drees die Statuten des DFB am Freitag relativ modern auslegte und eben das erste Regenspiel einfach mal abbrach, rieselt erst mit der Neuansetzung der Begegnung der wahre Kalk aus den steinalten Paragraphen. Das Spiel wird wiederholt – nicht etwa fortgesetzt beim Stande von 1:0 für den Club, sondern wiederholt. Dass Schiedsrichter Dr. Drees die erste Halbzeit als durchaus regulär genug angesehen hat, diese noch zu Ende spielen zu lassen… egal. Es geht beim Stande von 0:0 in der ersten Minute wieder los. Das Tor von Ivan Saenko zählt nicht und wird am Ende in keiner Statistik dieser Welt je geführt werden.
Und als sei das eleminierte Tor nicht Strafe genug: Die gelbe Karte von Andreas Wolf behält ihre Gültigkeit. Keine Ahnung, welcher betonköpfige Schlipsträger sich diese Regelung irgendwann einmal ausgedacht hat, doch bei vier weiteren gelben Karten sitzt Wolf eben wieder ein Spiel auf der Bank. Und die erste der vier Karten kann er sich dann gleich am Sonntag abholen – gegen den selben Gegner.
Apropos Wiederholungsspiel am Sonntag: Auf den Kosten, die eine solche Veranstaltung mit sich bringt, bleibt übrigens ganz allein der FCN hocken. Denn von Neueinnahmen kann bei erneut gültigen Eintrittskarten wohl kaum die Rede sein.
Dennoch darf der Club froh sein, dass die DFL das Spiel so kurzfristig wieder angesetzt hat. Das abgebrochene Spiel zählt nämlich auch zu den fünf Spielen Sperre, die ein gewisser Grafite im Moment wegen seiner roten Karte absitzt. Ach ja, und das Wiederholungsspiel am Sonntag zählt auch dazu. Da wiederum freuen sich dann bestimmt die Leverkusener. Normalerweise wäre Grafite gegen die Pillendreher noch gesperrt gewesen. Dem Regen sei Dank, darf Grafite gegen den direkten Konkurrenten um das internationale Geschäft wieder ran.
Herr Zwanziger, merken Sie eigentlich irgendetwas?