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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 27. Spieltag
[Samstag, 05.04.2008 – 15.30 Uhr] Eintracht Frankfurt – 1.FC Nürnberg 1:3 (1:1)

1:0 (3.) Michael Fink
1:1 (18.) Angelos Charisteas
1:2 (49.) Robert Vittek
1:3 (83.) Zvjezdan Misimovic

Kollektives Aufatmen beim Club: Man kann doch noch gewinnen und hat beim Auswärtserfolg in Frankfurt den ersten Sieg des Jahres 2008 eingefahren. Auch für Thomas von Heesen war es der erste Dreier als Club-Trainer.
Dabei begann auch das Spiel in Frankfurt denkbar ungünstig für den Club und sein Vorhaben, im Abstiegskampf den Anschluss nicht zu verlieren. Denn bereits nach zwei Minuten und 26 Sekunden zappelte der Ball im Netz der Clubberer. Ioannis Amanatidis hatte sich kämpferisch stark gegen Jaques Abardonado durchgesetzt und den Ball nach innen geflankt. Michael Fink stand halbrechts genau richtig, nahm die Flanke direkt und ließ Jaromir Blazek, der nach seinem starken Spiel gegen die Bayern erneut zwischen den Pfosten beim FCN stand, keine Chance.
Eine kalte Dusche direkt zu Spielbeginn, von der sich die Clubspieler zunächst nur schwer erholten. Die umgestellte Hintermannschaft (Spiranovic spielte für den gelb-gesperrten Andreas Wolf) wirkte in den ersten Minuten alles Andere als sicher und ließ der Eintracht oft zu viele Räume. So hatte Martin Fenin bereits in der achten Minute die große Chance für eine Art Vorentscheidung zu sorgen. Torschütze Fink hatte den Tschechen in Postion gespielt, doch der Schuss von Fenin landete am Nürnberger Außennetz.
Erst in der siebzehnten Minute dann die erste gute Aktion des Clubs und gleich eine hochkarätige Chance. Javier Pinola hatte sich auf der linken Seite in den Frankfurter Strafraum gespielt, den Ball zurück nach innen gespielt, wo Ivan Saenko seinen Schuss nur um Zentimeter am Gehäuse von Oka Nikolov vorbeisetzte.
Besser machte es dann nur eine Minute später Angelos Charisteas. Allerdings musste der Grieche in der 18. Minute nach hervorragender Vorarbeit von Zvjezdan Misimovic auf der linken Seite auch nur noch aus kurzer Entfernung einschieben.
In der 29. Minute unterbrach Schiedsrichter Peter Gagelmann das Spiel. Nach mehreren gezündeten Feuerwerkskörper aus dem Nürnberger Fanblock, war nun eine Leuchtfackel auf dem Spielfeld gelandet. Das besonnene Verhalten aller Verantwortlichen und die gute Zusammenarbeit von Schiedsrichter, Polizei, sowie von Club- und Eintracht-Funktionären ließ die Begegnung nach einer gut zwanzig minütigen Unterbrechung doch noch zu einem regulären Ende kommen.
Nach der unfreiwilligen Spielpause kam zunächst die Eintracht besser wieder ins Spiel. So musste in der 36. Minute Javier Pinola den Ball für seinen schon geschlagenen Keeper Blazek von der Linie kratzen. Wieder war es Torschütze Michael Fink, der nach langem Pass von Patrick Ochs die Clubabwehr in Bedrängnis gebracht hatte.
Schließlich ging es doch mit dem Unentschieden in die – dieses mal – reguläre Pause nach 45 Minuten. Den besseren Start in der zweiten Halbzeit erwischte der Club. Misimovic hatte eine Ecke von der linken Seite hereingegeben. Nikolov konnte nur abklatschen und die Frankfurter Hintermannschaft bekam den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Robert Vittek stand schließlich richtig und erzielte in der 49. Minute das 2:1 für die Gäste. Es war der erste Saisontreffer von Vittek. Zuletzt hatte der Slowake beim 2:2 in der Rückrunde der letzten Saison gegen – richtig – Eintracht Frankfurt getroffen.
In der Folgezeit entwickelte sich nun ein abwechslungsreiches Spiel in beide Richtungen. Während Frankfurt das spielerische Heft in der Hand hielt, blieben die Clubberer die kämpferisch bessere Mannschaft und setzte mit feinen Kontern immer wieder Ausrufezeichen. In der 62. Minute wurde Angelos Charisteas in letzter Sekunde von Aleksandar Vasoski abgelaufen und nur eine Minute später stockte den Clubfans auf der anderen Seite der Atem. Michael Fink hatte in den Clubstrafraum geflankt, Marco Russ aus kürzester Distanz aufs Tor geköpft und Amanatidis den Abpraller vom glänzend reagierenden Blazek über die Linie gedrückt. Allerdings stand der Sturmpartner von Angelos Charisteas in der griechischen Nationalelf im Abseits, so dass das Tor von Schiedsrichter Gagelmann nicht gegeben wurde.
In der 70. Minute wechselte Thomas von Heesen Marek Mintal für Ivan Saenko ein und sieben Minuten später hatte der Slowake die große Chance auf dem Fuss, für die Vorentscheidung zu sorgen. Nach mustergülitgem Pass des erneut überragenenden Misimovic schlenzte Mintal den Ball in der 77. Minute aus etwa 20 Metern an die Latte des Eintracht-Gehäuses. Nikolov hätte keine Abwehrchance gehabt.
Besser machten es Mintal und Misimovic dann in der 83. Minute – wenn auch mit veränderten Rollen. Dieses Mal hatte sich Mintal gut durchgesetzt und auf der rechten Seite den Überblick behalten. Seine Hereingabe konnte Misimovic im Fallen zum 3:1 verwandeln.
Der Widerstand der Frankfurter war mit dem Treffer endgültig gebrochen. Es passierte nichts mehr auf dem Rasen und wie wichtig der Sieg für den Club war, zeigte am Ende ein Blick auf die anderen Ergebnisse. Wäre das Spiel in Frankfurt verloren gegangen, wären es jetzt schon fünf Punkte zum rettenden Ufer. So hat man nun mit zwei Punkten Rückstand am nächsten Freitag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg die Chance, die Abstiegsplätze zu verlassen.
Der Kampf um den Klassenerhalt geht weiter, doch die Zeichen, die die Mannschaft im Moment aussendet, stimmen hoffnungsvoll. Nach der starken Leistung gegen die Bayern ließen die Männer von Thomas von Heesen erstmals in dieser Saison auch im folgenden Spiel eine gute Leistung folgen. Der Club ist nun seit drei Spielen ungeschlagen.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Den Ball flach halten

Als Zyniker könnte man behaupten, die Fans des FCN haben am Samstag ihrer Mannschaft einmal so richtig Feuer unterm Hintern gemacht. Erst drei Hallo-Wach-Knaller, dann die brennende Fackel zur Erleuchtung des Weges zum ersten Sieg im Jahre 2008.
Und wer den Zynismus letztlich auf die Spitze treiben möchte, wird sich auch den Hinweis nicht verkneifen können, dass der Club doch selbst Schuld sei: Hätte die Mannschaft nicht wochen- und monatelang so hilflos rumgegurkt, wären die Fans nicht so sauer gewesen und hätten sich einen derart unsinnigen Kanal zur Frustbewältigung nicht gesucht.
Die Gratwanderung bleibt schwierig, denn schließlich gibt es nur ein einziges Fußballspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem Club in der Rückrunde 2007/2008. Und kein Mensch kann sagen, mit welchem Ergebnis das Spiel geendet wäre, hätte es die Vorfälle auf den Rängen nicht gegeben.
Dieser Text soll nun keinesfalls ein Plädoyer für hirnlose Vollidioten werden, die für ihren Frust kein anderes Mittel als Feuerwerkskörper finden. Denn bei aller Schönheit kontrolliert abgefackelter Bengalfeuer; die Dinger sind scheißgefährlich, wenn sie in die falschen Hände geraten.
Gleichzeitig macht die Art und Weise, wie sich vor allem mal wieder die Boulevardpresse auf die Vorfälle in Frankfurt gestürzt hat, schon nachdenklich. Allein bei der BILD-Zeitung finden sich zum Club-Spiel acht Artikel – zwei davon befassen sich mit dem Spiel, die restlichen breiten die Vorfälle in einer epischer Breite aus, dass gerade hirnlose Idioten sich groß und mächtig vorkommen müssen.
»Mein Tribünen-Nachbar floh mit seinem Sohn«, heißt es da bei der BILD. Was hätte er auch sonst machen sollen? Seinen Sohn zurücklassen? Und wie heißt es da weiter: „Ich, der BILD-Reporter, habe die Krawalle im Nürnberger Fan-Block nur wenige Meter entfernt hautnah miterlebt.“ Welche Krawalle? Und was heißt hautnah und nur wenige Meter entfernt? Was hat ein BILD-Reporter überhaupt im Nürnberger Block zu suchen?
Leute, Leute, denkt doch mal nach… totschweigen hat sicher auch keinen Sinn, doch Herrn Roth nun auch noch als Helden des Fußballs hinzustellen, der sich unter Lebensgefahr vor die eigenen Fans schmeißt, um den Club doch noch siegen zu sehen, geht entschieden zu weit.
Das so oft in den letzten Tagen herangezogene Beispiel Italien sollte doch Warnung genug sein. Man darf diesen Chaoten nicht auch noch das Forum bieten, welches sie sich genau durch solche Aktionen erhoffen. Wehret den Anfängen, schön und gut, doch dafür hat der DFB seine Instanzen und wird die Unbelehrbaren mit Sicherheit nach allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Rechenschaft ziehen. Auch der Club wird seine Strafe erhalten, genau wie die Eintracht, weil die Böller überhaupt ins Stadion kamen.
Und genau deshalb ist es der falscheste Weg, wegen drei Knallkörpern und einer Leuchtfackel den Untergang der abendländischen Fußballkultur zu befürchten. Diese Befürchtung kann dann nämlich auch ganz schnell nach hinten los gehen. Ein kurzer Blick über den Kanal kann da helfen, wo sich eingeschleuste BILD-Reporter inzwischen per SMS bei der Stadionleitung beschweren können, wenn ihr Sitznachbar den Sohn mit ins Stadion bringt und trotzdem zu laut jubelt.