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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 25. Spieltag
[Samstag, 22.03.2008 – 15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – VfL Bochum 1:1 (1:1)

0:1 (5.) Stanislav Sestak
1:1 (9.) Zvjedan Misimovic

Wenn es nicht so traurig wäre, würde es langsam langweilig werden. Der Club kommt auch im vierten Heimspiel der Rückrunde nicht über ein Unentschieden hinaus und wartet im Kalenderjahr 2008 weiterhin auf den ersten Sieg. Gegen den VfL Bochum gab es ein gerechtes 1:1.
Dabei begann die bereits zum Abstiegsendspiel hochstilisierte Begegnung äußerst unglücklich für die in der Pflicht stehenden Clubberer. Christoph Dabrowski hatte schon nach fünf Minuten die erste Schwachstelle in der FCN-Hintermannschaft ausgemacht und seinen Teamkollegen Stanislav Stestak mit einem genialen Steilpass in Richtung Daniel Klewer auf die Reise geschickt. Glauber konnte dem Slowaken im Bochumer Trikot nicht ansatzweise folgen und so führte der VfL Bochum bereits nach 300 Sekunden mit 1:0.
Zum Glück brauchte der Club nur gefühlte 30 Sekunden, ehe er sich von dem Schock erholte. Mit der leidvollen Erfahrung vieler unnötiger Rückstände, brauchten die Männer von Thomas von Heesen nicht viel länger als einen Mundabwischer, ehe die Gegenangriffe in Richtung Bochumer Tor gefahren wurden. Ivan Saenko vergab die erste Chance in der siebten Minute jedoch mit einem mutigen Volleyschuss. Neben Saenko zeigte in dieser Phase vor allem Robert Vittek ein ums andere Mal, was mit Technik und Schnelligkeit machbar ist. Der Slowake hatte sich auch in der neunten Minute sehr gut auf der rechten Außenbahn durchgesetzt und den klugen Ball nach hinten zu Saenko gegeben. Der Russe zog den Ball nach innen, wo Jan Koller zwar zunächst verpasste, Zvjezdan Misimovic jedoch am langen Pfosten zum Ausgleich traf. Für den Bosnier war das Tor gegen seinen Ex-Klub bereits der achte Saisontreffer.
Nach den beiden frühen Toren entwickelte sich im Max-Morlock-Stadion ein interessanter Schlagabtausch zweier Mannschaften, die sich auf Augenhöhe begegneten. Saenko zog in der 22. Minute von halbrechts ab, VfL-Torhüter Jan Lastuvka hatte seine liebe Mühe und konnte den Ball gerade noch so abfälschen, dass er am langen Pfosten vorbei flog. Nur eine Minute später musste Jaouhar Mnari das Spielfeld verletzt verlassen. Für den Tunesier kam Dominik Reinhardt, der das erste Mal in dieser Saison nicht in der Startelf gestanden hatte und zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht ahnen konnte, dass es für ihn nur zu einen Kurzeinsatz reichen sollte. Denn kaum 90 Sekunden und nur ein Flanke später, musste der junge FCN-Dauerläufer das Feld mit Problemen im Oberschenkel schon wieder verlassen. Für ihn kam Jan Kristiansen, der nach Flankenlauf von Torschütze Sestak in der 31. Minute vor dem heranstürmenden Benjamin Auer in höchster Not retten konnte.
Kurz vor der Pause noch einmal der Club. Thomas Galasek hatte den starken Robert Vittek in die Tiefe geschickt. Nachdem der slowakische Nationalspieler jedoch zwei Bochumer Verteidiger ausgetanzt hatte, fehlte ihm beim Abschluß in der 43. Minute schließlich die Kraft und sein Schuß mutierte unfreiwillig zum Kullerball.
Nach der Pause schienen beide Teams ihre Enschlossenheit in der Kabine gelassen zu haben. Sowohl der Club als auch Bochum waren in erster Linie darum bemüht, das zweite Gegentor zu verhindern und so wurde der Raum schon im Mittelfeld zusehends enger. Das Ganze wirkte über lange Phasen wie Angsthasenfussball und erst ein Kopfball von Glauber in der 69. Minute ließ die Hoffnung der Clubfans auf einen Dreier im eigenen Stadion wieder erwachen. Zwei Minuten später sorgte Saenko mit einem Schuss aus spitzem Winkel noch einmal für Gefahr.
Zehn Minuten vor Schluss brachte FCN-Trainer Thomas von Heesen Marek Mintal für den ausgelaugten Robert Vittek. Für Viele kam der Wechsel zu spät, doch Mintal sollte in der 87. Minute die größte Clubchance der zweiten Hälfte auf dem Schlappen haben. Nach gutem Pass von Koller kam der Slowake aus ca. 16 Metern frei zum Schuß, verzog jedoch knapp. Es blieb also schließlich bei der Punkteteilung, über die sich die Bochumer durchaus freuen konnten. Ob das Unentschieden für den Club ein Punktgewinn oder ein Punktverlust ist, wird sich wohl erst am 34.Spieltag wirklich zeigen.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Nicht nur der Club ist ein Depp

Es klang schon nach der Leverkusen-Pleite wie das hilflose Pfeifen im Walde. Rumpelstilzchen hüpfe um das sterbende Feuer und forderte ein Ende des Larifari-Fussballs. Es wurde schließlich auch Zeit, dass der Herr Präsident sich endlich mal zu Wort meldet. Gebracht haben indes auch diese Worte nichts. Wer ein Endspiel nur unentschieden spielt, läuft Gefahr, das Elfmeterschießen zu verlieren.
Und weil Worte in der verfahrenen Situation des Clubs offenbar nicht mehr helfen, haben sich die Ultras Nürnberg eben gedacht, sie schweigen mal für ein paar Minuten. Über Sinn und Unsinn solcher Aktionen mag man vortrefflich streiten können. Über Sinn und Unsinn der Durchführung des Support-Streiks am Samstag gegen Bochum kann es nur eine Meinung geben: Dilettantisch und inkonsequent wie das Geschehen auf dem grünen Rasen. Ein paar Flyer verteilen und schon wird die Nordkurve, wird das ganze Stadion verstummen. Schließlich sind sie ja die Ultras und haben die Weisheit des Fantums mit Löffeln gefressen.
Ich betone noch einmal: Soll jeder, der denkt, er müsse die Mannschaft nicht mehr unterstützen, dies auch sein lassen. Die Entscheidung steht einem Jedem genauso frei, wie die Entscheidung ins Stadion zu gehen oder zu Hause zu bleiben. Und ich werde mich hüten, nun eine Lanze für die Schwachköpfe aus Block 10 und 12 zu brechen, die das ganze Jahr das Maul nicht aufbekommen und dann beim Support schon an den einfachsten Textzeilen scheitern.
Doch wenn schon, liebe Ultras, dann doch bitte richtig und nicht so halbherzig und mal eben aus dem Ärmel geschüttelt. Was Halbherzigkeit bringt, sehen wir im Moment leider jedes Wochenende wieder auf dem Spielfeld. Und was Eure halbherzige Aktion am Samstag gebracht hat, merkt man vor allem, wenn man sich die Fernsehaufzeichnung vom Bochum-Spiel ansieht: Nämlich gar nichts.
Also, wenn schon Boykott, dann richtig: Stumm bleiben und sich das Gegurke trotzdem ansehen, ist in etwa so konsequent wie: Ich kaufe die BILD-Zeitung nicht, leihe sie mir aber jeden Morgen bei einem Kollegen aus. Leute, wenn schon Boykott, dann wenigstens Block zu. Alles andere wirkt lächerlich, kommt nicht rüber und bietet vor allem Angriffsflächen. Oder glaubt ihr, die Sitzplatz-Vollpfosten aus Block 10 und 12 hätten auch nur ein Wort rausgebracht, wenn ihr nicht im Block gestanden hättet? Wen hätten sie denn dann noch provozieren können? Wir sind uns doch einig, dass es diesen Fönverband-Damen und Herren nicht um den Support der Mannschaft ging.
Traurig genug, dass in einer Situation, in der der Club zwar unbestritten grottenschlecht auftritt, jedoch weiterhin nur einer von vier oder fünf Unfähigen ist, dass in einer solchen Situation also, in der durchaus noch reele Hoffnung besteht, die angeblich besten Fans der Welt nun langsam anfangen, sich selbst zu zerfleischen. Traurig genug, dass auch viele sogenannte Fans die Hoffnung nach eigenem Bekunden längst aufgegeben haben. Traurig genug auch, dass es sogar Stimmen gibt, die sich den Abstieg wünschen, weil ein Spiel vor 12.000 Zuschauern gegen Wehen-Wiesbaden angeblich stimmungsvoller ist, als eine Bude voller Erfolgsfans bei 45.000 gegen Lissabon. Ja, mich macht es traurig zu sehen, dass nicht nur der Club ein Depp ist, sondern offensichtlich auch ein Großteil seiner Anhänger.