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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 21. Spieltag
[Samstag, 01.03.2008 – 15.30 Uhr] Hannover 96 – 1.FC Nürnberg 2:1 (1:0)

1:0 (29.) Arnold Bruggink
1:1 (52.) Zvjezdan Misimovic
2:1 (65.) Szabolcs Huszti

Thomas von Heesen kann auch im fünften Spiel unter seiner Leitung keinen Sieg mit dem Club verbuchen. Das Kurztrainingslager in Marienfeld verpufft in der Luft und bringt nicht die erhoffte Wirkung. Der Club begann in der AWD-Arena mit stark defensiver Aufstellung. Neben Thomas Galasek liefen mit Jaouhar Mnari und Peer Kluge gleich zwei weitere defensive Mittelfeldspieler auf. Auf der rechten Seite durfte Ivan Saenko nach seiner gelb-rot Sperre wieder stürmen. Marco Engelhardt und Marek Mintal mussten zunächst auf der Bank Platz nehmen.
Entsprechend den Negativserien, die beide Vereine mit ins Spiel brachten, begann die Partie in Hannover zunächst sehr schleppend. Beiden Teams war die Unsicherheit deutlich anzumerken. So dauerte es fünfzehn Minuten, ehe es zur ersten Torchance des Spiels kam. Mike Hanke hatte eine Flanke in Richtung Clubtor geköpft und für den bereits geschlagenen Jaromir Blazek musste der Pfosten retten. Eine Viertelstunde später lag der Club dann plötzlich zurück. Das Spiel hatte sich bis dahin nicht wirklich gebessert und Torraumszenen waren in der ersten halben Stunde nicht existent. In der 29. Minute hatte Blazek eine Flanke mit den Fäusten in die Mitte abgewehrt. Aus dem Hintergrund schoss Arnold Bruggink platziert ins linke, obere Eck und ließ dem Tschechen im Clubtor keine Chance. Hannover zog sich mit der Führung noch weiter in die eigene Hälfte zurück, doch der Club blieb harmlos. Torchancen in der ersten Halbzeit auf Seiten der Franken: Fehlanzeige.
Dementsprechend reagierte Trainer Thomas von Heesen in der Pause und brachte Zvjezdan Misimovie für Mnari und Robert Vittek für Angelos Charisteas. Der Slowake feierte sein lang ersehntes Comeback nach langer Verletzungspause. Die beiden Joker auf Clubseite stachen, denn die ersten Minuten der zweiten Halbzeit gehörten eindeutig den Gästen. In der 52. Minute tankte sich Dominik Reinhardt auf der rechten Seite durch und flankte den Ball nach innen. Jan Koller legte den Ball mit dem Kopf klug ab und Misimovic traf mit einem strammen Schuss aus kurzer Entfernung. Nur drei Minuten später hatte Vittek sogar das 2:1 auf dem Fuß. Sein Schuss nach einer Flanke von Peer Kluge ging jedoch weit über das Tor.
Umso überraschender dann der zweite Treffer für Hannover 96. Hanno Balitsch zog ab, doch sein Ball wurde abgefälscht und somit zu unfreiwilligen Steilpassvorlage für Benjamin Lauth. Blazek kam zu spät und Lauth legte den Ball im Strafraum quer in die Mitte zu Szabolcs Huszti. Der Ungar hatte keine Mühe, den Ball ins leere Tor zu schieben. Nach dem erneuten Rückstand fiel den Männern von Thomas von Heesen nicht mehr viel ein. Die Franken reagierten nur noch, statt zu agieren und konnten letztlich froh sein, dass sie nicht auch das dritte Tor noch kassierten. Möglichkeiten dazu hatten sowohl Mike Hanke (72.) als auch Lauth (77.) und Balitsch (79.) noch.
Kurz vor Schluss reagierte dann Thomas von Heesen noch einmal. Die Einwechselung von Marek Mintal in der 85. Minute kam jedoch zu spät und zeigte keine Wirkung mehr. Der Club blieb also auch im achten Auswärtsspiel in Folge ohne dreifachen Punktgewinn und belegt in der Tabelle mit 17 Punkten weiterhin einen Abstiegsplatz. Der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt nach dem Punktgewinn von Arminia Bielefeld bei Hansa Rostock nun zwei Punkte. Am kommenden Wochenende gastiert am Sonntag der Hamburger SV in Nürnberg.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Lethargie im Abstiegskampf

Was ist nur los? Was soll man noch machen? Gibt es überhaupt noch Hoffnung? Warum tue ich mir als Fan das überhaupt noch an? Es ist zum Verzweifeln. Tausende Fragen, ratlose Gesichter und ein wütendes Grüppchen im Fanblock, welches das Lied von der Schnauze voll anstimmt. Gebetsmühlenartig möchte man wiederholen: Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Und doch bekommt man immer mehr das Gefühl, sich selbst das Pfeifen im Walde beizubringen.
Der Club hat am Samstag in Hannover nicht wie ein Abstiegskandidat gespielt. Er hat gespielt, als sei er längst abgestiegen; als sei die Konkurrenz bereits meilenweit enteilt. Von Kampf, von Aufbäumen – keine Spur. Zwanzig Minuten Schönspielerei, weil der Gegner es schleifen lässt und dann mit dem möglichen Unentschieden schon wieder zufrieden.
Fast scheint es mir, dass die Jungs ein ganz grundlegendes Prinzip noch nicht verstanden haben. Nur weil die anderen Kellerkinder eine Klatsche nach der Anderen kassieren, heißt das noch lange nicht, dass man selbst auch jedes Spiel herschenken muss. Kein Mensch würde etwas dagegen sagen, wenn es ausgerechnet der Club wäre, der sich dort unten mal absetzt. Kein Mensch hat gesagt, dass man mit dem Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag warten muss.
Ich kann und will es nicht mehr hören. Egal, wen man fragt: Der Club gehört dort unten eigentlich gar nicht rein. Von der Besetzung der Mannschaft her sind die für einen Abstieg eigentlich viel zu stark. Schnauze! Wer so spielt, wie der Club in der ersten Halbzeit am Samstag in Hannover, der gehört sehr wohl dahin, wo er jetzt steht. Wer so spielt, kann sogar froh sein, dass die anderen es nicht besser hinbekommen und nicht schon längst davon gezogen sind.
Der Kredit beim Publikum ist verspielt. Die Fans reagieren inzwischen auf den kleinsten Fehler sauer. Es ist das brutale Fussballgeschäft, welches hier zum Tragen kommt. Gestern noch Pokalheld, heute Abstiegsdepp.
Die erhoffte Wirkung des Trainerwechsels ist spätestens mit der Hannover-Pleite völlig verpufft. Hat man den Clubspielern in den ersten Spielen unter Thomas von Heesen wenigstens noch ein gewisses Engagement nicht absprechen dürfen, humpeln die ehemaligen Pokalhelden inzwischen wieder über den Platz, als sei Hans Meyer nur mal kurz im Urlaub. Mit Verlaub: Zwei Unentschieden bei fünf Spielen hätte der angeschlagene Trainergott auch noch hinbekommen.
Was nun also einzig noch zählt, sind Erfolge. Der Worte sind genug gewechselt und der schärfer werdende Umgangston hilft weder den Fans, noch dem Trainer oder der Mannschaft. Punkte müssen her, Siege – und zwar egal gegen welchen Gegner. Drei Heimsiege gegen Bochum, Bielefeld und Duisburg reichen mit Sicherheit nicht mehr zum Klassenerhalt. Wir brauchen die Bigpoints und zumindest zu Hause müssen die Punkte nun festgehalten werden – egal, wie der Gast heißt.
Ansonsten hilft zwar der Strohhalm, dass es ja auch weiterhin nur zwei Punkte zum rettenden Ufer sind, doch selbst der beste Strohhalm geht irgendwann kaputt.
Im Moment herrscht in den Abstiegsregionen noch die Ruhe vor dem Sturm. Im Gleichschritt wird hier mal ein Punkt geholt, dort mal ein Punkt und im Großen und Ganzen wird einträchtig verloren. Für drei von fünf Teams wird es am Ende der Saison heißen: Du spielst nächstes Jahr in der zweiten Liga. Die beiden Teams, die die Lethargie als erstes ablegen können und über den Kampf zu Punkten kommen, werden am Ende mit Schweißperlen auf der Stirn auf den Rängen 14 und 15 stehen. Es wäre doch schön, wenn der Club eines dieser beiden Teams wäre und die Lethargie schon am Sonntag gegen den HSV ablegen würde.