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UEFA-Pokal 2007/2008, Zwischenrunde – Rückspiel
[Donnerstag, 21.02.2008 – 21.00 Uhr] 1.FC Nürnberg – Benfica Lissabon 2:2 (0:0)

1:0 (58.) Angelos Charisteas
2:0 (66.) Ivan Saenko
2:1 (89.) Oscar Cardozo
2:2 (90.) Angel DiMaria (90.)

So brutal kann Fußball nur beim Club sein. Mit einem Bein bereits im Achtelfinale reißt ein spätes Gegentor die Fans aus allen weiteren Träumen nach internationalen Auswärtsfahrten. Dabei wäre ein Weiterkommen selten so verdient gewesen, zeigten die ganz in schwarz gekleideten Clubberer vor allem in der zweiten Halbzeit eines ihrer besten Saisonspiele.
Wie nach dem knappen Ergebnis des Hinspiels zu erwarten begann beide Mannschaften zunächst abwartend und vor allem darauf bedacht, kein Gegentor zu bekommen. Leichte Bemühungen Benficas, eventuell ein frühes Auswärtstor zu erzielen, kann man eigentlich nicht wirklich als solche bezeichnen. Die beste Chance hatte Maxi Pereira mit seinem Schuss bereits nach vier Minuten. Mehr und mehr bekam der Club dann jedoch sowohl die eigenen Nerven als auch Ball und Gegner Mitte der ersten Halbzeit in den Griff und trug erste gezielte Angriffe vor. Früh hatte man das Gefühl: Da geht heute was. Vor allem Portugiesenschreck Angelos Charisteas stand dabei immer wieder im Mittelpunkt. Zunächst klärte Benfica-Keeper in der 30. Minute in höchster Not gegen den heranstürmenden Griechen. Nur fünf Minuten später setzt sich Charisteas gegen zwei Abwehrsüieler durch, wurde für seinen beherzten Schuß jedoch nur mit einem Eckball belohnt.
In der 40. Minute dann die größte Chance für den Europameister aus Griechenland. Fast sah das Ganze aus wie eine Kopie der beiden späten Treffer gegen Alkmaar. Der quirlige und gut aufgelegte Ivan Saenko war auf der rechten Seite von Jan Koller in Szene gesett worden und hatte den Ball scharf nach innen gezogen. Charisteas geriet in der Mitte jedoch in leichte Rücklage, so dass sein Schuss aus wenigen Metern knapp über das Benfica-Gehäuse strich.
Zwei Minuten später traute sich dann auch Benfica einmal aus der eigenen Hälfte und auch hier war es ein Grieche, der für Gefahr sorgte. Kostas Katsouranis schloß den Angriffszug mit einem Schuß aus rund 20 Metern halbrechter Position ab, verfehlte das Clubtor jedoch um einen halben Meter. Es sollte die letzte und einzige Torchance für Benfica für lange, lange Zeit bleiben.
Das letzte Wort vor dem Pausentee hatte trotzdem der Club. Dieses Mal hatte sich Marco Engelhardt auf der linken Seite schön durchgesetzt und den Ball flach in die Mitte gegeben. Den Schuss von Ivan Saenko aus dem Hintergrund konnten die Portugiesen jedoch abblocken. Der Ball kam zurück zu Saenko, der den nächsten Angriff sofort einleitete. Mitten in diese Bemühungen pfiff Schiedrichter Bebek aus Kroatien zur Halbzeit. Sehr unglücklich, denn die Benfica-Abwehr stand in diesen Sekunden alles Andere als sicher.
In der zweiten Hälfte spielte dann nur noch ein Mannschaft: Der Club. Angriff um Angriff wurde nach vorne getragen und mehr und mehr näherte man sich dabei dem Torerfolg. Thomas Galasek eröffnete den Reigen in der 57. Minute mit einem Freistoß aus gut zwanzig Metern. Sein Schuß landete jedoch in den Armen von Torhüter Quim. Nur eine Minute später war der Bann dann jedoch gebrochen. Jaouhar Mnari schickte Angelos Charisteas auf halbrechter Position steil. Der Grieche hatte plötzlich nur noch Benfica-Torhüter Quim vor sich und schob dem Torhüter den Ball zwischen den Beinen zur inzwischen hochverdienten Führung ein. Bei diesem Spielstand hätte es nach neunzig Minuten Verlängerung gegeben, doch der Club wollte mehr und spielte weiter nach vorne.
Javier Pinola scheiterte in der 64. Minute mit seinem beherzten Schuss noch am Innenpfosten, von wo der Ball zurück ins Feld sprang, doch wieder nur eine Minute später brachen im Max-Morlock-Stadion alle Dämme. Ivan Saenko nutzte auf der linken Seite eine Unachtsamkeit von Benfica-Verteidiger Luis Filipe, umspielte kaltschnäuzig auch noch Torhüter Quim und schob zur 2:0-Führung ein. Mit diesem Ergebnis stand der Club im Achtelfinale und wenn man den nun natürlich frei aufspielenden Clubberern an diesem Abend überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann den, dass sie es nun versäumten, den dritten Treffer nachzulegen.
Denn natürlich erhöhte Benfica nun die Schlagzahl und war um den Anschluß bemüht, doch wirklich zwingende Aktionen gab es nicht. Der Club stand sicher in der Hintermannschaft und vor allem die beiden Innenverteidiger Glauber und Adreas Wolf strahlten Ruhe und Selbstbewusstsein aus, wie man es lange nicht gesehen hatte. Was nun fehlte, war der Drang nach vorne. Angriffe wurden verschleppt und nur noch mit halber Kraft nach vorne getragen. Dabei hätte man bei drei eigenen Toren sogar ein Gegentor ohne weitere Konsequenzen hinnehmen können.
Doch bei aller Unruhe, die einem als Clubfan ja quasi mit der Muttermilch mitgegeben wird, wuchs mit der Zeit auch die Hoffnung, dass es gut gehen könnte. Der Club stand sicher, Benfica wirkte harmlos und bei den eigenen Bemühungen vor allem oft hilf- und ideenlos.
Wenige Sekunden vor Ablauf der neunzigsten Spielminute dann die Katastrophe. Im Club-Strafraum war es unübersichtlich geworden, Glauber schoß Jan Koller an, der Ball landete schließlich vor den Füssen von Oscar Cardozo, der aus halblinker Position unhaltbar ins lange Eck abzog. Es stand nur noch 2:1 und mit diesem Ergebnis war der Club ausgeschieden.
Da halfen auch die vier Minuten Nachspielzeit nichts mehr, da half auch nicht, dass der Club nun natürlich alles nach vorne warf und sogar noch einmal zu einer Torchance kam. Und da machte es auch nichts, dass die aufgerückten Clubberer schließlich sogar noch das zweite Gegentor durch Angel di Maria kassierten. Der so sichere Sieg hatte sich innerhalb weniger Minuten in eine Unentschieden-Niederlage verwandelt.
Die Europa-Tournee des Club ist also beendet und die 42.000 Zuschauer dankten der Mannschaft für die vielen schönen Stunde auf internationalem Parkett mit minutenlangem Applaus nach dem Spiel. Einen Einzug in die Zwischenrunde hätten vor Saisonbeginn sicherlich die Wenigsten erwartet und so überwiegt mit ein wenig Abstand doch die Freude über die vielen, schönen Auslandsauswärtsspiele. Der Club kann sich nun für den Rest der Saison voll und ganz auf den Abstiegskampf konzentrieren und mit Leistungen wie an diesem Donnerstag in der zweiten Halbzeit muss sich die Mannschaft von Thomas von Heesen vor keinem der direkten Abstiegskonkurenten verstecken. Und gegen Cottbus am Sonntag würde ein 2:1 schließlich für drei Punkte reichen und ein 2:2 in der 94. Minute mit Sicherheit nicht fallen.