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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 20. Spieltag
[Samstag, 16.02.2008 – 15.30 Uhr] Werder Bremen – 1.FC Nürnberg 2:0 (1:0)

1:0 (30.) Markus Rosenberg
2:0 (81.) Ivan Klasnic

Keine 48 Stunden nach der Niederlage im UEFA-Cup in Lissabon war für den Club auch in Bremen nichts zu holen. Beim Liga-Debüt als Club-Trainer erlebte Thomas von Heesen die siebte Nürnberger Auswärtsniederlage in der Bundesliga in Folge. Dabei wäre gegen schwache Bremer vielleicht sogar ein Punkt möglich gewesen, doch die Rot-Schwarzen schwächten sich zu früh selbst und mussten siebzig Minuten in Unterzahl spielen. Ein Ding der Unmöglichkeit mit dem UEFA-Cup-Spiel noch in den Knochen.
Trainer von Heesen musste an der Weser ohne seinen Kapitän Thomas Galasek auskommen, der gegen Rostock seine fünfte gelbe Karte gesehen hatte. Für den Tschechen spielte Jaouhar Mnari das erste Mal seit dem Afrika-Cup wieder von Beginn an. Auch Jan Kristiansen war ins Team gerutscht und ersetzte Marco Engelhardt. Der Däne zeigte jedoch eine ähnliche Anfangsnervosität wie Engelhardt am Donnerstag in Lissabon und leitete mit einem Fehlpass bereits nach vier Minuten Bremens erste Torchance ein. Aaron Hunt setzte seinen Schuß aus zwanzig Metern jedoch knapp am Club-Gehäuse vorbei.
Auch bei der nächsten Gelegenheit in der 12. Minute stand Kristiansen im Mittelpunkt. Dieses Mal jedoch auf der anderen Seite – vor dem Kasten von Werder Bremen. Nicky Adler war von Ivan Saenko mustergültig die rechte Außenbahn hoch geschickt worden und zog den Ball scharf nach innen. Dort verstolperte Kristiansen frei stehend die Nürnberger Führung.
Nach zwanzig Minuten musste sich dann Ivan Saenko verabschieden. Der Russe hatte in der siebzehnten Minute wegen Foulspiel die gelbe Karte gesehen und stellte sich nun Daniel Jensen in den Weg, um ihn an der Ausführung eines Freistoßes zu hindern. Saenko sah für diese dumme Unsportlichkeit von Schiedsrichter Florian Meyer die zweite gelbe Karte und somit Gelb-Rot. Natürlich musste Thomas von Heesen reagieren und bereits in der 27. Minute den bis dahin guten Nicky Adler vom Platz nehmen. Für ihn kam Marco Engelhardt. Drei Minuten später leistete sich der sonst so sichere Andreas Wolf einen Bock. Er unterschätzte eine lange Hereingabe von Jensen und statt den Ball auf die Tribüne zu dreschen, verstolperte er die Lederkugel und leistete somit unfreiwillig die optimale Vorlage für Markus Rosenbergs 1:0. Der Schwede hatte aus kurzer Distanz keine Mühe Jaromir Blazek zu überwinden.
Nach dem Rückstand zog der Club sich tief in die eigene Hälfte zurück und war fast ausschließlich mit Schadensbegrenzung beschäftigt. Hugo Almeida versuchte es in der 44. Minute noch einmal mit Gewalt und zog aus 25 Metern ab. Der Schuß flog knapp über das FCN-Gehäuse. Im Gegenzug setzte sich Dominik Reinhardt auf der rechten Seite durch und zog den Ball scharf nach innen. Per Mertesacker hatte bei seinem Klärungsversuch jedoch das Glück des Tüchtigen, schoss seinen eigenen Keeper an und verhinderte so den Ausgleich kurz vor der Pause.
In der zweiten Hälfte drückte Bremen dann auf das zweite Tor. Die Versuche von Rosenberg in der 46. Minute, sowie Hugo Almeida in der 49. Minute und auch von Diego in der 55. Minute wurden jedoch nicht von Erfolg gekrönt. In der 52. Minute gab es zwischenzeitlich einen kurzen Jubel im Gästeblock. Jan Koller hatte per Kopf getroffen, der Treffer wurde jedoch leider wegen Abseits nicht gegeben.
Zwischen Minute fünfundfünfzig und Minute achtzig warteten die Zuschauer im Weserstadion vergeblich auf Höhepunkte. Werder wollte nicht mehr und ließ den letzten Zug zum Tor vermissen, der Club konnte schlicht und ergreifend nicht mehr. Die Kraftreserven waren aufgebraucht und so hatte der eingewechselte Ivan Klasnic in der 80. Minute kaum Mühe für die endgültige Entscheidung zu sorgen. Daniel Jensen hatte von rechts einen langen Ball ins Sturmzentrum geschlagen und Klasnic bedankte sich mit einem gezielten Kopfball ins rechte Eck.
Belohnt wurde der Club für seinen Kampfeswillen zwar nicht im eigenen Spiel, dafür jedoch auf den anderen Fußballplätzen der Republik. Sowohl Arminia Bielefeld als auch der MSV Duisburg kassierten jeweils in der 90. Minute entscheidene Gegentreffer und standen am Ende genauso mit leeren Händen da wie der Ruhmreiche. Gegen Cottbus am nächsten Sonntag hat die Mannschaft von Thomas von Heesen also weiterhin die Möglichkeit, die Abstiegsränge aus eigener Kraft zu verlassen.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Der Club ist eben doch der Club

Als der Autor dieser Zeilen letzte Woche an seiner Montagsrubrik saß, konnte er nicht ahnen, was noch am selben Tag passieren sollte und wie sehr sein geliebter Club sich selbst mal wieder in die Schlagzeilen nicht nur der Boulevard-Presse bugsieren würde.
Der Club ist eben doch der Club – viel mehr bräuchte man eigentlich zu den Ereignissen der letzten Woche nicht sagen. Da wird bereits am Sonntag Abend in kleiner Runde beschlossen, die Notbremse Thomas von Heesen zu ziehen und dann schaffen es die Schlipsträger nicht einmal für 24 Stunden ihren Mund zu halten. Im Gegenteil: Da wird Hans Meyer noch zur Pressekonferenz geschickt auf der er verkündet, er spüre weiterhin das Vertrauen des Präsidiums. Schande über Euch, liebe Leute, die ihr Euch Vorstand nennt. Das mit dem Fußball als Geschäft habt ihr jedenfalls komplett falsch verstanden. So behandelt man nicht einmal einen Hoeneß in tiefst böser Absicht. Und eben erst recht nicht einen Hans Meyer.
Man mag sicher darüber diskutieren dürfen, ob der Mann, der uns zum ersten Titel nach 39 Jahren geführt hat, noch der richtige Trainer an der richtigen Stelle war. Und sicher gibt es gerade in dieser Frage auch zwei Meinungen. Vielleicht mag auch gerade in der momentanen Situation ein Ende mit Schrecken manchmal besser sein als ein Schrecken ohne Ende, doch würde der Ablauf des Trainerwechsels als Maßstab genommen, müsste der Club am Ende der Saison direkt in die Regionalliga absteigen.
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass es nicht mein Ding ist, nochmal nachzutreten, wenn Jemand schon am Boden liegt. Nachtreten, Herr Roth, wird im Fußball nicht umsonst mit der roten Karten bestraft. Und wenn man die Sache mit dem sauberen Wechsel schon verbockt hat, sollte man eigentlich lieber auch mal die Fresse halten statt sich selbst im DSF zu präsentieren.
Zum Glück hat wenigstens Hans Meyer besonnen und professionell reagiert. Seine Botschaft an uns Fans hat mich überrascht und gleichzeitig beeindruckt. Sie zeigt, wie sehr Meyer in den letzten Jahren zum Clubberer geworden ist und weil in den Medien ja sowieso schon die Rede davon war: Herr Meyer, ich wäre froh, wenn Sie dem Club in irgendeiner Funktion erhalten blieben.
Ihnen habe ich in meinen bisher achtunddreißig Lebensjahren meine schönste Zeit als Clubfan zu verdanken und auch, wenn ich zugegebenermaßen in letzter Zeit mehr und mehr Zweifel hatte, dass Sie die Manschaft aus den südlichen Tabellenregionen heraus holen können, ich werde mich immer mit einem sehnsüchtigen Lächeln an die Zeit zwischen November 2005 und Februar 2007 erinnern.
Gleichzeitig werde ich natürlich auch Thomas von Heesen die Daumen drücken, dass er das Selbstbewusstsein der Mannschaft möglichst schnell in den Griff bekommt und wir bis zum Saisonende noch den ein oder anderen Sieg feiern dürfen, damit wir dann am Ende der Saison unter dem Strich den Klassenerhalt stehen haben. Dieser Klassenerhalt, lieber Herr Meyer, ist dann auch Teil Ihrer Arbeit, denn ohne Sie wären wir schon vor zwei Jahren abgestiegen.
Ich sage also: Danke, Hans Meyer und für die Zukunft alles Gute. Noch fällt es mir schwer, mich daran zu gewöhnen, doch ich hoffe, dass Sie dem Club trotz seines Provinz-Präsidiums wohl gesonnen bleiben.