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UEFA-Pokal 2007/20078, Zwischenrunde – Hinspiel
[Donnerstag, 14.02.2008 – 21.45 Uhr] Benfica Lissabon – 1.FC Nürnberg 1:0 (1:0)

1:0 (43.) Ariza Makukula

Nach turbelentem Wochenauftakt und vielen Diskussionen sowohl über die Richtigkeit der Trainerentlassung als auch vor allem über die Art und Weise, wie diese vollzogen wurde, geriet das UEFA-Cup-Hinspiel bei Benfica Lissabon fast ein wenig in den Hintergrund. Dabei wimmelte es für zwei Tage in Lissabon nur so von Clubfans. 5000 rot-schwarze Anhänger hatten sich auf den Weg in die portugiesische Hauptstadt gemacht und nicht wenige Einheimische staunten nicht schlecht, als der Rossio – Lissabons größter Platz – am Donnerstag Nachmittag fest in Nürnberger Hand war.
Doch eben auch bei aller Vorfreude auf das Fußballfest in Europa blieb stets die Frage: Wie würde sich die Mannschaft unter dem neuen Trainer präsentieren? Für Thomas von Heesen war es als Trainer das erste Europapokalspiel überhaupt und natürlich war die Zeit von Montag bis Donnerstag zu kurz, um der Mannschaft auch nur den Ansatz einer eigenen Handschrift zu verpassen. Zumal auch von Heesen das Problem hatte, die erste Elf mehr nach Krankenstand als nach taktischer Ausrichtung hin aufzustellen. Besonders bitter: Angelos Charisteas hatte sich am Mittwoch im Abschlußtraining eine Adduktorenverletzung zugezogen und fehlte ausgerechnet in dem Stadion, in dem er den größten Moment seiner Karriere erlebte, als er 2004 mit einem Kopfballtor Griechenland zum Europameister machte. Für Charisteas stürmte Nicky Adler.
Vor gerade mal 25.000 Zuschauern machte die Club-Kurve das Spiel im Estadio da Luz schnell zu einem Heimspiel in Lissabon und entsprechend couragiert trat der FCN von Beginn an auf. Zwar gelang nicht auf Anhieb gleich Alles und vor allem Marco Engelhardt fiel in den ersten Minuten durch zahlreiche Fehlpässe auf. Doch die Mannschaft bemühte sich und fand mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr Sicherheit. Auffällig war in den ersten Minuten auch, wie oft die Club-Spieler den Ball in Richtung Schiedsrichter passten. Der rumänische Unparteiische Alexandru Tudor war genau wie der Club in schwarzem Hemd aufgelaufen und zumindest in der ersten Halbzeit kaum zu unterscheiden. In der zweiten Halbzeit lief das Gespann dann in gelben Hemden auf.
Höhepunkte und Torchancen waren in der ersten Halbzeit Mangelware. Benfica fand nicht statt und der Club hatte den Gegner zwar im Griff, zeigte jedoch auch nach Vorne wenig Ambitionen. Einzig in der 15. Minute hätte so etwas wie Torgefahr aufkommen können, doch Nicky Adler hatte zwar die richtige Idee Jan Koller ins Szene zu setzen, sein Zuspiel geriet jedoch zu ungenau. Thomas Galasek versuchte es in der 28. Minute noch mit einem Fernschuss.
Kurz vor der Pause dann das Tor aus heiterem Himmel. Rui Costa passte zu Makukula und der Neuzugang vom FC Sevilla fasste sich einfach mal ein Herz und zog aus 20 Metern ab. Es war der erste gefährliche Schuß von Benfica auf das Nürnberger Tor und entsprechend überrascht zeigte sich auch Jaromir Blazek. Der Tscheche ließ den Aufsetzer passieren. Thomas von Heesen kommentierte den Aussetzer seines Keepers nach dem Spiel: „Blazek hat in der Halbzeit schon gesagt, dass es ’seiner‘ ist. Schade, dass ihm heute dieser Fehler unterlaufen ist.“
In der zweiten Halbzeit übernahmen dann zunächst die Hausherren das Kommando auf dem Spielfeld. Wirklich zwingend wurde jedoch auch Benfica nicht. Petit versucht es in der 59. Minute mit einem Fernschuss, den Blazek dieses Mal ohne Probleme halten konnte. Eine Minute später musste Glauber nach Querpass von Angel di Maria vor dem einschussbereiten Nuno Assis klären. Den letzten Willen, das 2:0 nachzulegen, ließen die Portugiesen jedoch vermissen und so unternahm der Club in der letzten Viertelstunde noch ein paar Versuche, das wichtige Auswärtstor zu erzielen.
Dem Torerfolg am nächsten kam dabei Marco Engelhardt in der 74. Minute. Seine Flanke von der linken Seite verunglückte und wurde so zum Torschuß, den Lissabon-Keeper Quim so eben noch über die Querlatte lenken konnte. Nur zwei Minuten später stand Jan Koller einschussbereit vor dem Benfica-Gehäuse. Die Hereingabe des inzwischen eingewechselten Jan Kristiansen konnte Luisao jedoch in letzter Sekunde zur Ecke klären.
Der Club kehrt also ohne Punkt und Auswärtstreffer aus Lissabon zurück und darf sich trotzdem berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Achtelfinale machen. Ein Benfica in der Form vom Donnerstag ist im heimischen Max-Morlock-Stadion durchaus mit zwei Toren Unterschied zu schlagen. Bezeichnend war die Ernennung des Abwehrspielers Luisao zum Spieler des Tages in sämtlichen portugiesischen Sportzeitungen.
Auch Thomas von Heesen ist guter Dinge: »Bis auf das Ergebnis können wir zufrieden sein. Besonders in der ersten Halbzeit haben wir Benfica überhaupt nicht zur Entfaltung kommen lassen und umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten […] Wenn ich das Spiel als Maßstab nehme, habe ich ein gutes Gefühl für die kommenden Wochen.«

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Tolle Stadt am Tejo

Wenn der Glubb dann schon mal so weit weg auswärts spielt, muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen und zur Not auch in den äußersten Südwesten Europas reisen. Wenn der äußerste Südwesten dann jedoch so schön ist wie Lissabon, verkraftet man auch eine eher unglückliche Club-Niederlage mal eher. Von Dienstag bis Freitag wurde die portugiesische Hauptstadt unsicher gemacht und wohin man auch schaute – überall Clubfans. Am Donnerstag vor dem Spiel füllte sich der Hauptplatz Lissabons dann ganz in rot-schwarz. Fast 5.000 FCN-Anhänger waren angereist und werden noch ihren Enkeln von der unglaublichen Atmosphäre erzählen.