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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 17.Spieltag
[Samstag, 15.12.2007 – 15.30 Uhr] Schalke 04 – 1.FC Nürnberg 2:1 (2:0)

1:0 (14.) Gerald Asamoah
2:0 (35.) Marco Engelhardt (Eigentor)
2:1 (55.) Angelos Charisteas

Wenn man es doch nur mal vorher wüsste. Da quält man sich nach durchzechter Freitagnacht aus dem Bett, schmeisst sich schnell was zu essen ein, fährt eine knappe Stunde quer durch die Stadt, um pünktlich zum Anpfiff im Frankenstüble zu sitzen und dann das…. Der Club stand beim letzten Hinrundenspiel auf Schalke in den ersten 45 Minuten nicht auf dem Platz, sondern befand sich in ähnlichem Tiefschlaf, wie es der Autor dieser Zeilen am frühen Samstag-Nachmittag auch noch gerne getan hätte. Als habe man mit dem Sieg gegen Hertha BSC (die Schande von der Spree) sein Soll erfüllt und könne die Hinrunde nun langsam austropfen lassen, glichen die Arbeitsbemühungen der Franken eher dem Vollrausch-Gekicke am Morgen nach der Weihnachtsfeier.
Kevin Kuranyi war über die lasche Einstellung der Clubspieler sogar derart überrascht, dass er schon in der dritten Minute völlig frei stehend den Ball lieber über das Tor hob, als zum 1:0 zu versenken. Doch es dauerte nicht lange, da machte es Gerald Asamoah besser. Heiko Westermann setzte sich auf der linken Seite im Laufduell gegen Dominik Reinhardt durch, flankte nach innen, wo Asamoah im Kopfballduell gegen Peer Kluge keine Mühe hatte.
Beruhigt duch den Vorsprung , hatte Schalke nun keine Probleme, Ball und Gegner zu kontrollieren. Es schien nur eine Frage der Zeit, wann die Königsblauen ihren Vorsprung vergrößern würden und als dies dann schließlich doch ein wenig zu lange dauerte, nahm Marco Engelhardt die Aufgabe selbst in die Hand. Nachdem Rafinha sich auf halbrechter Position durchgesetzt hatte und den Ball scharf und flach nach innen gab, ließ Engelhardt sich nicht zwei Mal bitten, sondern rutschte aufopferungsbereit in die Hereingabe und überwand in der 34. Minuten den eigenen Keeper.
Zu diesem Zeitpunkt erinnerte der Auftritt der Clubberer in der Arena auf Schalke verdächtig an den Auftritt in der Arroganz-Arena, als man sich chancelos 3:0 von den Bauern abfertigen ließ. Mit dem Unterschied, dass Schalke eben kein drittes Tor nachlegte und Hans Meyer in der Pause scheinbar genau die richtigen Worte gefunden hatte.
Denn der Club kam druckvoll und selbstsicher aus der Kabine. Hans Meyer hatte umgestellt, Ivan Saenko für Nicky Adler gebracht und anscheinend hatte sich rumgesprochen, dass die zweite Halbzeit nicht unbedingt zu Schalkes Stärken gehört. Noch dazu wurde der Club ziemlich schnell belohnt. Angelos Charisteas stand nach Ecke von Engelhardt genau richtig und nickte zum Anschluss ein.
Die zweite Hälfte ging nun eindeutig an den Club und Zvjezdan Misimovic hatte in der 63. Minute die größte Gelegenheit zum Ausgleich. Der Bosnier setzte einen Freistoß aus halblinker Position an den Außenpfosten. Manuel Neuer im Schalker Tor wäre an den Ball nicht dran gekommen. Spannend, kurios und sogar ärgerlich wurde es dann in der Nachspielzeit noch einmal. Zunächst verpasste der eingewechselte Halil Altintop aus wenigen Metern die große Chance, für Schalke alles klar zu machen. Sein Schuss aus vollem Lauf landete knapp neben den Nürnberger Gehäuse. Auf der anderen Seite wird nur wenige Sekunden später Marek Mintal von Misimovic frei gespielt. Der Slowake wird jedoch von Mladen Kristajic attackiert und trifft den Ball nicht richtig. Nürnbergs Hoffnungen auf den späten Ausgleich prallen vom Außenpfosten ab. Schalke hätte sich in dieser Situation auch nicht beschweren können, wenn Schiedsrichter Weiner Sekunden vor Abpfiff noch auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Ein geiles Jahr

Es war ein verschneiter Samstag-Nachmittag, Ende Januar und die Stimmung im Frankenstüble war bestens. Ludovic Magnin hatte gerade ins eigene Tor getroffen und den Club den Aufktakt der Rückrunde gegen den VfB Stuttgart mit 4:1 gewinnen lassen. Wir feierten an diesem Abend, als würde es kein Morgen geben, als sollte dies der letzte Clubsieg für nächsten Jahre sein und auch am verkarterten nächsten Morgen ahnte noch Niemand, was nur knappe vier Monate später auf uns zu kommen sollte.
Es ahnte ja auch noch nicht einmal Jemand, was nur eine knappe Woche später passieren würde – am jenem geilen Freitag Abend. Die Bauern hatten gerade ihren Trainer, den Felix, rausgeschmissen und auf der Bank nahm ein Mann Platz, dessen tiefe Gesichtsfurchen im Laufe des Spiels zu wahren Canyons anwuchsen. 3:0 wurden die Bauern aus dem Max-Morlock-Stadion gefegt und sich beschwerende Nachbarn des Frankenstübles hatten an dem Abend keine Chance. Als die Grün-Weißen anrückten, um den Lärmpegel im Stüble zu senken, sagte Wirt Rüdiger nur: „Ach, jetzt lasst sie doch feiern. Der Club hat heute gegen die Bauern 3:0 gewonnen.“ Die Beamten zuckten nur mit den Schultern und zogen ab mit den Worten: „Ja, dann. Viel Spaß noch.“
Es folgte der Last-Minute-Sieg in Bochum, der Arbeitssieg gegen Cottbus und plötzlich stand der Club nach fünf Spielen im Jahr 2007 als bestes Rückrundenteam da. Überall, wo der Club fortan spielte, hörte man nur: „Europapokal, Europapokal…“
Dass es trotzdem auch anders ging, zeigte der Club dann in den folgenden Spielen. Niederlagen in Mainz, gegen Bielefeld, in Bremen folgten und zwischendrin ein dürftiges 2:1 gegen Hertha (BSC, die Schande von der Spree). Umso mehr rieb sich die Nordkruve die Augen an jedem Pokalabend im April. Die Frankfurter Eintracht war zu Gast und sollte an diesem Abend den ersten Grundstein legen, zum Ex-Angstgegner zu werden. 4:0 hieß es am Ende und zu „Erste Runde Bukarest…“ gesellte sich nun „Berlin, Berlin…“ Und da der VfB Stuttgart sich inzwischen aufmachte, die Meisterschaft zu holen und den Club somit über das erreichte Pokalfinale in den Europapokal zu schicken, schenkten die Männer von Hans Meyer die Bundesliga ein wenig her und holten sich erst am letzten Spieltag mit dem 3:0 in Hannover den nötigen Motivations- und Selbstbewusstseinsschub.
Der Rest ist Geschichte und Hans Meyer endgültig zur Trainerlegende geworden. Der Club kann doch noch Titel gewinnen und nie im Leben hätte der Autor dieser Zeilen gedacht, dass sich dies so geil anfühlt. Doch der Club kann noch mehr. Er kann nicht nur endlich wieder Titel holen, er findet auch die Euphoriebremse. Und tritt sie dann mit derartiger Vehemenz, dass es einer Vollbremsung aus 200 km/h gleicht.
Auftaktniederlage gegen Karlsruhe – und das zu Hause; gegen einen Aufsteiger !!! Die Herbsttabelle zeigt, zu welchen Verwirrungen dies führen kann. Während der Neuling nach dem 17. Spieltag auf Rang sechs thront, steht der Pokalsieger auf einem Abstiegsplatz. Verdammt !
Die Hinrunde komplett verkorkst mit Ausnahme eines einzigen Spiels: Richtig, das 5:1 gegen den ehemaligen Angstgegner aus Hessen. Ok, ab und zu auch mal schön gespielt und unglücklich verloren. Trotzdem hängt der gemeine Clubfan über Weihnachten nun zwischen Baum und Borke. So wirklich weiß doch Niemand, wo der Club im Moment steht. Vor genau einem Jahr stand Mönchengladbach dort, wo der Club jetzt steht: Auf Rang 16 mit 15 Punkten. Wo das endete, ist bekannt…. Andererseits stand der HSV vor Jahresfrist noch einen Rang tiefer, nämlich auf 17…. und die Hansestädter spielen dieses Jahr auch UEFA-Cup…
Und überhaupt: Apropos UEFA-Cup. Am Donnerstag hat es der Club selbst in der Hand, die Gruppenphase des UEFA-Cups zu überstehen und in die nächste Runde einzuziehen. Und sie haben es ja auch in Bukarest und gegen Alkmaar (genau wie gegen Dortmund und Hertha in der Bundesliga) schon bewiesen: Wenn es wirklich drauf ankommt, geht es doch…
Also Club, 2007 war ein geiles Jahr !!! Vielen Dank dafür !!! An die Mannschaft, an Hans Meyer, an Martin Bader. Doch jetzt, lieber Club, kommt es drauf an, das kommende Jahr 2008 nicht zu einem Katastrophenjahr werden zu lassen. Richtig verstanden: Es kommt drauf an. Höchste Eisenbahn. Auf geht’s Club!