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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 16.Spieltag
[Sonntag, 09.12.2007 – 17.00 Uhr ] 1.FC Nürnberg – Hertha BSC Berlin 2:1 (2:0)

1:0 (5.) Angelos Charisteas
2:0 (39.) Zvjezdan Misimovic
2:1 (65.) Fabian Lustenberger

Auch für uns Berliner Clubfans gibt es Spiele, die sind anders als alles anderen Spiele. Unnötig zu erwähnen, dass Begegnungen zwischen dem Club und Hertha BSC (der Schande von der Spree) stets dazu gehören. Unnötig zu erwähnen, dass Siege gegen Hertha BSC (die Schande von der Spree) für uns Berliner Clubberer doppelt und dreifach schön sind. Da fragt dann hinterher auch keiner mehr nach dem „Wie“ und „Warum“…
Schließlich ist es einfach ein unsagbar schönes Gefühl, mit dem weinroten Trikot durch die Straßen der Hauptstadt zu laufen und 90% der Leute, die das ganze Jahr arrogant auf Dich runtergeschaut haben und Dich mit Deinem FCN-Trikot in geheucheltem Mitleid schon fast trösten wollten…. 90% dieser Leute schauen Dich nun mürrisch an und haben keine Worte dafür, warum ihr Bahn-Millionen-Champions-League-Anwärter am Ende der Saison absteigen muss.
Und dass Hertha BSC (die Schande von der Spree) in der Tat absteigen muss, hat Angelos Charisteas gestern schon nach gerade mal fünf Minuten gezeigt. Dominik Reinhardt passt präzise durch die gesamte Berliner Hintermannschaft und so mancher Clubfan rieb sich ein wenig verwundert die Augen, dass Charisteas bereits seine erste Chance gleich in einen Torerfolg ummünzen konnte. Der Grieche kommt und auch der Club kam. Und zwar gewaltig. Thomas Galasek ließ sich nur vier Minuten später nicht lange bitten, sondern hielt auch aus dreissig Metern einfach mal drauf. Schade, das Hertha-Keeper Jaroslav Drobny parieren kann. In der 14. Minute ist es dann erneut Angelos Charisteas mit einer Chance. Dieses Mal vergibt der Grieche leider. Sein Kopfball landet knapp über dem Tor.
Von der alten Schlampe Hertha (BSC- die Schande von der Spree) ist bis zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen. Weder ein Aufbäumen, noch Kampf, noch Spiel – kurz: Nichts, was in entferntester Weise mit Fussball zu tun hätte. Völlig verdient geht der Club dann also noch in der ersten Halbzeit mit 2:0 in Führung. Nicky Adler flankt einfach mal in Richtung Hertha-Tor und sein Ball findet in Zvjezdan Misimovic genau den richtigen Abnehmer. Der Bosnier zieht von halblinks ab und trifft in der 39. Minute. Ganz unhaltbar war der Ball für Gästekeeper Drobny sicherlich nicht. Doch der Club ging mit einer beruhigenden Führung in die Kabinen und das war das Einzige, was wirklich zählte. So manch Clubberer fühlte sich zu diesem Zeitpunkt fast schon wieder an die tollen Spiele der letzten Saison erinnert.
Dass diese Saison jedoch relativ wenig mit der vergangenen Saison zu tun hat, mussten die ins Schwärmen geratenen Clubfans dann in der zweiten Hälfte erleben. Zwar beherrschte die Mannschaft von Hans Meyer die Schande der Hauptstadt in den ersten zwanzig Minuten der zweiten Hälfte weiterhin nach Belieben, doch aus heiterem Himmel und ohne, dass auch nur irgendein Herthaner wirklich was dafür konnte, stand es in der 66. Minute plötzlich nur noch 2:1. Fabian Lustenberger konnte den eigenen ersten Bundesliga-Treffer nicht verhindern. Zwar zeigte sich der Club nach dem Gegentreffer nicht wirklich geschockt und die Berliner starteten nun einen bestenfalls halbherzige Aufholjagd; trotzdem wusste jeder einzelne der 40.000 Clubfans im Stadion, was da noch kommen konnte: Nämlich das, was dann in der Nachspielzeit passierte.
Ein Freistoß der Herthaner, selbst Torhüter Drobny in der gegnerischen Hälfte und plötzlich liegt der Ball im Club-Tor. Zum Glück für alle Rot-Schwarzen war die Lederkugel aus einer Abseitsposition ins Club-Netz befördert worden. Und so konnte Unsympath Pantelic wieder seinen sterbenden Schwan spielen und sämtliche Schmierenkomödien der Republik in den Schatten stellen.
Der Clubfan als solcher konnte, ob des knappen, aber hoch verdienten Sieges nach Beruhigung des eigenen Herzschlages, anfangen zu sinnieren, ob das manchmal nötige Quäntchen Glück, das so oft in der Hinrunde gefehlt hatte, nun endlich zum Club zurück gefunden hat. Schließlich hätte Schiedsrichter Meyer die Abseitsposition auch übersehen können.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Böse Miene zum guten Spiel

Ach herrje, was die immer reden. Für die Herbstmeisterschaft kann man sich nichts kaufen. Wir sind noch in einer frühen Phase der Saison. Abgerechnet wird nach dem 34. Spieltag.
Sicher, sicher doch. Mag ja alles stimmen. Trotzdem hat man spätestens an diesem Wochenende auf diversen Fussballplätzen unserer Republik gemerkt, dass die Aufwärmphase der Saison längst Geschichte ist. Da wird gewürgt, getreten und gerungen als seien diese Randsportarten das, was den Fussball attraktiver macht.
Da wird theatralisch um Tore gebettelt, die offensichtlich aus Abseitsposition erzielt wurden, wird das eigene Spiel schön geredet, weil’s doch immerhin zu einem Punkt gegen den Tabellenletzten gereicht hat, wird am Ende sogar ein Trainer entlassen, dessen Team in der Hinrunde nicht einen Spieltag auf einem Abstiegsplatz stand – und dass nachdem man nur 24 Stunden vorher noch allen Pressemeldungen entschieden entgegengerudert ist.
Keine Frage, unsere Bundesliga lebt und hat kurz vor der Winterpause noch einmal heftig Fahrt aufgenommen. Die letzten Chancen sollen genutzt werden, die Weichen für eine friedliche Weihnachtspause gestellt werden.
Dass bei diesen Versuchen der Ein oder Andere auch mal übers Ziel hinausschiesst – Schwamm drüber. Da kann dann hinterher wenigstens niemand behaupten, er hätte es nicht versucht.
Trotzdem: Ein fader Beigeschmack bleibt. Ein äußerst fader sogar. Wenn man sieht, wie ein Ersatzspieler von der Bank seinem Gegner an den Hals springt, ein Anderer an der Außenlinie eine Ringereinlage bevorzugt, statt den Ball einfach einzuwerfen, könnte man meinen, nicht die besinnliche Weihnachtszeit, sondern das Meisterschaftsfinale stünde unmittelbar bevor.
Das Problem bei all diesen schönen Aufregern, die das Blut endlich mal wieder in Wallung bringen und die Hormone springen lassen: Der Fussball kommt zu kurz.
Warum in aller Welt muss ein Boubacar Sanogo schon den sterbenen Schwan miemen und flehentlich in Richtung Schiedsrichter aufschreien, ehe das Foul überhaupt begangen ist? Warum muss ein Marco Pantelic noch immer beim Mann an der Linie stehen und eine Schmierenkomödie aufführen, obwohl das Spiel längst fortgesetzt ist?
Und warum fängt ein Herr Enke nach seiner Berührung gegen Naldo schon mitten in der Parade an, seinen Kontrahenten der Schwalbe zu bezichtigen, obwohl dieser nicht mal einen Elfmeter fordert?
Jungs, denkt einfach mal darüber nach. Mir als Fan nimmt nämlich sowohl das brutale Foul als auch diese übertriebene Theatralik nach jedem kleinen Vorfall so langsam jeden Spaß. Und dabei könnte ein 4:3 so viel Spaß machen. Ich für meinen Teil finde es jedenfalls bedenklich und er erfüllt mich mit einiger Sorge, wenn ich feststellen muss, dass gerade Sympathieteams wie Werder Bremen oder Schalke 04 momentan sehr viel von dieser verspielen, während ich ehemaligen Langweilern wie dem Pillenclub vom Rhein plötzlich gerne beim Kombinieren zusehe. Oder – noch schlimmer – ich respektvoll die Augenbrauen hebe, weil ein Oliver Kahn nach dem komplett saudummen und mindestens ebenso unnötigen Tritt von Herrn Idrissou, einfach weiterläuft und den Schiedsrichter seine Arbeit machen lässt.