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UEFA-Pokal 2007/2008, Gruppenphase – 4. Spieltag
[Mittwoch, 05.12.2007 – 20.45 Uhr] 1.FC Nürnberg – AZ Almaar 2:1 (0:1)

0:1 (29.) Demy DeZeeuw
1:1 (83.) Marek Mintal
2:1 (85.) Marek Mintal

Es ist wieder einer dieser Festtage, den die Mannschaft von Hans Meyer sich letztes Jahr redlich verdient hat. Es ist wieder Europapokal. Kein Abstiegsgespenst weit und breit, mit der Gruppenphase das eigentliche Ziel längst erreicht und doch spätestens seit dem späten Mittwoch-Abend auch weiterhin nach Höherem strebend. Denn der Club hat AZ Alkmaar mit 2:1 besiegt und hat es nun im vierten und letzten Spiel der Gruppenphase tatsächlich selbst in der Hand, ob er sich für die nächste Runde qualifiziert. Ein Sieg in Griechenland beim bisher punktlosen FC Larissa und der Club steht in der nächsten Runde. Und auf die unwahrscheinlichen Rechen-spielchen, nach denen der Club sogar im Falle einer Niederlage noch die nächste Runde erreichen kann, wird sich Hans Meyer sowieso nicht einlassen.
Zumal es bis zur 83. Minute im Max-Morlock-Stadion in der Tat noch ganz stark nach frühzeitigem Ausscheiden gerochen hatte. Der Club tat sich in der ersten Halbzeit schwer. Alkmaar stand gut gestaffelt und spielte seine technische Überlegenheit ge-konnt aus. Simon Cziommer in der siebten Minute und Demy De Zeeuw in neunten hatten die ersten frühen Chancen für die Gäste.
Nach diesen ersten beiden Warnschüssen, nahmen sich die Niederländer eine kurze Auszeit. Der Club reagierte jedoch meist zu überhastet, um entscheidene Akzente setzen zu können, und so folgte die logische Konsequenz in Form eines sehenswerten Hackentricks von Moussa Dembélé in der 29. Minute. Die halbe Clubabwehr staunte nicht schlecht und vergaß dabei die eigentliche Abwehr. De Zeeuw ging allein auf Jaromir Blazek zu und ließ dem Tschechen im Club-Tor keine Chance.
Bei Blazek können sich die Club-Spieler auch bedanken, dass es zehn Minuten später nicht bereits 0:2 stand. Einem Pfostenschuss von Dembélé folgte ein heilloses Durcheinander im Strafraum der Nürnberger. Keeper Blazek behielt jedoch die Übersicht und begrub schließlich den Schuss von Grétar Steinsson trotz kurzer Distanz unter sich. Die erste wirkliche Großchance auf unserer Seite folgte dann doch noch kurz vor der Halbzeit. Marco Engelhardt hatte Angelos Charisteas mit einem mustergültigen Pass in den Lauf frei gespielt. Der Grieche zeigte jedoch Nerven und verfehlte den Ausgleich völlig frei stehend vor dem Tor. Der Ausgleich zur Halbzeit wäre mehr als glücklich gewesen.
Umso größer nach der Pause die Verwunderung. Der AZ Alkmaar machte genau den Fehler, den man auch beim Club in letzter Zeit des Öfteren feststellen musste. Alkmaar hörte auf, Fussball zu spielen. Der UEFA-Cup-Finalist von 1981 igelte sich in der eigenen Hälfte ein, lauerte auf Konter und begann in der 46. Minute mit dem Zeitspiel. Der Club brauchte trotzdem eine Viertestunde, ehe er ins Spiel fand. Zudem girff nun auch Hans Meyer noch einmal ins Spiel ein. Nachdem er bereits in der 38. Minute Marek Mintal für Leon Benko gebracht hatte, wechselte er nun Ivan Saenko für den zwar bemühten, doch glücklosen Nicky Adler ein. Zweimal goldenes Händchen, wie sich später zeigen sollte. Vorher verpassten jedoch Zvjezdan Misimovic mit einem Schuss in der 67. Minute und Marco Engelhardt mit einem Freistoß aus 20 Metern in der 75. Minute jeweils nur knapp den Ausgleich.
Die Erlösung dann in der 83. Minute. Ivan Saenko hatte sich nicht zum ersten Mal auf der rechten Seite durchgesetzt und zog seinen Angriff bis zur Grundlinie durch. Von dort in den Rücken der Abwehr gepasst – das alte Rezept funktioniert immer wieder. Vor allem, wenn in der Mitte ein Marek Mintal seinen Phantominstink wieder entdeckt und den Ball trocken und einfach ins Tor hämmert Das ganze Stadion aus dem Häuschen – wenigstens nicht verloren und kaum Einer hatte für möglich gehalten, was nur zwei Minuten später folgte: Fast eine identische Kopie des Ausgleichs. Dominik Reinhartd hatte sich Saenkos Sturmlauf genau angeguckt, zog ebenfalls bis zur Grundlinie durch und Marek Minal ließ sich gerne ein zweites Mal bitten.
„Nürnberg ist nicht nur eine Randnotiz in Europa.“, brachte es FCN-Sportdirektor Martin Bader kurz und prägnant auf den Punkt. Denn wer so ein Spiel noch dreht, der wird nicht danach gefragt, ob es letztlich glücklich oder gar verdient war. Wer bis zuletzt an sich glaubt, hat den Sieg immer verdient. Und wer verdient gewinnt, der tankt Selbstbewusstsein für die Liga und lässt am Sonntag die alte Dame Hertha (BSC, die Schande von der Spree) mal gleich ganz schnell ins Grab wandern.