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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 13.Spieltag
[Sonntag, 11.11.2007 – 17.00 Uhr] Arminia Bielefeld – 1.FC Nürnberg 3:1 (0:1)

0:1 (43.) Andreas Wolf
1:1 (67.) Rüdiger Kauf
2:1 (76.) Arthur Wichniarek
3:1 (90.) Sibusiso Zuma

Eigentlich gibt es vom Spiel in Bielefeld nichts Neues zu berichten. Etwa 500 mitgereiste Fans feuerten ihren Club trotz Kälte nach Leibeskräften an, ließen sich im dachlosen Gästeblock auch von Hagel, Schnee und Regen von oben, sowie Matsch und Dreck von unten auf der Bielefelder Baustelle nicht beeindrucken, und standen am Ende doch wieder als die Deppen-Fans da.
Dabei hatte es auch in Bielefeld wieder ähnlich gut begonnen, wie schon bei den vier Pflichtspielniederlagen zuvor. Der Club kam schneller ins Spiel als der Gegner, stand hinten zunächst sicher und erarbeitete sich vor allem Feldvorteile. Gerade das Wort Feldvorteile zeigt jedoch, wo momentan das Problem beim Club liegt: Er spielt de facto ohne eigenen Sturm. Marek Mintal, der Fussballgott, ist Alles, doch kein Stoßstürmer. Der Slowake hängt regelrecht in der Luft und wartet auf Flanken, zu denen wegen chronischer Formschwäche momentan weder Dominik Reinhardt noch Ivan Saenko im Stande sind.
Da hilft es auch nicht, dass Zvjezdan Misimovic in der ersten Halbzeit im offensiven Mittelfeld fast nach Belieben schalten und walten konnte. Zwischenzeitlich glich das Spiel dem Wetter – eine Mischung aus allem und doch in der Summe nicht Fisch noch Fleisch. Die Torhüter mussten auf beiden Seiten kaum eingreifen, und wenn sie dann doch mal gefragt waren, taten sie es souverän. Die Chancen von Peer Kluge in der zweiten Minute und Misimovic in der siebten Minute hätten früh zu einer Vorentscheidung führen können, blieben jedoch ebenso ohne Wirkung wie der Fernschuss von Thomas Galasek in der 40. Minute. Als sich die spärliche und stimmungslose Kulisse in der schmucklosen Baustelle Schüco-Arena konsequenterweise längst auf eine torlose erste Halbzeit eingerichtet hatte, stand es plötzlich 0:1. Wäre das Wetter an diesem Sonntag Abend nicht so ausgesprochen dürftig gewesen, hätte man von einem Treffer aus heiterem Himmel sprechen können. Auf der linken Seite brachte Misimovic den Ball nach einer kurz ausgeführten Ecke in den Strafraum, wo Andreas Wolf völlig frei vom Fünfmeterraum aus einnicken konnte und somit seinen zweiten Saisontreffer markierte. Bei jeder anderen Mannschaft hätte man von einem psychologisch günstigem Zeitpunkt getroffen. Der Club, der Depp, scheint diese Redewendung nicht zu kennen.
Zwar hatten die Rot-Schwarzen in der zweiten Halbzeit noch eine knappe Viertelstunde das Spiel relativ gut im Griff, doch wohl weniger aufgrund eigener Stärke, sondern eher, weil die Arminen eben diese Zeit noch brauchten, um sich organisieren. Und wie schon im Everton-Spiel war es erneut eine Einwechselung, die die Hintermannschaft des Clubs komplett durcheinander wirbelte und das Team von Hans Meyer um den in der ersten Halbzeit durchaus verdienten Lohn der Arbeit. Dabei dürfte der Name Sibusiso Zuma spätestens seit der 2:3 Heimniederlage im Okotber 2005 in Nürnberg bestens bekannt sein. Damals drehte der Südafrikaner quasi im Alleingang einen 1:2-Rückstand in den letzten Minuten noch zum knappen Sieg für die Arminen.
Dieses Mal reichte allein seine Anwesenheit auf dem Platz. In der 62. Minute durfte Zuma auf den Platz, in der 63. Minute flankte Kamper von rechts und Kauf köpfte ähnlich präzise wie Wolf in der ersten Halbzeit. Doch im Gegensatz zu den Clubberern reichte den Arminen dieses Unentschieden jedoch offenbar nicht. Und so griff Zuma dann doch noch höchstpersönlich ein, bediente in der 76. Minute Artur Wichniariek von der rechten Seite mustergültig und das Spiel war gedreht.
Viel fiel dem Club in der verbleibenden Zeit nicht ein, um dem Spiel noch einmal eine Wende zu geben. Joshua Kennedy zeigte nach seiner Einwechslung in der 77. Minute, warum er momentan keine echte Alternative im Sturm ist. Der Australier gewann bis zum Abpfiff nicht einen einzige Zweikampf und verlor trotz seiner 1,94 Meter Körpergröße sämtliche Kopfballduelle. Schlimm wird es dann, wenn selbst ein Marek Mintal durch die ungewohnte Position so verunsichert ist, dass er Bälle nicht mehr im Tor unterbringt, die er früher im Schlaf mit gefesselten Beinen versenkt hätte. Nach grobem Abwehrschnitzer fiel dem Slowaken in der 89. Minute der Ball praktisch vor die Füsse, doch aus selbst aus nur 10 Metern schaffte es Mintal völlig frei stehend noch, die Kugel neben das Tor zu setzen. Besser machte es da dann schon (und leider mal wieder) der gewisse Herr Zuma auf der anderen Seite.
Zwar durchaus begünstigt durch die Nürnberger Aufgabe aller Hoffnungen, setzte der Südafrikaner in der Nachspielzeit einen herrlichen Schuss aus vollem Lauf unhaltbar für Jaormir Blazek zum 3:1 Endstand unter die Latte.
Für den Club bedeutet die Niederlage im direkten Duell gegen einen anderen Abstiegskandidaten nun schon einen Rückstand von fünf Punkten auf den 15. Platz. Durch die Länderspielpause folgt das nächste Sechs-Punkte Spiel erst in zwei Wochen zu Hause gegen Dortmund.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Ein Spiel dauert 90 Minuten

Wäre der Fußball keine ergebnisorientierte, sondern z.B. dem Eiskunstlaufen gleich, eine Sportart, die ihren Wert auf die Ästhetik des Spiels legt – es stände bei Weitem nicht so schlecht um unseren geliebten Club, wie es nun mal leider steht. Läge man z.B. allein die Notenbewertung der einzelnen Spieler durch den kicker jedes Wochenende zu Grunde, der Club stünde mit einem Notendurchschnitt von 3,85 auf einem zwar hinteren, aber dennoch gesicherten Mittelfeldplatz – und zwar noch vor Mannschaften wie Dortmund oder Frankfurt. Auch finden jene nur selten Widerspruch, die sehen, dass der Club selbst bei den zuletzt fünf Pleiten in Serie, ihre Gegner meist über weite Strecken des Geschehens durchaus im Griff hatten. Wer hätte denn nach der 2:1-Führung in Jena (noch dazu in Überzahl) gedacht, dass das noch schief gehen könnte? Und wer hätte in der 80. Minute gegen Everton auch nur einen Euro noch auf einen 2:0 Sieg der Engländer gesetzt?
Spätestens (und eben leider auch durchaus früher schon) jedoch seit dem 1:3 in Bielefeld wissen wir Clubfans: Unserem Deppen fällt noch immer was ein, wie er den Gegner wieder aufbaut. Sei es der VfB Stuttgart, der vor wochenfrist als amtierender Meister im Frankenland seine ersten Auswärtspunkte einfahren durfte, sei es Arminia Bielefeld bzw. Trainer Ernst Middendorp, dem man nach halbzeitlichem Schock am Ende doch noch den Job gerettet hat. Es sind leider die individuellen Fehler, die der Mannschaft z.T. durchaus gute und ansehnliche Spiele immer wieder kaputt machen. Trainer Hans Meyer brachte es in Westfalen auf den Punkt: »Wir sind derzeit einfach nicht in der Lage, individuell und als Team über die Runden zu kommen.« In dieser Hinsicht brachte das Spiel in Bielefeld vielleicht nicht unbedingt neue Erkenntnisse, sondern bestätigte auf brutale Art und Weise viel mehr, was vorher schon Jeder ahnte.
Neu war allerdings in Bielefeld, wie die Fans mit der nunmehr fünften Pleite in Folge umgingen. Wurden die Männer in den weinroten Jerseys nach den Spielen gegen Stuttgart und Everton nämlich durchaus noch mit respektvollem Applaus verabschiedet, überwog nach der Niederlage gegen die Arminen der Zorn im Gästeblock. Schön spielen und schön reden helfen nun nicht mehr. Es müssen Punkte her – und zwar nicht erst in der Rückrunde. Ansonsten könnte es in näherer Zukunft ähnlich still im Stadion werden, wie im Gästeblock nach dem 2:1-Führungstreffer der Arminia in der 76. Minute. Denn nach dem Treffer des Polen Artur Wichniariek legten selbst die Ultras erschrocken ihre Trommelstöcke zur Seite und bekamen vor lauter Entsetzen keinen Ton mehr über die Lippen.
In wie weit es da hilft, wenn sich nach dem Spiel wenigstens Andreas Wolf, Marek Mintal und Peer Kluge in die aufgebrachte Gästekurve begeben, wird sich zeigen. Denn eben genau Eines war nach dem Spiel in Bielefeld zu merken: Der Club steht wieder da, wo er vor zwei Jahren schon einmal stand. Und sicherlich wäre jeder Clubfan froh, wenn – ähnlich wie damals – am Ende der Saison wieder ein achter Platz rausspringen würde.
Trotzdem helfen Beschwörungen in die Stärke der Mannschaft nun nicht mehr. Er reicht nicht, wenn Hans Meyer davon spricht, dass er definitiv drei Mannschaften in der Bundesliga sieht, die schlechter sind als der Club. Wenn es diese drei Mann-schaften wirklich gibt, müssen dies die Spieler in Rot-Schwarz endlich auf dem Platz zeigen. Und ganz ehrlich, liebe Club-Spieler: Es muss ja nicht jedes Mal gleich ein 5:1 sein… ihr dürft auch weiterhin ruhig einmal richtig grottig spielen; solange am Ende wenigstens drei Punkte auf unserer Habenseite stehen.