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UEFA-Pokal 2007/2008, Gruppenphase – 2. Spieltag
[Donnerstag, 08.11.2007 – 21.05 Uhr] 1.FC Nürnberg – FC Everton 0:2 (0:0)

0:1 (83.) Mikel Arteta
0:2 (88.) Victor Anichebe

Eines vorweg: Mit dem großen Kino ist nicht unbedingt das Spiel gemeint. Denn das Geschehen auf dem Rasen erfüllte kaum mehr als den gewohnten Bundesliga-Standard. Doch zum großen Kino gehört schließlich nicht nur ein guter Plot. Es gehören auch inter-essante Charaktäre, ein guter Soundtrack und die richtige Aus-stattung mit dazu. Es ist der Rahmen, der großes Kino vom Autorenfilm unterscheidet. Es ist die Atmosphäre, die ein Europapokalspiel vom Alltagsgeschäft abhebt.
So gab es ein erstes Kräftemessen zwischen England und Deutschland also keineswegs erst auf dem Rasen, sondern bereits Stunden vorher in den Pubs der Allstadt – sowohl in puncto Trinkfestigkeit als auch in puncto Stimmgewalt gingen die Duelle zum Glück größtenteils friedlich und überraschend meist sogar unentschieden aus. Das Geschehen auf dem Rasen wäre für den Club jedoch schon nach wenigen Sekunden fast in die Hose gegangen. Im ausverkauften Max-Morlock-Stadion hatte Arteta im Strafraum nicht lange gefackelt. Jaromir Blazek konnte zum Glück abwehren und Tim Cahill setzte den Abstauber an den Pfosten. Der Clubfan atmete also schon nach 20 Sekunden tief durch und die Spieler brauchten ein paar Minuten, bis sie erkannt hatten, dass das an dem Abend kein Selbstläufer wird.
In der 17. Minute erinnerte Leon Osman noch einmal daran und gab scharf und flach in die Mitte. Hier rutschte Cahill nur um Zentimeter am Ball vorbei. Fünf Minuten später fasste sich dann auch endlich ein Clubberer mal ein Herz. Peer Kluge zog ab und verpasste den Treffer ebenfalls nur um Zentimeter. Dominik Reinhardt wollte da in Nichts nachstehen und prüfte in der 29. Minute, wie schnell der Everton-Keeper am Boden sein konnte. Er konnte es ziemlich schnell und so lenkte Tom Howard den Reinhardt Schuß mit den Fingerspitze am Tor vorbei.
Und auch, wenn sich die Spielanteile längst eine gerechte Waage hielten, hatten die Gäste vor der Pause noch einmal die größere Chance auf die Führung. Im großen Durcheinander im Fünf-Meter-Raum behielt jedoch zum Glück FCN-Keeper Blazek als Einziger die Übersicht und sicherte sich die Lederkugel. Auch in der zweiten Hälfte schenkten sich beide Teams genauso wenig, wie es die Fans beim Einsingen vor dem Spiel in der Altstadt getan hatten.
Marek Mintal scheiterte mit strammem Schuss an Howard (48.) und auf der anderen Seite war es erneut Artetas, der Jaromir Blazek prüfte (59.).
Die größte Chance des zweiten Durchgangs vergab ausgerechnet Dauerläufer Peer Kluge, als ihm in der 67. Minute in aussichtsreicher Position der Ball versprang. Danach verflachte die Partie zusehends und im weiten Rund kam schon so etwas wie Zufriedenheit mit dem Punktgewinn auf. Hans Meyer versuchte in der 77. Minute mit Joshua Kennedy zwar noch einmal frischen Wind ins Offensivspiel zu bringen, doch dem Australier gelang nicht wirklich viel. Etwas mehr Glück hatte Meyers Pendant David Moyes, der zwei Minuten zuvor Victor Anichebe ins Spiel gebracht hatte. Anichebe war es schließlich in der 82. Minute, der ein tot geglaubtes Spiel plötzlich wieder zum Leben erweckte – wenn auch äußerst unliebsam für alle Clubfans.
Glauber konnte seinen Gegen-spieler im Strafraum nicht stoppen und zog und zerrte so lange an ihm rum, bis Schiedsrichter Mallenco gar keine andere Wahl mehr hatte, als auf den Punkt zu zeigen. Artete verwandelte sicher zur Führung von Everton und schickte Blazek ins falsche Eck. Was blieb dem Club nun, als hinten zu öffnen und die Chance auf den Ausgleich doch noch zu suchen? Und während die Männer von Hans Meyer vorne suchten, nahm es Anichebe dieses Mal selbst in die Hand bzw. an den Fuß und sorgte in der 88. Minute mit einem gezielten Schuss aus spitzem Winkel für die Entscheidung. Irgendwann ist auch das größte Kino einmal zu Ende und die Clubfans dürfen sich freuen, dass es noch mindestens drei Vorstellungen geben wird.

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Everton zu Gast bei Freunden

So riecht also die große, weite Fussballwelt. Das war wirklich großes Kino, was an diesem Donnerstag in Nürnberg los war. Eine Stimmung wie zur WM, nur clubbiger. Einfach unbeschreiblich und definitiv der Grund, warum man sich an Europapokalspiele in Nürnberg gewöhnen könnte. In einschlägigen Irish-Pubs gab es gar Chorgesänge zwischen Club- und Evertonfans. Jungs, Ihr dürft gerne wieder kommen oder uns mal zu Euch einladen.