Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Fussball-Bundesliga 2007/2008, 12.Spieltag
[Samstag, 03.11.2007 -15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – VfB Stuttgart 0:1 (0:1)

0:1 (25.) Mario Gomez

Wie heißt es so schön: Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Bleibt die Frage: Wo fängt Pech an und wo hört Unvermögen auf. Oder anders ausgedrückt: Wer keine Tore schießt, kann auch nicht gewinnen. Aber der Reihe nach: Noch nie in der mittlerweile 44-jährigen Geschichte unserer allseits geliebten Bundesliga ist der amtierende deutsche Meister am 12. Spieltag auswärts noch punktlos durch die Republik gereist. Und selten wurde ein Match zwischen Meister und Pokalsieger in der Presse so sehr als „Not gegen Elend“ bezeichnet. Die beiden Krisenclubs der Liga treffen aufeinander und was macht der Club? Uneigennützig wie er nun mal ist, verteilt er auch am Geburtstag des eigenen Cheftrainers noch kräfitg Geschenke. Dass der VfB Stuttgart in der letzten Saison trotz gewonnener Meisterschaft so etwas wie der Lieblingsgegner des Ruhmreichen war, zählte am Samstag nicht mehr.
Dabei begann der Club ganz gefällig. Zvjezdan Misimovic prüfte Ex-Club-Keeper Raphael Schäfer gleich in der ersten Minute mit einem Vollspannschuß. Und nur acht Minuten später testete auch Jaohar Mnari, ob Schäfer schon im Spiel ist. Fast konnte man sagen, dass die Mannschaft von Geburtstagstrainer Hans Meyer die Partie recht gut im Griff hatte, als Jaromir Blazek in der 22. Minute das erste Mal wirklich eingreifen musste. Ecke von Thomas Hitzlsperger, Kopfball von Ferndando Meira und wie die tschechische Katze die Hand noch an diesen Ball bekam, war in Echtzeit nicht zu klären. Ein sagenhafter Reflex im richtigen Bruchteil der Sekunde und der Ball war abgewehrt. Auf der anderen Seite köpfte Joshua Kennedy nur eine Minute später den Ball knapp über das VfB-Gehäuse. In der 25. Minute dann die Glanzminute des Mario Gomez. Nach Flanke von Andreas Beck nahm der Nationalstürmer den Ball mustergültig mit, umkurvte die gesamte Club-Hintermannschaft wie Slalomstangen und schob die Lederkugel zur 1:0-Führung des VfB ein.
Doch zumindest die kämpferische Einstellung stimmte im Gegensatz zu den letzten beiden Auftritten beim Club dieses Mal. So ließ man sich durch den Rückstand nicht lange schocken und erarbeitete sich noch in der ersten Halbzeit mehrere gute Chancen zum Ausgleich. Die Beste dieser Chancen vergab Joshua Kennedy in der 35. Minute. Nach Flanke von Mnari und Vorlage von Misimovic klatschte der Schuss des Australiers jedoch an den Innenpfosten und kehrte von dort aus ins Spiel zurück. Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch…. ach, das hatten wir schon. Auch Misimovic und Marek Mintal vergaben noch vor der Pause.
In der zweiten Halbzeit dann fast ein einseitiges Bild. Stuttgart reagierte, der Club agierte. Chancen für den Pokalsieger ergaben sich fast im Minutentakt. Nach Musterpass von Thomas Galasek verzog Kennedy (59.), eine Minute später scheiterte er mit einem Kopfball an der guten Reaktion von Schäfer. Ivan Saenko versuchte es mit einem Flachschuss (63.), Galasek mit einem Kopfball aus kurzer Distanz (75.) und auch Kennedy scheiterte noch einmal mit dem Kopf (85.). Auch in der 90. Minute noch einmal die große Chance auf den Ausgleich, doch Marek Mintal scheiterte an den eigenen Nerven, am fehlenden Glück und einer großen Portion Pech. Am Ende blieb es beim 0:1, weil der Club zwar überlegen war, jedoch zu keinem Zeitpunkt zwingend genug, um den Ausgleich zu erzielen.
Nach dem Bochumer Sieg im Sonntagspiel rutscht der Club damit wieder auf einen Abstiegsplatz und das Auswärtsspiel in Bielefeld am kommenden Sonntag avanciert nach der 0:4-Schlappe der Arminia in Leverkusen zum ersten Sechs-Punkte-Spiel der Saison. Zwischendrin kommt da aber noch ein Gast aus England. Und in Everton freut man sich schon auf einen Auswärtssieg.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Duplizität der Ereignisse

Ok, nun ist es also soweit. 5:1 gegen Frankfurt gewonnen und seitdem ungefähr 1000 Kilometer durch die Republik gegurkt, ohne auch nur das geringste Erfolgserlebnis. 1:3 beim Ex-Lieblingsgegner im VW-Dorf, beim Zweitligaabsteiger trotz Überzahl auf die unnötige Elferlotterie verlassen… und vegeigt. Sorry, Leute – nicht gemerkt? Im DFB-Pokal gibt es kein Rückspiel; da helfen auch die zwei Auswärtstore in Jena nicht.
Aber seien wir doch ehrlich: Da fehlte doch sozusagen als i-Tüpfelchen am Samstag nur die 0:1 Niederlage gegen den VfB. Hallo? 3:0, 4:1 und Pokalsieg…. Der Glubb entwickelt sich zum Liebling krisengeschüttelter Gegner.
Wolfsburg kommt mit Magath nicht zurecht, Jena hat in der zweiten Liga gerade mal ein einziges Spiel gewonnen und die Spätzle-Schwaben kommen – wohlgemerkt als amtierender Meister – mit genau Null (in Zahlen: 0) Auswärtspunkten nach Nürnberg. Herzlich Willkommen, Herr Veh, herzlich willkommen, Meistertrainer. Sie brauchen Motivation für Ihre Mannschaft?
Ein Saufabend, wie ihn Mario Gomez vor nicht allzu langer Zeit vorgeschlagen hatte, ist vielleicht gar keine so schlechte Idee. Schließlich ist Frustsaufen auch für uns Clubfans das Einzige, was uns vom Sprung von der Brücke noch abhält. Dennoch sei hier betont, liebe Clubspieler, man macht einen solchen Saufabend NACH einem Spiel und nicht am Abend bevor man in Jena antritt…..
Nach viereinhalb Stunden Hinfahrt und einem schreienden Wecker trotz Wochenende um 7.30 Uhr sitze ich also nun im Rück-ICE nach Berlin. Um mich herum sind inzwischen die Ostpocken in Behelfspelzen zum Modellcasting in die Hauptstadt unterwegs und ich winde mich auf meinem 1,50 Euro teuren Reservierplatz am Laptoptisch in Krämpfen der Ausweglosigkeit. Erste Schmerzen der Abstiegsunvermeidlichkeit kommen auf.
What ever happened to the Pokalsieger? Alle Erklärungen lösen sich in der Hoffnung auf, wenigstens den UEFA-Cup zu gewinnen, bevor wir absteigen. Wäre immerhin auch einmalig.
Lieber Club – bei aller Scheiße, die ich in meinen noch jungen 25 Jahren Anhängerschaft bisher mitgemacht habe. So langsam fange ich durchaus an, mich zu fragen, ob da im Sommer vom Ein oder Anderen vielleicht sogar ein wenig zu sehr auf die Euphoriebremse getreten wurde. Denn bei aller Pokalfreude: Spätestens seit Samstag sind wir Abstiegskandidat. Egal, ob Hans Meyer da drei schlechtere Mannschaften sieht.
Man muss auch als Energie Cottbus gegen Schalke erst einmal 1:0 gewinnen, und überhaupt: wir haben Frankfurt 5:1 aus dem Stadion gefegt. Die Bauern gegen Amanatidis und Co. nur 0:0 – macht uns das besser als die Bauern? Sind wir gar besser als Schalke, denn wir haben in Cottbus schließlich trotz Schiri Knut Kircher ein 1:1 geholt.
Egal, wo wir stehen… egal, was auch passiert… Erinnern wir uns einfach daran, wann wir das letzte Mal zu Hause 0:1 gegen den VfB verloren haben. Und zefix – das war auch am 12. Spieltag.
Damals hat nach dem Spiel ein gewisser Herr Neururer seine Absage auf die Club-Mailbox gesprochen. Und mal ehrlich? Sind wir nicht heute noch froh darüber? Denn schließlich war doch genau Peterchens Mailbox-Absage damals nichts Anderes als ein Neuanfang in Richtung Pokalsieg.